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Vaper Lobby holt zum Gegenschlag aus

Konferenz in Shenzhen

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Schaut man sich die Landschaft der deutschen Vaper Aktivisten an, und schaut sich dann an was gerade alles international passiert, fühlt man sich doch etwas beschämt. Deutschland, eine der drei wirtschaftlichen Top Nationen dieses Planeten, läuft gnadenlos hinterher.

Das macht sich auch im Informationsstand und damit in der allgemeinen Stimmung bemerkbar. Während hier noch das Ende des Dampfens in den USA und strengere Regulierungen in Europa in Weltuntergangszenarien prognostiziert werden, ist man in den USA hoch motiviert. Denn die lang geplante Regulierung durch die FDA hat nun endlich einen Feind erschaffen, gegen den man offen und konkret kämpfen kann.
Die Anspannung des Boxers löst sich, sobald er in den Ring steigt. Der Footballer zieht seinen Helm auf, it’s show time.

Die Regulierungen der FDA

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Die FDA in Silver Springs

Die FDA, die Food and Drug Administration, ist die größte Regulierungsbehörde der Vereinigten Staaten. Sie ist für fast alle Regulierungen zuständig, beispielsweise für Nahrungsmittel und Medikamente, aber auch für Tabak. Und so hat sie sich der E-Zigaretten angenommen.
Bereits 2014 hat die FDA angekündigt, die E-Zigarette regulieren zu wollen. Und wie wir bereits berichteten, hat sie das seit August dieses Jahres getan.
Allerdings ist dies eben nicht mit der Situation in Europa zu vergleichen, wie einige hierzulande meinten. Es ist kein demokratischer Prozess. Wie beispielsweise eine Gesetzgebung, die ja auch demokratisch wieder dereguliert werden kann. Wir erleben gerade ganz konkret das Hin und Her im Bundestag selber, bei dem es nur um eine Erweiterung des Werbeverbotes für E-Zigaretten geht.
Sondern die FDA erlässt etwas, und dann ist das so. Dort lief dieser Prozess hinter geschlossenen Türen, und die Vaper mussten auf das Ergebnis warten. Man kann jetzt nur noch über das Weiße Haus oder gerichtlich dagegen an. Bei Kleinigkeiten hat das Weiße Haus bereits zurück gerudert.

Käuferberatung verboten

Diese Regulierung hat es in sich. Das sicher Gravierendste ist, dass alle Produkte die in den USA auf den Markt gebracht werden, einen sehr teuren Zulassungsprozess durchlaufen müssen. Was sich wohl kaum ein kleines Unternehmen wird leisten können. Es geht aber sogar soweit, dass Händler und sogar Verkäufer in den Shops nicht mehr darauf hinweisen dürfen, dass Dampfen weniger schädlich als Rauchen ist. Sie dürfen auch Käufer nicht mehr beraten.
Hier wurde die Tabak Industrie ganz klar bevorzugt. Denn es müssen sogar Hinweise angebracht werden, dass Nikotin höchst suchterzeugend ist (was wissenschaftlich keineswegs erwiesen ist). Die Zigarettenindustrie bleibt von solchen Regulierungen unberührt.

Längst vorbereitet

Phil Busardo und Dimitris Agrafiotis (Foto: Dimitris Agrafiotis)

Im gleichen Jahr, als die FDA diese Regulierung ankündigte, begannen bereits amerikanische Vaping Aktivisten dagegen zu arbeiten. Es fanden zwei Jahre lang Gespräche mit den Herstellern in Shenzhen in China statt. Der Dampfer Welthauptstadt.
Am 20. Januar 2016 gründete sich dann SEVIA. Die „Shenzhen Electronic Vaporizer Industry Association“, die Vereinigung der Elektronischen Dampfer Industrie Shenzhen. Und mit Ihr formiert sich gerade massiver Widerstand.

Inzwischen hat die SEVIA natürlich auch eine USA Abteilung. Chairman ist der als „VapingGreek“ bekannte Aktivist und YouTuber Dimitris Agrafiotis, Executive Assistant ist der sicher noch bekanntere Phil Busardo.

Konferenz in Shenzhen

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Azim Chowdhury, Anwalt und FDA Spezialist aus Washington, spricht bei der Konferenz (Foto: SEVIA USA)

Am vergangenen Samstag fand nun eine große Konferenz der SEVIA in Shenzhen statt. Hier sprach unter anderem auch Azim Chowdhury, Partner der Kanzlei Keller and Heckman LLP in Washington. Diese Kanzlei ist für viele Firmen tätig, sie hat sich spezialisiert auf alle juristischen Vorgänge rund um Zulassungen, Legalisierungen und Regulierungen. Sie unterhält sogar eine wissenschaftliche Abteilung.
Azim Chowdhury gilt als Experte auf dem Gebiert der FDA Regulierungen.
So gab er einen kurzen Überblick über bisherige Prozesse gegen die FDA. Und eine Einschätzung, wo die Regulierungen nicht nur bekämpft werden könnten, sondern wo sie sogar gegen das Gesetz verstoßen.

Ferner wurden auch finanzielle Hilfen für die Vapor Technology Association für einen strategischen Rechtsstreit betreffend der Zulassungen beschlossen. Darüber hinaus wird man auch sehr konkret und typisch amerikanisch in die Politik eingreifen: Es wurden Gelder zugesagt um die Wiederwahl des Vaping Befürworters Senator Ronald Johnson in Wisconsin zu unterstützen. Genau so funktioniert Lobby Arbeit nun einmal.

Das Ende des Dampfens in den USA?

Die Firma Innokin stellte ihre konkreten Pläne vor, wie sie auf die Regulierungen reagieren werde. Sie will bis Februar 2017 die Arbeitsschritte angepasst und ihre Produkte zur Lizensierung angemeldet haben. Offenbar will sie das auch für neu erscheinende Geräte zur Routine machen.
Würde das so durchkommen, wäre das die erste Firma, die lizensierte Geräte auch weiterhin auf dem amerikanischen Markt vertreiben dürfte. Weit vor dem Ablauf der Frist 2018.
Damit würde Innokin sich auf dem amerikanischen Markt eine Vormachtstellung sichern, weshalb die anderen großen Hersteller sicher unter Druck geraten nachzuziehen.

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Alles was international Rang und Namen hat. Und Geld. (Foto: SEVIA USA)

Es wäre auch verwunderlich, wenn der chinesische Staat sich diese Chance entgehen lassen würde. Nur um einmal die internationale Wirtschaftspolitik ins Spiel zu bringen.
Ende der 1980er beherrschten die Japaner den amerikanischen Markt. Nach einigen Schätzungen gehörten japanischen Unternehmen etwa 80% des amerikanischen Wirtschaftsvolumens. Kaum ein Auto oder Computer stammt bis heute noch aus den USA, selbst wenn ein amerikanischer Name darauf steht. Mindestens der Hersteller gehört längst anderen.
China hätte hier eine Chance, in einen stark expandierenden Markt seine Vormachtstellung zu sichern. Denn die Umsätze in der E-Zigaretten Industrie haben sich in den letzten zwei Jahren etwa verzehnfacht. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Aber das ist nur ein Gedankenspiel.

Um einmal eine Vorstellung davon zu geben, wer (bis jetzt) Mitglied in der SEVIA ist: Eigate (Aspire), Kanger Technology, Innokin, Smok, Joyetech, Heaven Gifts, Ijoy, Wotofo, Teslacigs, Ehpro, und einige mehr. Seit dem Wochenende als jüngstes Mitglied auch die Firma Horizon.

Kein Interesse in Europa

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Da sieht man Geld arbeiten (Foto: SEVIA USA)

In einem Interview mit White Cloud Cigarettes erklärte Dimitris Agrafiotis, es werde gerade eine föderale Struktur in den USA aufgebaut.
Zwar räumte er sehr deutlich ein, das man derzeit noch in kleinen Schritten arbeiten müsse („babysteps“), er es jedoch keinesfalls ausschließen wolle, dass die SEVIA in Zukunft auch in der EU aktiv werden könnte. Allerdings wies er auch daraufhin, dass unglücklicherweise in den vergangenen zwei Jahren keine Vereinigung der EU den Kontakt gesucht hätte. In den USA arbeitet die SEVIA bereits unterstützend mit den Verbraucherorganisationen wie AVA und KASAA zusammen.
Er zählte auch einige Erfolge auf, die abseits der breiten Wahrnehmung bereits erzielt wurden. So wurden weitere Regulierungen durch die Bundesstaaten in West Virginia, Georgia und Tennessee gerade abgewendet.

Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Entwicklung auch auf Europa auswirkt; und die Interessenvertretungen auch hier so langsam einmal in die Spur kommen. Gerade mit der Entwicklung in England haben wir die besten Voraussetzungen.

Die Lobby formiert sich, das Schwert ist geschmiedet und geschärft.

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.