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Beef: Prof. Dr. Mayer vs. t-online

Eine Komödie in vier Akten

Derzeit ist Dampferdeutschland Zuschauer einer Tragikkomödie aus der Abteilung Schuld und Sühne.
Prof. Dr. Bernd Mayer stellt die bewusst falsche Berichterstattung über die E-Zigarette bloß. Und wird dafür nun von einem Konzern angegangen.
Offenbar ist Öffentlichkeit immer nur dann wünschenswert, wenn man selber die Deutungshoheit hat.
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Prolog

In Paris findet eine medizinische Tagung statt, u.a. über Lungenschäden durch E-Zigaretten.

Auftritt des Chors. Denn zu jeder griechischen Tragödie gehört ein Chor.
Auf dieser Tagung stellt ein belgisches Forscherteam eine Untersuchung zu den angeblichen Schäden durch E-Zigaretten vor.
Unterstrichen werden diese Erkenntnisse mit dramatischen (MRT-) Bildern von geschädigten Lungen.

Ein Facebook Nutzer recherchiert später in Absprache mit Prof. Dr. Bernd Mayer die Herkunft der Bilder. Dabei kommt unter anderem heraus, dass ein Bild aus dem Jahr 2003 stammt.
Dass es 2003 noch gar keine E-Zigaretten gab scheint das Forscherteam ebenso wenig irritiert zu haben, wie die Tatsache, dass bis heute weltweit keine einzige Schädigung dem Dampfen nachgewiesen werden konnte.

Erster Akt

Der Vortrag des Forscherteams wird von den Medien aufgegriffen. Unter anderem von dem kostenpflichtigen Fachportal Springer Media.
Dabei wird kein großer Wert auf die Tatsache gelegt, dass es sich dabei lediglich um einen Vortrag eines Teams handelt. Die Ergebnisse und Behauptungen werden unabhängig von der Wertigkeit des Erkenntnisgewinns ungeprüft als Tatsache veröffentlicht.

Auftritt der Protagonisten.

Eine der beiden Hauptfiguren ist Alexandra Grossmann. Diese veröffentlicht einen sehr ähnlichen Artikel auf t-online unter dem Titel „So schädlich sind E-Zigaretten“.
Frau Grossmann ist offenbar mehr oder weniger freie Journalistin, die Ihre Tätigkeit auch auf der Business Plattform Xing anpreist. Die Schlägwörter auf ihrem Profil sind „Seriöser Journalismus“ und „Fundierte Recherche“.
Sie bezeichnet sich selber als „Medizinjournalistin“. Was umso faszinierender ist, da sie scheinbar nicht Medizin sondern Germanistik studiert hat.

Der von Ihr am (wahrscheinlich) 9. Mai veröffentlichte Artikel enthält Aussagen, die medizinisch wenigstens fragwürdig und wissenschaftlich schlicht falsch sind. So sind angeblich viele „der enthaltenen Substanzen giftig und können schwere Schäden verursachen.“ Wenn damit die Substanzen in den Liquids gemeint sind, dann ist diese Aussage schlicht gelogen.

Der Artikel von Grossmann auf t-online.de. (Link unten)

Auch einige Anekdoten, von denen man eigentlich annehmen konnte, dass sie in solchen Komödien inzwischen überholt sind, lassen sich in Grossmanns Machwerk finden.
So bezeichnet sie unter anderem Diacetyl als „beliebtes Aroma“, das zu „Entzündung der Bronchien“ führen kann. Doch ganz davon abgesehen, dass der Zusammenhang zwischen der so genannten Bronchiolitis obliterans (sog. Popcorn Lung) und Diacetyl keineswegs nachgewiesen ist, war der Aromastoff in Europa niemals wirklich beliebt. Und inzwischen ist er seit dem Inkrafttreten des Tabakerzeugnisgesetzes vor nun über drei Jahren in Liquids verboten.

Außerdem hätten 55% der Konsumenten, die E-Zigaretten „rauchen“, ein erhöhtes Risiko an Depressionen zu erkranken.
Dieser Satz spiegelt die Sachkompetenz der „serösen“ Journalistin wieder. Denn entweder erkranken 55%, oder Konsumenten haben ein um 55% erhöhtes Risiko. Das genau 55% ein erhöhtes Risiko haben, ist empirisch gar nicht nachweisbar. Diese Aussage ist rein logisch in sich Unfug.

Der zweite Protagonist ist Prof. Dr. Bernd Mayer.
Der vor allem bei Dampfern bekannte Pharmakologe ist nicht nur Leiter der Pharmakologie und Toxikologie am Institut für pharmazeutische Wissenschaften der Uni Graz.
Darüber hinaus hatte er 2014 eine Arbeit über die letale Dosis von Nicotin veröffentlicht. Das bahnbrechende daran war, dass er nachweisen konnte, dass die Erkenntnisse zum Nikotin vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts stammen. Und wiederum auf merkwürdige Selbstversuche aus dem Jahrhundert davor basierten. Sie wurden seitdem immer wieder ungeprüft übernommen.

Dr. Mayer unterhält einen YouTube Kanal, auf dem er Grundlagen zum Dampfen erläutert. Im Grunde sind es Vorlesungen zu dem Thema.
In Fall des Artikels von Alexandra Grossmann bzw. des zugrundeliegenden Vortrags ist er aber von seinem Programm abgewichen und hat ein Video aus aktuellem Anlass gemacht. (siehe unten)

In diesem Video legt er nicht nur die grundlegenden Fehler des Vortrags dar und erläutert die merkwürdigen Quellen der Bilder. Er äußert auch sehr deutlich sein Unverständnis über die fahrlässig mangelhafte, ja bewusst falsche Berichterstattung.
Denn Alexandra Grossmann hatte offenbar einige Dinge mit einfließen lassen, die weder bei dem Vortrag noch im Artikel von Springer Medizin vorkamen.



Zweiter Akt

Nachdem das Video von Dr. Mayer veröffentlicht war, kam es bereits zu heftigen Reaktionen im Netz.
Es war auch ein Kontakt zwischen Grossmann und Mayer zustande gekommen.
Frau Grossmann schilderte Mayer vor wenigen Tagen, sie sei wegen des Artikels und nach seiner Kritik bedroht worden.

Im Zuge dieses Austauschs hatte sie offenbar auch eingeräumt, dass sie den Artikel von Springer Medizin gleichsam „abgeschrieben“ habe.
Sie wolle eine Nacht darüber schlafen und gerne mit Dr. Mayer telefonieren. So stellte Sie auch in Aussicht, ihm zu erklären, unter welchen Zwängen sie gehandelt habe.

Dritter Akt

Am darauffolgenden Tag, Montag dem 27. Mai, teilte Alexandra Grossmann Prof. Dr. Bernd Mayer mit, dass sie nun doch nicht mit ihm sprechen wolle. Und den Vorgang stattdessen an die Rechtsabteilung gegeben habe.

Welche Zwänge sie dazu verleitet haben ihren Berufsethos zu vergessen und einen schlechten Artikel über einen schlechten Vortrag abzuschreiben – und sogar noch aufzubauschen, damit er noch schlechter wird – wird nun wohl auf ewig das Geheimnis von Frau Grossmann bleiben.

Natürlich kann man mutmaßen, dass Geldgeber dafür bezahlen, dass t-online bestimmte Inhalte veröffentlicht. Was bei einer solchen Seite naheliegt. Die Unterschiede zu Boulevard Magazinen scheinen marginal zu sein.

Doch in diesem Kontext ist es sicher auch interessant, dass t-online von der Forma Ströer Media betrieben wird.
Ströer ist eine Verästelung von Unternehmen, die aus dem Familienbetrieb Ströer entstanden sind. Der Plakatmogul betreibt inzwischen auch große Internetseiten wie mega.de, kino.de oder spieletipps.de.

So war Ströer auch der Finanzier hinter der Firma Posh. Die im vergangenen Jahr wegen der unterlassenen Anmeldung von Produkten wegen Wettbewerbsverzerrung von der Firma InnoCigs vor Gericht gebeten wurde.
Nach einem außergerichtlichen Vergleich wurde Posh daraufhin abgewickelt.
Vielleicht ist das Thema E-Zigarette im Hause seither nicht mehr gerne gesehen. Obwohl man zuvor noch Millionen investiert hatte.

Vierter Akt

Kurz darauf telefonierte Prof. Dr. Bernd Mayer mit dem Dekan seiner Universität. Der Chef der Uni Graz war offenbar auf den Vorfall aufmerksam geworden. Oder gemacht worden.

Prof. Dr. Bernd Mayer ruft auf seiner Facebook Seite dazu auf, das bearbeitete Video zu verteilen. Um diese Art von Journalismus bekannt zu machen.

Er kritisierte, dass es für einen Professor unredlich ist, in einem Video Behauptungen als „Bullshit“ zu bezeichnen. Und dass es grenzwertig ist, dass Mayer Frau Grossmann unterstellt hatte, dass sie offenbar ihr Gehirn nicht genutzt hatte.

Auch das machte Prof. Dr. Mayer dann auf seinem Facebook Profil öffentlich.
Er erklärte sich bereit, die entsprechenden Passagen zu schwärzen.
Da er dafür jedoch das Video löschen und das geschwärzte erneut hochladen muss, entschloss er sich, diesen Vorgang in einem Kommentar vor dem eigentlichen Video zu erläutern.

Entgegen seiner Gewohnheit rief er dazu auf, diese Vorgänge bzw. das erklärende Video zu verteilen.
Ich habe ausdrücklich etwas gegen Shitstorms. In diesem Falle schließe ich dem Aufruf jedoch sehr gerne an.
Naheliegend wäre auch, t-online oder Frau Grossmann mitzuteilen, was man von dieser Art „fundierter Recherche“ und „seriösem Journalismus“ hält.

Der Artikel von Grossmann wurde inzwischen offenbar auch editiert, er weißt nun als Erscheinungsdatum den 25. Mai aus.

Unter dem Artikel findet Ihr einige weiterführende Links.


Der Artikel auf t-online: https://www.t-online.de/gesundheit/gesund-leben/id_85722320/so-schaedlich-sind-e-zigaretten.html
Facebook Profil von Prof. Dr. Bernd Mayer: https://www.facebook.com/Belidampft
Die Kausa Posh: https://www.vapers.guru/2018/04/30/verkaufsverbot-fuer-deutschen-grosshaendler/

Profiteure der Angst – Teil 1: Die Konspiration gegen die E-Zigarette

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.