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Fehlende Langzeitstudien

Prof. Dr. Mayer veröffentlicht Stellungnahme

Der in Dampferkreisen bekannte Pharmakologe Prof. Dr. Mayer hat sich erneut mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Es gibt keine Langzeitstudien. Und es wird auch nie welche geben. Die Forderung danach ist ein Taschenspielertrick und eine Nebelkerze.
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Wissenschaft unterscheidet sich sehr von dem allgemeinen Wissen und dem was man gerne als „gesunden Menschenverstand“ bezeichnet. Den Psychologen im Übrigen seit Bestehen der Psychologie erfolgreich widerlegen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die mantraartig wiederholte Einstufung von Nikotin als Gift.
Nikotin ist ein Nervengift. Es wurde und wird auch als Pestizid eingesetzt. Aber wenn man das streng wissenschaftlich verstehen will, muss man sich klar machen, dass alles ein Gift sein kann. Ob eine Substanz giftig ist, bestimmt nicht die Substanz. Sondern die Dosierung.
Coffein hat eine ähnliche Wirkung wie Nicotin, aber niemand käme auf die Idee, es als „Gift“ zu bezeichnen. Und auch Coffein wird als Pestizid eingesetzt.

Überdosierung von Wasser

Alle Medikamente sind ein Gift, denn spätestens bei ihrer Überdosierung treten verschiedene Symptome auf, die man als Vergiftungserscheinungen bezeichnen kann. Es sind auch schon Marathonläufer gestorben, weil sie nach dem Lauf zu viel Wasser auf einmal getrunken haben. Dennoch käme niemand auf die Idee, Wasser als Gift zu bezeichnen.
Die Einstufung einer Substanz als Gift stammt also aus vergangenen Zeiten, in denen der Menschheit nicht die entsprechenden, wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Verfügung standen.

In der allgemeinen Wahrnehmung wird als Gift verstanden, was in geringen Dosierungen schädlich ist. Man denkt bei Gift automatisch an Arsen, mit dem bekannterweise schon im Mittelalter reihenweise unliebsame Ehemänner um die Ecke gebracht wurden. Bekannt ist auch das Zyankali, mit dem sich Nazi Größen wie Himmler und Göring vor ihrer Verantwortung gedrückt haben.
Dem ein oder anderen wird auch Rizin bekannt sein, mit dem der bulgarische Schriftsteller Georgi Markow in James Bond Manier durch eine präparierte Regenschirmspitze liquidiert wurde. Oder das Polonium, mit dem der ehemalige Geheimdienstler und Putin Gegner Litwinenko vergiftet wurde.

Alles ist Gift

USA: Überraschungseier gefährlich, Sturmgewehre ok

All diese Morde hätten ebenso gut mit Aspirin verübt werden können. Die Dosis hätte nur so hoch sein müssen, dass es für einen Mord impraktikabel ist. Man könnte jemanden sogar durch Vitamin A töten. Allerdings müsste man ihm über lange Zeit täglich etwa 200 Eier verabreichen. Was es leichter machen würde, ihn einfach mit 200 Eiern zu erschlagen.
Die Wissenschaft und die Gemeinbildung gehen inzwischen in vielen Bereichen nun einmal getrennte Wege. Streng wissenschaftlich gibt es gar kein Gift. Weil alles irgendwie Gift sein kann.

In die Gemeinbildung ist eingeflossen, dass Rauchen schädlich ist. Und dass man die Folgen erst nach längerem Rauchen beobachten kann. Denn es dauert eine Zeit, bis die Arterien „verkalkt“ sind (auch so ein Unfug). Und selten kann man das entarten einer Zelle nach dem Rauchen einer Zigarette beobachten. Irgendwann bekommt man halt Krebs, welche Zigarette das nun ausgelöst hat, weiß man nie.
Man kann nur Wahrscheinlichkeiten aufwiegen. Und diese kann man am besten durch so genannte Langzeitstudien beobachten.

Langzeitstudien sind Vergleiche

Langzeitstudien sind genau das. Nur Vergleiche von Wahrscheinlichkeiten.
Umso länger jemand raucht, umso wahrscheinlicher ist es, dass er an Krebs erkrankt. Wirklich nachweisen lässt sich das kaum. Aber dieser Zusammenhang, wissenschaftlich Korrelation genannt, macht es sehr sehr wahrscheinlich.
Es gibt auch eine Korrelation zwischen den Weihnachtstagen und Selbstmorden. Kaum jemand hat deshalb Angst vor Weihnachtsbäumen.
Genau in diese Kerbe hat die Tabakindustrie jahrelang argumentativ geschlagen. Bis dieser Zusammenhang so wahrscheinlich wurde, dass sie nicht mehr dagegen argumentieren kann. Bei Debatten in den USA tut sie das bis heute.

Vom Tabak übertragen

Nun wird diese Erkenntnis aber einfach auf die E-Zigarette übertragen. Es wird etwas inhaliert, was ausgepustet wird sieht aus wie Rauch, also muss man auch das erst einmal in solchen Langzeitstudien untersuchen.
Dieses Argument wird seit Jahren wieder und wieder angebracht. Im deutschsprachigen Raum allen vorweg vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

„Das Argument der fehlenden Langzeitstudien erscheint auf den ersten Blick als sachlich gerechtfertigt und wird daher nur selten hinterfragt. Tatsächlich handelt es sich aber um einen geschickten Trick zur Verunsicherung umstiegswilliger Raucher, denen man auf diese Weise implizit den Rat erteilt, sicherheitshalber weiter zu rauchen.“
Prof. Dr. Bernd Mayer, Universität Graz, 29.08.2017

Wie schädlich ist Liquid?

Musikintrumente sind potentiell lebensgefährlich

Betrachtet man sich das jedoch einmal genauer, wird schnell klar, warum das galaktisch dämlich ist.
Liquid besteht aus den beiden Grundsubstanzen Propylenglykol und Glycerin. Beide Stoffe sind gut erforscht. Sie sind in sehr vielen Sachen enthalten. Über Kosmetik und Duschgels bis hin zu Frostentfernern.
Gerade Propylenglykol (eigentlich 1,2-Propandiol, allg. PG) ist gern verwendeter Träger von Aromastoffen. Und es gibt keinerlei Anzeichen, dass es irgendwie gesundheitsschädlich sein könnte. Selbstverständlich im Rahmen dessen, was man allgemein als „giftig“ bezeichnet. Wenn jemand einen 1000l Kanister PG auf den Kopf bekommt, könnte das durchaus unliebsame gesundheitliche Konsequenzen haben.

Magen und Lunge

Bei vielen Beispielen wird PG allerdings über die Verdauung aufgenommen, und nicht inhaliert. Und das ist ein Argument, mit dem auch vapers.guru sich schon häufiger auseinandersetzen musste.
Für die Metabolisierung, also die Verstoffwechselung, ist es ziemlich unerheblich, wie ein „Gift“ in den Körper gelangt.
Selbstverständlich wird eine Substanz unterschiedlich aufgenommen. Jemand der sich besoffen inhalieren will, wird damit arge Probleme haben. Beim Schlucken von Alkohol geht das leichter. Aber für die schädliche Wirkung ist ja ausschließlich entscheidend, was nachher im Körper ist. Lustig wird es, wenn der Alkohol im Hirn landet. Unlustig, wenn man so am Straßenverkehr teilnimmt.
Man denke nur an andere Drogen, die geschnupft, also über die Schleimhäute aufgenommen werden können, inhaliert oder per Injektion direkt ins Blut geschossen werden können. Und auch Kiffen kann man per Inhalation oder mit ein paar leckeren Bownies.

Deshalb ist es durchaus statthaft, einmal das Formaldehyd in E-Zigaretten und Bananen zu vergleichen, wie Prof. Dr. Mayer es auch schon getan hat. Bananen sind sein Markenzeichen.

Theaternebel und Asthma Inhalatoren

Aber selbst wenn man das außer Acht lässt, Inhalieren wir PG und VG (vegetable glycerin) häufig. Denn Disconebel wird aus diesen Substanzen gemacht. Als Theaternebel ist er seit Jahrzehnten in Benutzung, die Inhaltsstoffe weisen hier sogar eine sehr viel geringere Reinheit als in Liquids auf.
Und beide Trägerstoffe sind sogar in Nicotin Sprays enthalten, die in jeder Apotheke zu kaufen sind. In Asthma Inhalatoren waren sie lange in Verwendung und sind lediglich aus anderen Gründen abgelöst worden. Zugelassen sind sie bis heute.

Es besteht also gar eigentlich gar kein Anlass, Langzeitstudien für diese Stoffe zu fordern. Es gibt diese Erkenntnisse bereits. Und ähnliches gilt auch für die Aromastoffe.
Nun könnte man einwerfen, dass diese Substanzen ja nicht über lange Zeit konsumiert werden. Aber irgendein Asthmatiker oder Shakespeare Darsteller müsste dann doch mal wenigstens ein bisschen Krebs bekommen haben. Und wir kommen inzwischen auf Millionen von Dampferjahren weltweit.
Das ist tatsächlich erst einmal schwer verständlich und schwer einzusehen. Es entspricht aber den wissenschaftlichen Tatsachen.

Was will man denn heraus finden?

Bananen im Bundestag: Prof. Dr. Mayer vorm Ausschuss

Selbst wenn man sich dieser Forderung aber anschließt, dann müsste man doch erst einmal definieren, was man genau wissen möchte. Denn danach würde sich das so genannte Design einer solchen Studie richten.
Und dass das eigentlich unmöglich ist, erläutert Prof. Dr. Mayer sehr ausführlich.

„Die E-Zigarette“ gibt es nämlich eigentlich gar nicht.
Beim Rauchen ist das etwas einfacher. Man nimmt eine handelsübliche Zigarette, schließt sie an eine Smoking Machine, und analysiert was dabei heraus kommt. Das nennt man dann Sample. Denn diese Zigaretten werden millionenfach hergestellt, der Tabak wird verschnitten („blended“) so dass alle Zigaretten gleich schmecken, und man erhält damit recht zuverlässige Samples.

Es gibt nicht die E-Zigarette

Die kleine Dampfe für zwischendurch

E-Zigaretten unterscheiden sich maßgeblich. Durch das Modell, die Leistung, die Temperatur, den Modus, und so weiter. Stellt man bei einer E-Zigarette des gleichen Typs nur eine leicht höhere Leistung ein, ändern sich alle anderen Parameter, die für die Messung eminent wichtig sind.
Hinzu kommen die Liquids, die sich völlig unterscheiden.
Nicht nur die Nikotin Dosierung ist unterschiedlich. Alleine die Anteile von PG, VG und Wasser unterscheiden sich. Von den tausenden Aromen einmal abgesehen.
Würde man also eine E-Zigarette testen, dann würde sich dieser Test immer nur auf exakt das eine Liquid beziehen.
Alleine das macht also jede Aussage eines Testergebnisses ausgesprochen fragwürdig. Und genau solche Aussagen werden von den Medien wieder und wieder als Schlagzeilen missbraucht.

„Neben der Beeinträchtigung von Herz- und Lungenfunktion gibt es noch zahlreiche andere schädliche Wirkungen, die man E-Zigaretten unterstellt hat, u.a. erhöhte Infektionsanfälligkeit, Taubheit, Erblindung, Zahnausfall, Impotenz, Unfruchtbarkeit u.v.a. Es ist vollkommen aussichtslos all diese kolportierten Schädlichkeiten in einer Langzeitstudie zu erfassen, sodass die Gegner am Ende das Ergebnis stets mit einem „Ja, aber…“ in Frage stellen würden.“
Prof. Dr. Bernd Mayer, Universität Graz, 29.08.2017

Cig-a-likes und Smoking Machines

Smoking Machines werden auch für E-Zigaretten benutzt

Hinzu kommt die Frage des Testens selber. Wie bereits mehrfach auf vapers.guru erläutert, werden für solche Tests gerne E-Zigaretten der ersten Generation verwendet. So genannte Cig-a-likes. Denn diese kleinen Geräte reagieren auf Zug und können somit wunderbar in die erwähnten Smoking Maschine eingespannt werden.
Dabei fehlt aber das, was man auch als sensorische Kontrolle bezeichnet. Ein Dampfer würde nie weiter ziehen, wenn zu wenig Liquid nachfließt. Denn die Watte fängt dann an zu kokeln und es schmeckt erbärmlich. Ein Hustenanfall ist die Folge.
Smoking Machines husten aber nicht. Sie ziehen weiter, auch wenn das Gerät so heiß läuft, wie kein Vaper es jemals konsumieren würde. Und genau bei dieser Reaktion entstehen dann die Schadstoffe, die dann gerne von Wissenschaftlern als Ergebnis ihrer Studie veröffentlicht werden.

Auch der Unterschied der Inhalation könnte entscheidend sein. Denn bei der direkten Inhalation wird sehr viel mehr inhaliert als bei dem traditionellen M2L (Mouth to Lung), dass dem Tabakrauchen ähnelt. Weshalb M2L Dampfer oftmals viel höhere Nicotin Dosierungen bevorzugen, bei der direkten Inhalation wird die Nikotindosis meist sehr schnell reduziert.
Sicher, der Weg der Aufnahme ist egal. Aber wie viel landet tatsächlich im Stoffwechsel?

Kontrollgruppensuche

Und ein Grundsätzliches Problem muss angesprochen werden. Vielleicht sogar das wichtigste Problem von allen.
Eine gewissenhafte Studie macht nur Sinn, wenn man einen Vergleich hat. Deshalb nutzen Wissenschaftler gerne Kontrollgruppen. Aber wie sollen diese Kontrollgruppen aussehen?
Denn Dampfer sind ehemalige Raucher. Um es ganz direkt zu sagen: Bekommt nun ein Dampfer Krebs, so kann das immer noch daran liegen, dass er zuvor jahrzehntelang geraucht hat.

„Zur Unterscheidung der Schädlichkeit des Dampfens von Folgeschäden des Rauchens müsste man für die Studie Nichtraucher dazu verpflichten, mehrere Jahre regelmäßig zu dampfen (und sie damit den angeblich schädlichen Wirkungen des Dampfens aussetzen) und mit nicht-dampfenden Nichtrauchern vergleichen. Dass ein derartiges Protokoll von Ethikkommissionen bewilligt würde, darf bezweifelt werden.“
Prof. Dr. Bernd Mayer, Universität Graz, 29.08.2017

Forderung galaktisch dämlich

Die Forderung nach Langzeitstudien mag gemäß gesundem Menschenverstand erst einmal sinnvoll erscheinen. Aber sie ist schlicht unsinnig.
Wenn man sich genauer betrachtet, wer diese Forderung aufstellt und ständig wiederholt, muss man unterstellen, dass diese Menschen es besser wissen sollten.
Denn egal was eine solche Studie erbringen würde, wenn sie denn überhaupt möglich wäre. Gegner der E-Zigarette könnten immer wieder fehlende Variablen kritisieren und somit dieses Argument unendlich weiter nutzen.

„Mit dem Hinweis auf fehlende Langzeitstudien kann die Unbedenklich jedes gesundheitspolitisch unerwünschten neuen Produkts in Frage gestellt werden. Weder für Joghurt noch Energydrinks und die meisten Arzneimittel liegen zum Zeitpunkt der Zulassung Langzeitstudien zur Sicherheit vor. Solange es keinen Hinweis auf Schädlichkeit gibt und kein plausibler Grund für die Annahme von Schädlichkeit besteht, sind neue Produkte als sicher einzustufen. lm Fall von E-Zigaretten ist diese Voraussetzung gegeben. Außerdem gibt es nach mehr als 10 Jahren der Verfügbarkeit von E-Zigaretten keinen Hinweis auf Gesundheitsschädigung von Dampfern. Auch liegen mittlerweile zahlreiche klinische Studien vor, die den Vorteil des Umstiegs vom Rauchen auf das Dampfen eindrucksvoll belegen.“
Prof. Dr. Bernd Mayer, Universität Graz, 29.08.2017

Es wird keine solchen Langzeitstudien geben. Man kann nichts beweisen, was nicht da ist.
Wie von Gegnern angemerkt wurde, befinden Dampfer sich in einer rieseigen Feldstudie. Das ist tatsächlich so. Der feine Unterschied ist nur, dass man sich immer in einer Feldstudie befindet. Bei Energy Drinks, Hustenbonbons und Lederimitaten.
Befürworter der E-Zigarette täten gut daran, nicht zu versuchen, eine Unschädlichkeit nachzuweisen. Denn das geht nicht, es ist rein logisch unmöglich.

Sinnvoller wäre es, die Forderung von vorn herein als das zu entlarven was sie ist. Eine Nebelkerze.
Leben ist Restrisiko.


Stellungnahme Prof. Dr. Bernd Mayer: https://www.vapers.guru/wp-content/uploads/2017/08/Fehlende_Langzeitstudien_zum_Dampfen.pdf

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.

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