Loch in der Nasenscheidewand

Dampfen ist das Koks für Reihenendhausbesitzer

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Gestern erschien wieder eine dieser Horrormeldungen zu E-Zigaretten, diesmal von der Lieblings-Zeitung aller Vaper.
Offenbar war die Redakteurin Nicole Gast dazu verdonnert worden sich etwas möglichst Aufsehen erregendes über diese komischen E-Zigaretten aus den Fingern zu saugen. Heraus kam dabei ein Glanzstück des deutschen Journalismus.
Eigentlich hätten wir dieses Schriftwerk ignoriert. Aber nachdem in einigen Foren tatsächlich Befürchtungen laut wurden, haben wir uns dazu aufgerafft es doch mal zu besprechen. Um es vorweg zu nehmen, lest lieber unseren Artikel zu dem Thema, da steht alles sachlich und fundiert drin. Warum man Husten muss, warum die Schleimhäute trocken werden und so weiter.

Solche Zeitungsmeldungen hinterfragt vapers.guru ja ganz gerne. Aber damit es nicht so langweilig wird, gehen wir dieses Mal den recht kurzen Artikel einfach Satz für Satz durch. So seht Ihr direkt, wie man so etwas zusammenschraubt. Den Artikel selber verlinken wir gar nicht erst, damit diese Menschen damit nicht noch Kohle kassieren.

HNO-Chefarzt erklärt
Kaputte Nasenscheidewand durch E-Zigarette

Das erklärt der Arzt überhaupt nicht. Achtet mal drauf.

Dann folgt ein Titelbild  mit folgender Bildunterschrift:

Eden hält das frei verkäufliche Liquid und eine E-Zigarette in die Kamera – die Flüssigkeit soll schuld an seiner kaputten Nasenscheidewand sein

Man beachte: Konjunktiv. Es „soll“ an der kaputten Nasenscheidewand Schuld sein. Damit entledigt sich die Schreiberin jeglicher Verantwortung.

Eden Randall (21) aus Oxon (England) hat seine E-Zigarette bisher eigentlich ganz gern gepafft – künftig wird er das allerdings sein lassen. Grund: Die Chemikalien, die anstelle des Tabaks in der E-Zigarette enthalten sind – Liquids genannt – , haben angeblich seine Nasenscheidewand zerstört.

Nun, man kann jetzt lange darüber diskutieren dass es nicht „paffen“ heißt. Denn jeder Raucher und Vaper weiß, dass „paffen“ eigentlich das Ziehen von Qualm oder Dampf bezeichnet, ohne zu inhalieren. Man darf Mutmaßen dass die Autorin Nichtraucherin ist. Also sei’s drum.
Und dann ist da wieder das nette Wort „Chemikalien“. Selbstverständlich sind es Chemikalien. Selbst Nicole Gast ist Chemikalien.
Beachtet auch hier wieder den Konjunktiv, die Chemikalien „haben angeblich seine Nasenscheidewand zerstört“. Wer also bis jetzt von Pressemeldungen Fakten erwartet hat wird endtäuscht, es kommen lediglich Mutmaßungen. Frau Dr. Pötschke-Langer kann es nicht besser.

Die Liquids mit Erdbeer-Aroma hatte Eden in einer großen britischen Supermarktkette gekauft.

Also wie jetzt? Wie wir vom Arzt erfahren werden ist für eine solche Schädigung ein „Dauer-Genuss“ nötig. Hat er den Schaden nun nach nur einem Liquid, oder hat er jahrelang nur das gleiche Liquid aus dem gleichen Supermarkt gekauft? Und wenn es doch so sicher ist dass es eine Meldung wert ist, warum wird dann der Hersteller nicht genannt? Angst verklagt zu werden? Hat die Bild doch Erfahrungen mit.

Wie gefährlich sind die Liquids in E-Zigaretten für meine Nase? Ist ein solcher Schaden rückgängig zu machen? Und welche Folgen hat eine kaputte Nasenscheidewand?

BILD sprach mit Dr. Christoph Külkens, HNO-Chefarzt der Hamburger Asklepios Klinik Nord-Heidberg.

Nasenscheidewand kaputt durch E-Zigarette – kann das sein?

Dr. Külkens: „Das ist durchaus denkbar. E-Zigaretten enthalten eine nikotinhaltige Flüssigkeit und Nikotin sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. Bei Dauer-Genuss führt das zu chronischen Gefäßverengungen, das Gewebe wird nicht mehr richtig durchblutet und stirbt ab. Bei exzessivem Rauchen ist es also durchaus denkbar, dass sich diese Liquids einbrennen. Folge: Ein Loch in der Nasenscheidewand.“

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Schlecht für die Nasenscheidewand: Lederaroma

Dem Mann muss zugutegehalten werden dass er vielleicht nicht auf dem neusten Stand der Wissenschaft zu diesem Thema ist. Und ausschließen tut ein Arzt sehr ungerne etwas. Das ist bei Ärzten einfach so.
Erst einmal enthalten E-Zigaretten per se gar nichts. Die Formulierung ist in sich schon falsch. Die Probleme hier eine sachgerechte Formulierung zu finden zeigt, dass man von der Materie selber keine Ahnung hat.
Die nächste Aussage zur Gefäßverengung ist so allgemeinmedizinisch, dass es schwer fällt da überhaupt dagegen zu argumentieren. Wenn Nikotin die Gefäße im ganzen Körper verengt, warum sollte dann ausgerechnet in der Nasenscheidewand Gewebe absterben? Vielleicht hat der Herr Doktor hier an das Rauchen gedacht. Beim Dampfen ist eine direkte Auswirkung des Nikotins auf die Nasenscheidewand aber ausgeschlossen. Denn im ausgeatmeten Dampf ist nachgewiesenermaßen keine signifikante Menge Nikotin mehr enthalten.
Das wiederum würde bedeuten, Eden Randall hat im „Dauer-Genuss“ seine E-Zigarette durch die Nase inhaliert. Was nicht nur dämlich aussieht. Sollte das der Fall sein, sei Eden Randall die Konsultation eines Psychotherapeuten angeraten. Denn dann ist seine Nasenscheidewand eins der kleineren Probleme die er hat.

An dieser Stelle folgt ein tolles Schaubild einer E-Zigarette. Abgesehen davon dass es eine Cig-a-like zeigt, ist es doch schon interessant dass als Quelle der Grafik das DKFZ genannt wird. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

HNO-Ärzte kennen solche Löcher in der Nasenscheidewand vor allem von Koksern – es ist ein Klassiker. Denn wie auch Nikotin hat Koks eine gefäßverengende Wirkung, die auf Dauer das feine Gewebe in der Nase schädigt.

Dr. Külkens: „Ich würde daher in dem Fall des jungen Engländers auch nicht ausschließen, dass andere Substanzen mit im Spiel gewesen sein könnten. Womöglich hat er auch – um einen noch schnelleren Kick zu bekommen – sich das Liquid pur in die Nase geträufelt oder sogar die E-Zigarette an der Nase angesetzt, um zu inhalieren. In diesem Fall hätte er sich die Nasenscheidewand akut verbrannt. Dadurch hätte ein punktförmiger Hitzeschaden entstehen können, der sich schließlich auch als „Loch“ bemerkbar gemacht hätte.“

Was dieses „verbrannt“ zu bedeuten hat ist ein Geheimnis des Arztes. Aber bevor jetzt wieder Leute anfangen ihre Liquids mit Schutzbrille, Mundschutz und Handschuhen abzumischen, sei mal ein Beispiel von Prof. Dr. Mayer zitiert. Es ist nicht ganz passend, macht aber die Verhältnismäßigkeit der Gefahr von Liquids klar.
Nimmt man ein Liquid mit über 20mg und schmiert sich damit die ganze Hand ein, muss man sie eine halbe Stunde ruhig halten damit der Körper durch die Haut (perkutan) dann den Nikotingehalt von etwa einer Zigarette aufgenommen hat.
Was muss der arme Eden Randall sich in die Nase geschüttet haben?

Den Rest dieser Lachnummer ersparen wir Euch an dieser Stelle. Es geht in den letzten beiden Absätzen nur noch um die Behandlung von Löchern in Nasenscheidewänden.

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Der Liquidhändler von Eden Randall (Oxon)

Aber der Oberknaller an der Geschichte ist ein anderer: Üblicherweise wird so etwas von der Presse gemeldet. Beispielsweise von der dpa als Agentur. Dann erscheint das aber in mehreren Zeitungen. Oder es erscheint in der ausländischen Presse, in diesem Falle einer englischen.
Jeder kann jetzt hingehen und den Namen Eden Randall mal googeln. Gerne mit entsprechenden Suchbegriffen wie „E-Zigarette“ oder „Oxon“ oder ähnlichem. Er wird nichts finden.
Die einzigen beiden Meldungen die ebenfalls erschienen und noch kürzer sind, sind zum jetzigen Zeitpunkt aus einer deutschen Online-Rentner-Zeitung und aus einem türkischen Portal. Und beide sind erst nach der Bild Meldung erschienen.
Faszinierend.
Normalerweise würden andere Zeitungen eine gute Meldung auch aufgreifen und zitieren. Diese Meldung war es offenbar nicht wert.

Fassen wir zusammen: Da wird eine Meldung genommen deren Quelle nicht genannt wird und die auch nicht zu finden ist. Ausschließlich die Bildzeitung scheint diese Information zu haben.
Dazu wird dann ein Arzt interviewet, wahrscheinlich am Telefon, der augenscheinlich keine wirkliche Ahnung von der Materie hat, sich entsprechend zurück hält und es sogar für möglich hält dass der Patient so doof war sich das Liquid in die Nase zu schütten.
Das wiederum bauscht man dann zu einem Artikel auf, verdreht Aussagen um an möglichst schmissige Überschriften zu kommen die so nicht stimmen. Das ganze würzt man mit einem unpassenden und zusammenhangslosen Bild vom DKFZ. Und schon hat man einen Artikel der zum Anklicken einlädt und somit Kohle generiert.

Liebe Nicole Gast, ganz groß! Da sage noch einer das Ressort Ratgeber sei für die Katz.
Dafür haben Sie jahrelang durch mehrere Fächer rumstudiert? Ihre Eltern müssen stolz auf Sie sein.
Wir sehen uns bei der Pulitzer Preis Verleihung.

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.

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