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Der VdeH und der Dachverband

Kommentar zum Interview zum Interview

Gestern Mittag habe ich ein Interview mit dem Gründer, ehemaligen Vorsitzenden und ausgeschiedenen Geschäftsführer des Händlerverbandes VdeH Dac Sprengel veröffentlicht.
Gestern Abend erschien dann ein Interview mit dem Vorsitzenden des VdeH im Dampfermagazin, in dem er versucht die Dinge zu begradigen und teilweise Vorwürfe gegen mich erhebt.
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Zunächst gibt es verschiedene journalistische Darstellungsformen. Diese Regeln sind für mich Gebot der Professionalität und Glaubwürdigkeit, ich nehme sie sehr ernst.

Es gibt Meldungen, Nachrichten und Berichte, die mit wenig eigener Stellungnahme des jeweiligen Redakteurs auszukommen haben. Die andere Seite der Skala stellt der Kommentar dar, bei dem der Redakteur subjektiv Stellung beziehen kann. Diese sind als solche gekennzeichnet.

In unserem speziellen Fall erfüllen Produkt Reviews den Tatbestand eines Kommentars, da Reviews immer auch subjektiv sein müssen. Und Blog Beiträge wie dieser.

Darüber hinaus gibt es das Interview. In dem wird lediglich die Darstellung des Interviewpartners abgebildet. Diese hat der Redakteur nicht inhaltlich zu verfälschen, selbst wenn der Gesprächspartner den größten Unsinn erzählt.

Natürlich kann der Redakteur das Interview durch entsprechende Fragen lenken oder sogar den Gesprächspartner herausfordern.
In diesem Falle ging es aber nicht darum, die Person des Gesprächspartners Dac Sprengel zu beleuchten, sondern die Vorgänge innerhalb des VdeH und die Planung eines Dachverbandes. (Link zum Interview unten)

Umso schwerer verständlich ist es für mich, dass Horst Winkler vom Dampfermagazin überhaupt danach fragt, ob ich im Vorfeld zum Interview um eine Stellungnahme des VdeH gebeten hätte.
Das habe ich selbstverständlich nicht. Niemand macht das bei Interviews. Man stelle sich das einmal bei Politikern vor. Es erscheint absurd.

Hätte der Vorsitzende Michael Dobrajc mich kontaktiert, hätte ich ein ähnliches Interview mit ihm zeitnah veröffentlicht. Gerne sogar.
Denn die absolut oberste Priorität ist die Information der Leser. Meine persönliche Einschätzung kann ich in anderen Formaten geben. Was ich hier nun tun werde.

Zeitpunkt interessant

Die Kommunikation mit den Medien ist in dieser Branche unbeholfen, die Medienkompetenz erschreckend.
Das fängt bei Einzelhändlern an, die Fernsehinterviews geben. Vape Shop Mitarbeiter, die dann erschrocken sind, dass das Footage geschnitten und willkürlich verwendet wird, häufig auch Monate nachdem sie mit den Medien gesprochen haben.
Und das geht bis zu Herstellern, die mir in Nachrichten an mein privates Facebook Profil erklären, wenn ich über sie berichte solle ich gefälligst mit Ihnen sprechen, denn sie seien schließlich „nicht irgendwer in Deutschland“.

Auch der Zeitpunkt einer Veröffentlichung ist immer eine Meta Information.
Ich wusste, dass demnächst eine Mitgliederversammlung des VdeH ansteht. Dass sie am kommenden Dienstag stattfindet habe ich erst aus dem Interview mit Michael Dobrajc erfahren.

Die Dringlichkeit, die das von mir veröffentlichte Interview mit Dac Sprengel offenbar ausgelöst hat, wurde mir erst dadurch bewusst, dass noch am gleichen Tag um etwa 22:00 Uhr der „Gegenartikel“ im Dampfermagazin erschienen ist.
An dieser Stelle drängt sich eine Frage auf. Und hier darf ich mutmaßen und Fragen in den Raum stellen, denn dies ist ein Kommentar unter der Rubrik „Blog“.

Wenn der Plan sich dem geplanten Dachverband anzuschließen so ergebnisoffen ist, wenn die Mitglieder darüber ausgewogen informiert werden um eine selbstverantwortliche Entscheidung zu treffen, warum ist es dann nötig am gleichen Tag um zehn Uhr noch einen Gegenartikel zu lancieren?

Ganz davon abgesehen, dass die Aussagen von Michael Dobrajc im Interview mit dem Dampfermagazin keineswegs geeignet sind Bedenken gegenüber der Einflussnahme durch Tabakmultis zu zerstreuen.

Framing und diplomatisches Geschwurbel

Es geht hier um Politik. Um strategisches Handeln und Formulieren. Es geht darum sich zu positionieren und zu taktieren. So sind alle Aussagen aller Beteiligten zu bewerten.
Der Begriff des Framing ist in letzter Zeit in den großen Medien zum Modewort geworden.

Der von mir zitierte Artikel aus der Tabakzeitung von Dobrajc zielt meiner Meinung nach genau darauf ab. Er soll framen, die Position des VdeH positiv darstellen, ohne die jeweils andere Seite zu vergrätzen. Ebenso der Artikel im Dampfermagazin.

Im gestrigen Interview wird der Vorsitzende zitiert mit „[…] dass wir als Branche dem Konsumenten die Möglichkeit geben wollen, auf eine weniger schädliche Alternative, also das Dampfen, umzusteigen, aber von kategorischen Verboten von Tabak nichts halten.“
Doch niemand, nicht einmal die Politiker, haben jemals erwogen Tabak zu verbieten.

So etwas bezeichnet man als Scheinargument. Eine Abwehr gegen einen Angriff der nicht stattgefunden hat. Außer vielleicht von der E-Zigarette selber.
Ein deutliches „Nein zu Tabak“, wie es bisher innerhalb der Dampfer Branche und Szene postuliert wurde, wäre sicherlich schädlich bei Gesprächen mit Big Tobacco.

„Besonders einfach in der Handhabung sind dabei vorgefüllte Systeme, deren Benutzung nicht komplizierter ist, als eine neue Schachtel Zigaretten zu öffnen. […]
Wer daneben eine gute Zigarre, eine gemütliche Pfeife oder sogar gelegentlich eine Zigarette genießen will, soll es tun und tun dürfen. Wir möchten analog zu „Drink responsibly“ ein „Smoke responsibly“ postulieren.“
Michael Dobrajc, Vorsitzender VdeH, Deutsche Tabakzeitung, 13.02.2019

Ich möchte dabei nicht so weit gehen zu sagen „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Aber ich erkenne eine diplomatische Umformung von einem klaren „Nein zu Tabak“ zu einem „Rauchern eine Alternative anbieten, die aber Raucher bleiben können“. Der Zusatz ist wichtig.
Diese Alternative sollte aber, und da sind sich alle befürwortenden Wissenschaftler einig, dauerhaft und ausschließlich sein. Mit ein bisschen Dampfen neben einer „guten Zigarre, einer gemütlichen Pfeife oder sogar gelegentlich eine Zigarette“ ist niemandem geholfen.
Will die Lobby der E-Zigarette glaubhaft sein und bleiben, muss sie kompromisslos Nein zu Tabak sagen.

Deshalb verwehre ich mich gegen den Vorwurf, ich hätte das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen oder Sie, Michael Dobrajc, als „Handsprechpuppe der Tabakindustrie“ dargestellt.
Ich halte Sie nicht für eine Handsprechpuppe. Zumindest noch nicht.

Nicht dass Sie selber oder Ihr Unternehmen VaporExMachina von einem Schulterschluss mit Big Tobacco einen monetären Vorteil hätten. So einfach funktioniert das nicht.
Sie sehen vor sich einen bunten Blumenstrauß von Möglichkeiten, die Ihnen und dem Vorstand des VdeH wahrscheinlich durch die Gesprächspartner von Big Tobacco mundgerecht serviert werden.

Und dabei scheinen einige zu verkennen, dass das alles heiße Luft ist.



Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

In vielen Köpfen scheint das Bild vorzuherrschen, dass Big T den Politikern Geldkoffer zusteckt. Und sich damit Meinungen kauft.
Das Bild ist mindestens verzerrt, wenn nicht völlig falsch. Denn in vielen Parteien in Berlin, Brüssel und den Bundesländern gilt vor allem eins: Spiel nicht mit dem Schmuddelkindern!

Ein Indikator dafür sind beispielsweise die Hausausweise des Bundestages, die Organisationen auf Antrag von Parteien ausgestellt werden. Diese Organisationen erhalten damit einen unbeschränkten und direkten Zugang zum Bundestag und zu den Politikern.
Von knapp 100 neu ausgestellten Hausausweisen in dieser Legislatur hat die Tabakindustrie genau einen. (Zum Vergleich: Soziales 11, Immobilien 8, etc.)

Wie Dac Sprengel es im Interview auch kurz angesprochen hat: Die Heerscharen von Lobbyisten, die Big Tobacco sich seit Jahren leisten kann, haben nichts geändert. Sie haben nicht verhindern können, dass Zusatzstoffe verboten und Plain Packaging eingeführt wurde. Sie haben nicht verhindert, dass die Tabaksteuer stetig erhöht wird.
Denn jeder Politiker weiß: Mit Jugendschutz und Alarmismus bekommt er mehr Stimmen als mit Tabak.

Die einzig logische und nachhaltige Strategie ist es, sich vom Tabak abzugrenzen. Auch wenn das viele verlockende Wege verschließt. Die Alternative wird viele Türen in Berlin und Brüssel zuschlagen lassen. Mehr als die Aufnahme von British American Tobacco vielleicht schon geschlossen hat.

Das Heil in der Anbiederung suchen

Wie leicht es nach wie vor ist den offenen Systemen einen Stock zwischen die Beine zu werfen sollte das Beispiel des Verkaufsverbotes der Aio gezeigt haben. Ein kleines Labor im westfälischen Outback hat ausgereicht um ein Produkt wegen mangelnder Kindersicherheit vom Markt zu fegen.

Natürlich glaube ich nicht, dass die großen Tabakmultis gegen die E-Zigarette generell sind.
Aber ich unterstelle ihnen, dass sie ein Eigeninteresse haben den Markt entsprechend zu steuern.
Sie wollen ihre Pod Systeme verkaufen. Und sie werden über Kurz oder Lang gegen die offenen Systeme Position ergreifen.

Die Zuwachszahlen an Dampfern sind nicht mehr die gleichen wie noch vor zwei Jahren. Aber anstatt selber initiativ zu werden und Raucher anzusprechen sehen offenbar einige nun ihr Heil darin sich an die eingefahrenen Vertriebswege der Tabakmultis zu hängen.
Wenn schon nicht Raucher zum Dampfen bekehren, dann doch wenigstens Dual Usern ein Cap System andrehen.

Breite Kampagnen um die E-Zigarette selber zu kommunizieren wie in Großbritannien (Stoptober) sehe ich derzeit von keinem Verband. Dabei wäre doch genau das im Interesse der Branchenteilnehmer. Auch und vor allem der kleinen, die so etwas alleine nicht stemmen können.

Ich frage mich inzwischen wirklich, ob die kleinen Einzelhändler sich noch nie Gedanken darum gemacht haben, was mit ihrem hochspezialisierten Laden wohl passiert, wenn es ähnliche Produkte beim Kiosk um die Ecke gibt. Und wer den Weg dorthin wohl eher findet, ExTrade oder British American Tobacco.
Sicher, für die E-Zigarette und das Dampfen wäre das ein Vorteil. Aber für die spezialisierten Einzelhändler eher nicht.
Die Vorgänge um die Verkäufe von E-Zigaretten bei Amazon dürften eine ungefähre Vorstellung geben.

Offenbar fragt sich niemand, welches Interesse der international operierende Milliardenkonzern British American Tobacco hat, mit einem Nischenprodukt wie der Vype engagiertes Mitglied in einem Verband zu werden und die größte Ladenkette zu übernehmen.

Ein Interview ist ein Interview ist ein Interview

Ich persönlich sehe Big Tobacco nicht als Feind. Das sind seelenlose Konzerne die im Eigeninteresse handeln.
Ich kann auch einem Ameisenhaufen keinen Vorwurf machen, wenn er sich auf meiner Terrasse einnistet. Er weiß es nicht besser, es ist seine Natur. Und keine einzelne Ameise trägt eine Schuld.

Die Entwicklung, die derzeit in der Branche stattfindet, ist ein beginnender Verteilungskampf.
Es ist dafür völlig unerheblich, ob es um E-Zigaretten, Kaffee Kapseln, Metzgereien oder Tante Emma Läden geht. Die Entwicklung ist immer die gleiche.
Die Großen der Branche versuchen die Kleinen an die Wand zu drücken. In unserem Falle sind die Großen nun einmal die Tabak Konzerne.

An diesem Scheideweg gibt es genau zwei Möglichkeiten, in welche Richtung man gehen möchte.
Entweder man schließt sich den Großen an, in der Hoffnung dadurch mehr Geld, Einfluss und Ressourcen zu gewinnen. Das birgt dann aber die Gefahr, dass diese Großen den Markt vereinnahmen und man selber geschluckt wird.
Oder man bleibt als Schuster bei seinen Leisten und versucht die eigenen Kleinen und Mittelständigen, aus denen man ja entstanden ist, nach besten Kräften zu vertreten. Und sie dabei zu begleiten selber groß genug zu werden, um vereint den Großen die Stirn bieten zu können.

Werden Sie Mitglied im Dachverband und ich prognostiziere dem VdeH maximal drei Jahre irgendeine weitere Relevanz. Danach wird er im Nirvana verschwunden sein.
Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Allein, der Glaube fehlt.

Vielleicht wird Ihnen jetzt klar, Michael Dobrajc, dass ich sehr vieles in dem Interview mit Dac Sprengel nicht abgebildet habe. Eben weil es nur ein Interview war. Kein Kommentar, aber auch kein Bericht mit Gegenstimmen.
Wenn schon hochrangige Mitarbeiter von Tabakriesen mir lachend über die Stimmverteilung im Dachverband erzählen denke ich mir meinen Teil.
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, meinen Senf dazugeben zu können.

Ich habe mich „unanständig“ verhalten?
Nein, ganz sicher nicht. Ich bewege mich weit im unteren Segment der Skala meiner Unanständigkeit.

Wenn Ihnen nicht passt was ich veröffentliche, dann ist das sogar verständlich. Ich hätte an ihrer Stelle da auch keinen Bock drauf. Noch dazu wenn etwas veröffentlicht wird, was ich gerne hinter verschlossenen Türen gelassen hätte.
Aber wenn, wie Sie behaupten, Falschaussagen und Fehldarstellungen getroffen wurden, dann nicht von mir.
Eine Gegendarstellung wäre das adäquate und professionelle Mittel gewesen. Nicht dem Redakteur auf einer anderen Plattform unlautere Arbeitsweisen vorzuwerfen. Nachts um zehn.

Aber ich nehme das sportlich. Zumindest wird der VdeH gerade deutlicher bei den Konsumenten wahrgenommen als in den vergangenen Jahren.
Ob zum Nutzen der Mitglieder wage ich zu bezweifeln.

Ich wünsche den Migliedern des VdeH eine produktive und erfolgreiche Versammlung.


Das Interview im Dampfermagazin: https://www.dampfer-magazin.de/vdeh-unter-einfluss-von-big-tobacco/

Big Tobacco will Dampferlobby schlucken

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Vollzeit-Guru, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.
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