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A Billion Lives auf YouTube

Von Doppelmoral und Community

Es war zu erwarten. Und wie zu erwarten spaltet es die so genannte Dampfer Community. Seit gestern ist die Dampfer Doku A Billion Lives auf YouTube zu sehen. Natürlich illegal.
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Im vergangenen Jahr hat der Dokumentarfilmer Aaron Biebert die Dokumentation A Billion Lives herausgebracht. Der Nichtraucher wurde auf die Problematik der E-Zigarette und des Kampfes durch die Pharmaindustrie und Tabakindustrie gegen die risikoärmere Variante aufmerksam und beschloss, sich diesem Thema anzunehmen.

Leider konnte kein großer Filmverleih für diesen wirklich guten Film auf Kino Niveau gewonnen werden. Obwohl er inzwischen mehrere Preise eingeheimst hat, in Neuseeland für das Aufbrechen einer öffentlichen Diskussion mitverantwortlich war und sogar für die Filmfestspiele in Cannes und den Oscar zur Rede stand.

Selfmade Doku

Filmpremiere A Billion Lives in Berlin

Finanziert wurde der Film vor allem durch Aaron Biebert und seine Frau selber. Was in der Realität wohl bedeutet durch Kredite, für die sie als Privatpersonen haften.
Sie reisten mit einem Kamerateam auf fünf Kontinente, recherchierten lange und organisierten viele Premieren mit.
Unter anderem die Premiere in Berlin, zu der ich selber ebenfalls als VUP eingeladen war. Diese wurde von privaten Leuten aus dem E-Zigaretten Bereich organisiert und maßgeblich durch einige Investoren aus der Branche finanziert und so ermöglicht.

Probleme im Marketing

Die Bieberts bei der Premiere in Berlin

Ein guter Filmemacher muss kein guter Marketing Mensch sein. Und so gibt es sicher den einen oder anderen Kritikpunkt an der Vorgehensweise von Aaron.
Verständlich ist, dass vor allem der englischsprachige Markt angegangen wurde. Auf dem gerade im Medien Bereich zuweilen andere Regeln herrschen in Europa. Doch da der deutschsprachige Raum der zweitgrößte Markt in dem Geschäft ist, konnte sogar eine deutsche Version realisiert werden.

Da der Film nicht über einen Verleiher an den Markt gebracht werden konnte, hat man dann also geschaut, die Investitionen wenigstens auf anderen Wegen wieder herein zu holen. Dazu sollte man sich vielleicht verdeutlichen, dass es hier keineswegs um ein milliardenschweres Unternehmen geht. Sondern um eine Familie und einige Mitarbeiter, die das Risiko eingegangen sind sich eines Themas anzunehmen. In der Hoffnung ihre Investitionen einmal heraus zu bekommen.
So wurde die Dokumentation inzwischen auf iTunes bereitgestellt, es laufen Verhandlungen mit einigen anderen Plattformen und sogar mit Fernsehsendern wurde gesprochen.

Es musste so kommen

Seit gestern ist der Film nun auf YouTube zu sehen. In der deutschen Version. Das ist wenig überraschend. Es war nur eine Frage der Zeit.
Irgendeiner würde schon daher kommen, sich den Film ziehen und klickgeil für ein paar Sekunden Fame hochladen.
Und sicher hat das für das Dampfen auch Vorteile, wenn jeder den Film sehen kann. Das kann man nun einmal nicht abstreiten.
Doch es ist ein deutliches Zeichen für die Doppelmoral, die nicht nur im Bereich des Dampfens herrscht.

Von Grassroot zur Marktwirtschaft

So entstanden die ersten Liquids mit Kaffee Aroma.

Die E-Zigarette ist eine Grassroot Bewegung. Sie ist durch die Dampfer groß geworden, durch Menschen, die getüftelt, ausprobiert und sich ausgetauscht haben.
Das Problem ist aber, dass nur ein sehr geringer Bruchteil der Menschen dieses Engagement einbringt. Die große Mehrheit der Menschen wollen ihre E-Zigarette und ihr Liquid so konsumieren, wie sie vorher Zigaretten konsumiert haben. Schnell, leicht, einfach.
Und da ist inzwischen eine Verwerfungslinie entstanden. Denn einige verstehen das nicht oder wollen es nicht akzeptieren. Für sie muss Dampfen weg vom Kommerz.
Das doofe ist nur, dass ohne Kommerz nichts im größeren Rahmen funktioniert. Jede Underground Bewegung stößt da an ihre Grenzen. So wie inzwischen jede Discopalme ein Tattoo hat und jeder Hipster einen Holzfällerbart. Der Prenzlauer Berg ist voll von Menschen, die in den gastronomischen und künstlerischen Schmelztiegel gezogen sind. Und sich jetzt darüber beschweren, dass die Kneipen zu laut sind.
Und Motörhead Shirts gibt es schon bei C&A.

Wutdampfer und Kommerz

Auf der einen Seite gibt es Menschen, die akzeptieren, dass auch ein Liquid Hersteller, ein Händler für E-Zigaretten oder auch ein Blogger oder Vlogger von irgendetwas leben muss. Zu tun was sie (wir) tun kostet Zeit, Ressourcen und Fachwissen. In dieser Zeit kann man nun einmal nichts anderes tun. So wie ein Filmteam, das um die Welt fliegt, keinen anderen Job annehmen kann.
Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die ich als Wutdampfer bezeichne. Sie sind in dem Bild haften geblieben Dampfen müsste frei sein, am besten nichts kosten und dürfte keinen Kommerz unterstützen. Das ist ja erst einmal ein sinnvoller Ansatz. Aber mit diesem Ansatz wäre das Dampfen nicht dort, wo es heute ist. Und sie selber hätten auch sicher nicht einen neuen Akkuträger in der Hand.

Wer zum Nachdenken auffordert…

Nazi Guru. Ganz klar.

Ein sehr deutliches Zeichen für diese Doppelmoral durfte ich ja auch bei meiner Tätigkeit für vapers.guru schon feststellen.
Da ich dazu aufgerufen hatte ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man lieber bei lokalen Händlern kauft, konnte ich ein Shitstörmchen genießen. Der Slogan „Think global, act local“, der unter anderem auch von Umweltorganisationen genutzt wird, wurde in meinem Fall zu einem „Kauft nur bei Deutschen“ umgedeutet. Ich wurde ziemlich eindeutig in die Ecke der Nationalsozialisten gestellt.
Und weil das Internet alle anderen so schön anonymisiert, kann ich mich bis heute auch als „dumm wie Brot“ und „allwissende Müllhalde“ bezeichnen lassen.

Doppelmoral wird argumentiert

Die Doppelmoral zeigt sich aber dann daran, dass genau diese Menschen sich lieber den neusten Verdampfer in China bestellen. Als dass sie die vermeintliche Wartezeit akzeptieren und dafür dann etwas mehr zahlen. Sie biegen sich das dann einfach so zurecht, dass es ja eine Art von Revolution wäre.
Dass sie damit absolut nichts bewirken, außer andere zu schädigen die sich an die Gesetze halten, scheint ihnen gar nicht klar zu sein. Oder es ist ihnen egal. Der Angestellte im Shop um die Ecke ist ja auch nur ein Systemling. Geschweige denn, dass sie produktiv versuchen, die Situation in Europa sinnvoll mitzugestalten.
Von solchen Kleinigkeiten wie dem Hungerlohn in chinesischen Fabriken einmal ganz abgesehen.

Nein, die Verhältnisse werden einfach so lange im Hirn zurechtgebogen, bis dabei etwas Selbstwertdienliches herauskommt. Und meist kommt dann heraus, dass man nur gegen „die da oben“ aufbegehrt und man ja ein moralisches Recht hätte.
Auf die Autoindustrie schimpfen ist nur so lange einfach, bis man sich klar macht, dass sein eigener Arbeitsplatz vielleicht auch davon abhängt.
Dass einem Politiker in Brüssel das moralische Recht aber egal ist und es ihn sicher auch nicht stört, wenn man wo anders bestellt, das wird ausgeblendet. Stattdessen konstruiert der Wutdampfer sich ein Bild von einer Community, die zusammenhält und gemeinsam für das Dampfen kämpft.
Wo ist denn diese Communty? Kein Shitstorm in den Facebook Gruppen. Keiner auf YouTube. Naiv, wer anderes erwartet hat.

Ab wann nicht mehr Community?

Das wirft dann doch die Frage auf, ob der Regisseur und Nichtraucher Aaron Biebert nun Teil dieser Community ist, oder eher nicht. Ist das geldgeiler Kommerz, oder etwas Gutes für die Dampfer?
Diese Fragen und Widersprüche werden ausgeblendet.
Man wird von eben diesen Menschen keine Definition erfahren, ab wann etwas Kommerz oder politische Willkür ist, und bis an welchem Punkt etwas noch Revolution.
Und genau das ist die Doppelmoral.

Eine Doku über das Dampfen auf YouTube einzustellen, oder sie sich bewusst anzusehen anstatt 12,99$ auf iTunes oder € 3,12 auf Vimeo dafür zu bezahlen, ist ganz einfach eins: Billiger Egoismus. Von dem keiner ganz frei ist, auch ich nicht. Aber es als etwas anderes zu verkaufen ist noch billigere Doppelmoral.

Verbrannt ist verbrannt

Bis jetzt wurde der Film über 500 Mal auf YouTube angesehen. Über 100 Mal während ich dies schreibe. Sicher auch von vielen Nutzern, die diese Hintergründe nicht kennen. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, aufregen hilft nun auch nicht.
Aber zumindest ist jeder Klick eine deutliche Aufforderung, sich einmal Gedanken um die viel beschworene Community zu machen. Um wirkliche Solidarität. Und sich zu positionieren.

Mit einer solchen Veröffentlichung ist ein Film „verbrannt“. Kein Filmverleih und kein Sender werden den noch kaufen. Damit werden viele Menschen nun zwar A Billion Lives sehen können. Aber noch viel mehr werden ihn nie zu Gesicht bekommen.
Es dürfen Wetten abgeschlossen werden, ob sich nun noch einmal ein unabhängiger Regisseur mit dem Thema befasst.


EDIT: Wie ich gerade leider erst durch einen Kommentar auf Facebook gesehen habe, ist der Film in der deutschen Version auf Vimeo zu sehen. Link unten.


A Billion Lives auf iTunes: https://itunes.apple.com/us/movie/a-billion-lives/id1214141157
A Billion Lives auf Vimeo: https://vimeo.com/ondemand/abillionlivesde/219704888
Artikel A Billion Lives auf iTunes: http://www.vapers.guru/2017/03/21/a-billion-lives-auf-itunes/
Artikel Filmpremiere in Berlin: http://www.vapers.guru/2016/11/21/deutschlandpremiere-a-billion-lives/

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Marketingberater und Mediengestalter bei einem gemeinnützigen Verein (angestellt). Selbstständiger Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.
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