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Liquidsteuer umgehen …für Dummies

Selbermischen in Zeiten der Liquidsteuer

Die Liquidsteuer kommt. Sie wird die Branche schwer treffen. Ein Ende des Dampfens bedeutet sie nicht. Denn es gibt Alternativen.

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Ab Mitte des nächsten Jahres soll Tabaksteuer auf Liquids erhoben werden. Nach Aussage des Finanzamtes und des Zoll soll diese Steuer auch auf so genannte Halbfertigprodukte wie Shake & Vape Aromen und auf Base entfallen.

Seit dieser Klarstellung (Link unten) tauchen immer mehr Kommentare auf, Dampferinnen und Dampfer wollen aufhören oder sogar wieder rauchen. Zudem kommen immer mehr Fragen.

In diesem Artikel soll es nicht darum gehen, das Selbermischen detailliert zu erklären. Dazu wird es Zeit und Ort geben.
Ich möchte erklären, wie man als Dampfer diese Steuer wird umgehen können. Und damit die Sorgen nehmen, die viele offenbar haben.

Dafür möchte ich drei Dinge vorher klarstellen.

Zunächst möchte ich einigen Kommentaren und Kritik von Gewerblichen antworten. Ich habe mich sehr eindeutig zu der Steuer positioniert. Sie ist ein Skandal.
Aber das Gesetz ist es, das dazu führen wird, dass Vape Shops werden schließen müssen. Nicht ich.
Ich bin auf Seiten der Vape Shops, online wie offline. Aber in erster Linie bin ich Dampfer und schreibe auch für Dampfer. Wenn ich also dazu raten muss, nicht mehr in Vape Shops einzukaufen, ist das die logische Konsequenz aus dem, was beschlossen wurde.

Ich gebe auch keinen Rat zur „Steuerhinterziehung“. Sondern so einzukaufen, dass man die Steuer umgeht. Eine Kompetenzleistung, die jeder täglich vollbringt. Wenn er die Spritpreise von Tankstellen vergleicht oder im Supermarkt nach unten greift, anstatt die teuren Marken auf Augenhöhe zu nehmen. Oder am Flughafen Duty Free kauft.

Würde ich keinen ehrlichen Rat geben, würde mein Gerechtigskeitssinn rebellieren. Denn dann hätte ich das Gefühl auszunutzen, dass einige Konsumenten uninformiert sind. Und meine Ethik und Moral sagen mir, dass ich lieber mein Unternehmen dicht mache, als mein Geld Dummen oder Blöden aus der Tasche zu ziehen. Dann könnte ich eine Querdenker-Seite betreiben und würde zu Spenden aufrufen.

Zum dritten sind viele Dampferinnen und Dampfer erst nach der so genannten TPD2, der Tabakproduktrichtlinie der EU, umgestiegen. Erst danach hat sich der Markt der Shake & Vape entwickelt. Vorher gab es nur zwei Möglichkeiten: Fertige Liquids mit Nikotin kaufen, oder selbermischen.
Ich denke mir hier also nichts aus und rate nicht zum ahnungslosen Herumpanschen. Sondern erkläre, wie es vor 2015 völlig normal war und warum man damit die Steuer umgehen kann.

Die Zweckbestimmung

Die Politiker, die dieses Gesetz verabschiedet haben, haben etwas grundsätzlich nicht verstanden.
Alle Zutaten, die man für Liquids braucht, sind frei verkäuflich. Sie sind überall zu haben.

Entscheidend für die Besteuerung ist die Zweckbestimmung. Also ob eine der Zutaten erkennbar für die E-Zigarette angeboten oder verkauft wird.

Das führt zu einer absurden Situation. Die vergleichbar ist mit der Mineralölsteuer.
Tanke ich an einer Tankstelle mein Auto, muss ich dafür Mineralölsteuer entrichten. Kaufe ich in einer Drogerie aber Waschbenzin, muss ich keine solche Steuer bezahlen. Weil es kein Energieträger ist und ich es sicher nicht in meinen Tank schütte.

Als Beispiel habe ich einmal destilliertes Wasser in einem Posting verwendet. Denn destilliertes Wasser kann dazu verwendet werden, um Liquids zu verdünnen. Wurde es früher auch, gerne auch mal hochprozentiger Wodka. Inzwischen ist das aus der Mode, weil die Geräte sich geändert haben.

Dieses destillierte Wasser gibt es überall zu kaufen. Man kann es führ vieles verwenden, für Tee oder Kaffee, für das Bügeleisen oder für die Scheibenwischanlage des Autos. Ein Kanister mit fünf Litern ist unter zehn Euro zu haben.
Würde ein Vape Shop es nun verkaufen, ein Online-Händler, der auch E-Zigaretten verkauft, oder ein Händler, der es zur Verwendung in E-Zigaretten anbietet, kämen demnächst die Tabaksteuern drauf. Und das wären dann 1600,- Euro. In der Drogerie wird es aber weiter zum normalen Preis zu kaufen sein.

Der einzige Trick besteht nun also darin, seine Zutaten nicht mehr da zu kaufen, wo die Steuer daraufkommt. Das ist schon alles.

Und das ist sehr einfach.
Denn für ein Liquid braucht man im Grunde nur vier Zutaten. PG, VG, Aroma und Nikotin.
Und die gehen wir jetzt einmal durch.

Propylenglykol

Propylenglykol – auch 1,2-Propandiol, 1,2-Propylenglycol oder kurz PG – ist der Geschmacksträger in Liquids. Außerdem wirkt es als Emulgator. Wie ein Saucenbinder beim Kochen sorgt es dafür, dass die anderen Bestandteile nicht ausflocken.

Dieses PG ist unschädlich. Und als Lebensmittelzusatzstoff und sogar Nahrungsergänzungsmittel als E 1520 zugelassen.
Es ist in Zahnpasta, Gleitgel, Futterzusatz für Kühe und vielem mehr.

Ein Liter ist für etwa 10,- Euro oder darunter zu kaufen.

Glycerin

Glycerin (eigentlich Glycerol bzw. Propan-1,2,3-triol) ist ein Alkohol. Es wird üblicherweise aus Pflanzen wie Raps gewonnen und ist ein Nebenprodukt von Biodiesel. Daher wird es im Englischen „vegetable glycerin“, kurz VG genannt. Was im Deutschen häufig mit „veganes Glycerin“ übersetzt wird, weil sich „gemüsiges Glycerin“ einfach kacke anhört.

Die Anwendung von Glycerin ist noch vielfältiger als von Propylenglykol. Es ist auch in Frostschutzmitteln, was Gegner der E-Zigarette gerne betonen. Aber es ist eben auch in Cremes, Farbstoffen, Futtermittel für Wiederkäuer, Trockenfrüchten, Kaugummi, und vielem mehr. Man schüttet es gerne ins Wasser für Weihnachtsbäume, damit die nicht so stark nadeln.
Glycerin ist als E 422 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.

Ein Liter kostet ebenfalls unter 10 Euro.

Base selber machen

Ihr braucht nur diese beiden Stoffe zusammenschütten, und schon habt ihr eine Base, die Ihr dampfen könnt. Mehr ist es nicht. Keine Raketenwissenschaft.

Das PG ist der Geschmacksträger. Umso mehr PG, umso intensiver schmeckt das Liquid. Und es sorgt für den Throat Hit, den Raucher haben wollen. Umso mehr PG, umso kratziger.
Es ist aber auch dünnflüssiger, garantiert also einen besseren Nachfluss und verhindert ein Kokeln.

Eine handelsübliche Flasche PG, zum Dampfen geeignet aber nicht aus dem Vape Shop. Preis: Unter 10,- Euro.

Das Glycerin ist der Nebelmacher. Er sorgt dafür, dass etwas rauskommt. Und für den so genannten Lung Hit, also dem Gefühl, etwas inhaliert zu haben. Was Raucher ja ebenfalls wollen.
Es ist zähflüssiger als das PG.

Beide Grundstoffe zusammen werden in Nebelmaschinen für die Disco oder beim Theater verwendet. Sie sind auch die Basis für Nikotinsprays aus der Apotheke. Die aber noch viel mehr enthalten (Salzsäure, etc.). Und es war lange die Basis für Asthma-Inhalatoren.

Das macht vielleicht auch einmal deutlich, warum die E-Zigarette per se viel unschädlicher als die Tabakzigarette ist.

Beide Grundstoffe sollten in medizinsicher Reinheit („Pharma Qualität“) vorliegen. Diese Reinheit wird immer auf dem Produkt angegeben, im Online Shop steht es immer in der Produktbeschreibung. Bei PG und VG sind das üblicherweise über 99 Prozent.

Die handelsübliche Base für E-Zigaretten, die man im Vape Shop bekommt, liegt immer zwischen 50/50 und etwa 80/20. Das erstgenannte bzw. die größere Zahl ist immer das Glycerin. Eine 70/30 Base enthält also 70 Prozent Glycerin und 30 Prozent Propylenglykol.

Alles was ihr also tun müsst ist also reiner Dreisatz.
Kauft Ihr einen Liter PG und einen Liter VG, bekommt Ihr daraus also mehr also je nach Mischung bis zu 2 Liter Base. Für unter 20,- Euro.

Aromen: Eine Warnung!

Die meisten Gerüchte, Ängste und Falschinformationen entstehen um die Aromen. Völlig unnötig.

Vor der TPD war es völlig normal, 10ml Fläschchen Aroma zu kaufen und sie selber anzusetzen. Man sollte nur eine Reifezeit beachten, das Liquid also etwa eine Woche nach dem Anmischen reifen lassen.
Sowas hat die Dampferblase ja eigentlich groß gemacht. Was viele Newbies sich vielleicht gar nicht mehr vorstellen können. Es gab Foren mit Rezepten, Mischungsverhältnissen und Empfehlungen zu Reifezeiten.

Grundsätzlich kann man zum Dampfen alle Lebensmittelaromen verwenden.
Aber bitte lauft jetzt nicht in den Supermarkt und kauft irgendetwas!

Das kann tatsächlich gefährlich werden. Denn was man im Handel bekommt, sind ja meist keine einfachen Lebensmittelaromen. Sondern aufbereitete Aromen für einen bestimmten Zweck.

Backaromen enthalten beispielsweise häufig Öle, die nicht wasserlöslich sind. Inhaliert man sie, kann das zu einer lebensbedrohlichen Lipidpneumonie führen.
Genau das ist nämlich bei der so genannten EVALI Situation in den USA passiert. Dealer haben illegal gepanschte THC Liquids vertickert, also mit dem Wirkstoff der Cannabis Pflanze. Und die waren angesetzt mit so genanntem Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat). Weil diese Arschgeigen keine Ahnung von Bio-Chemie haben. Mindestens 68 meist junge, gesunde Menschen sind daran gestorben.
Es hatte weder etwas mit dem THC zu tun, noch mit der E-Zigarette.

Aromen, die zum Dampfen verwendet werden, müssen auf Basis von PG sein. Alternativ gibt es auch Aromen auf Ethanol, die wären auch ok.
Das ist schon alles. Und das steht drauf oder dabei.



Es gibt sie noch und wird sie weiter geben!

Die Shake & Vape Produkte haben diese 10ml Fläschchen aus den Vape Shops verdrängt. Dabei ist das, was in Shake & Vape ist, nichts anderes als das, was in den 10ml Fläschchen ist.

Diese Hersteller gibt es noch. Nur um mal einige zu nennen und damit Ihr etwas zu Googeln habt:
Capella, Smoking Bull, Inawera, FlavourArt, T-Juice, und und und.
Viele Firmen haben auch beliebte Liquids als Aroma „nachgebaut“, wie Copy Cat oder K-Boom. Andere Firmen haben inzwischen zwar Shake & Vape Produkte am Markt, haben aber auch noch 10ml Fläschchen; wie Vampire Vape oder Twelve Monkeys.

Hinzu kommen Unternehmen, die eigentlich gar keine Aromen für Liquids herstellen, sondern „normale Aromen“. Die sie aber auch – oder vor allem – im Markt der E-Zigarette absetzen.
Zu nennen wären sicher ASM Eisaromen oder Pure Flavour. Nicht zu vergessen Elli’s Aromen, die bis heute eine Fangemeinde unter den Dampfern haben.

Es wird also immer Aromen geben. Nicht nur leckere Aromen, sondern Aromen, die auch geschmacklich hervorragend zum Dampfen geeignet sind.

Der Clou

Ein solches 10ml Fläschchen würde im Vape Shop in der letzten Erhöhung ab 2026 dann 3,20 Steuer kosten. Aber aus diesen 10 Milliliter bekommt man dann ja auch gerne mal 200ml fertiges Liquid. Aus einigen bekommt man sogar weit mehr.
Da fällt die Steuer dann schon nicht mehr so ins Gewicht.

Außerdem werden diese Unternehmen natürlich ganz von alleine gucken, wie sie ihr Zeug möglichst günstig weiter „steuerfrei“ verkaufen können. Und da – und nur da – greift dann das, was viele halbwahrheitig kommentieren: Diese Unternehmen dürfen ihre Aromen nur nicht mehr ausdrücklich zum Dampfen anbieten. Aber sie sind ja auch für Eis, Milchshakes, Pfannkuchen, Limonade und vieles mehr geeignet.
Elli’s Aromen ist beispielsweise ein ganz normaler Shop für alles Mögliche. Sie müssten nur darauf achten, ihre Aromen nicht mehr ausdrücklich zur Verwendung in der E-Zigarette anzubieten.

Aber Vorsicht! Genau da ist der Stolperstein! Sobald ein Shop, der hauptsächlich E-Zigaretten verkauft, diese Aromen anbietet, wäre schon wieder Steuer fällig.

Das Nikotin

Das einzige, bei dem sich wohl nichts umgehen lässt, ist das Nikotin.

Derzeit werden so genannte NikShots für etwa einen Euro für 10 Milliliter angeboten. Darauf käme dann die Tabaksteuer von 3,20 Euro (plus Mehrwertsteuer).

Nun gibt es natürlich die Möglichkeit, einen Apotheker zu finden, der einem eine Nikotinlösung auf PG Basis verkauft. Vielen wird diese Möglichkeit aber nicht zur Verfügung stehen. Zumal ja auch fraglich ist, ob das dann in der Apotheke preiswerter wäre als mit Tabaksteuer.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Es kommt immer auf die einzelne Dampferin und den einzelnen Dampfer an.
Der eine wird von D2L auf M2L umsteigen, weil er damit insgesamt weniger Liquid verbraucht. Der Nächste wird vielleicht den Nikotinanteil etwas verringern, um dadurch Geld zu sparen. Der nächste wird sich seine NikShots oder gleich nikotinhaltige Base aus dem europäischen Ausland beschaffen.

Prognose

Ab 01.07.2022 soll die Tabaksteuer auf Liquids greifen. In der ersten Phase erstmal mit 16 Cent pro Milliliter. Ab Januar 2026 werden es erst die vollen 32 Cent sein.
Wir haben also Zeit.

Zudem war die SPD beim Gesetzentwurf so schlampig, dass sie keine Übergangsfrist angegeben hat.
Derzeit bedeutet das, dass alles, was vor dem 01.07.2022 produziert wird, auch unendlich lange steuerfrei verkauft werden darf.
Allerdings will das Finanzministerium das beschränken, derzeit ist Februar 2023 im Gespräch.

Das bedeutet auch, dass die Unternehmen entsprechende Angebote bereithalten werden, wenn jemand bunkern will. Indem sie beispielsweise – nur mal so spontan in die Tüte gesprochen – bis zum 01.07. nächsten Jahres entsprechende Bundles vorproduzieren und dann noch länger steuerfrei verkaufen dürfen. („1 Liter Base plus x NikShots für…€“)
Vielleicht werden andere auch einfach einen zweiten Shop gründen und dort neutrale Aromen, PG und VG anbieten.

Ich möchte zur Besonnenheit aufrufen.
Der Alte hat die Ruhe der Erfahrung. Vor der TPD wurde bereits der Untergang prognostiziert. Der Markt kam dann auf Shake & Vape, was die Liquids teilweise sogar preiswerter gemacht hat.
Man kann darauf vertrauen, dass die Hersteller sich schon etwas einfallen lassen werden, ihr Zeug zu verkaufen. Das wird zwar nicht so einfach sein. Aber es kann auch noch niemand wirklich vorhersagen, was passiert. Oder auf welche Ideen sie kommen.

Was aber sicher passieren wird ist, dass die Shake & Vape Produkte wieder vom Markt verschwinden. Denn sie sind automatisch steuerpflichtig. Und da viele Vape Shops einen großen Teil ihres Umsatzes mit den Flüssigkeiten machen, werden viele schließen müssen.

Meine Hoffnung

Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn sich jemand nicht so auskennt, er erstmal Panik bekommt.
Dä Kopp is näher als dä Aasch, wie man im Rheinland sagt.

Aber für Anfänger konnte ich vielleicht einmal deutlich machen, was der eigentliche Skandal ist. Dass hier nämlich eine Branche gezielt platt gemacht wird. Und Rauchern der Umstieg erschwert wird. Auch ich bin nicht sofort mit dem Selbermischen umgestiegen.

Meine stille Hoffnung ist, dass in den kommenden Jahren der Austausch innerhalb der Dampfer-Blase revitalisiert wird. Ich hoffe auf Foren und Facebook Gruppen, in denen alte Hasen Anfängern Tipps geben. Ich hoffe auf Videos von Influencern, die sich wieder mit diesen Umsteigerthemen befassen, anstatt die neusten Shake & Vape in die Kamera zu halten. Ich hoffe auf Vape-Streams, in denen es tatsächlich ums Dampfen geht.

In diesem Beitrag wollte ich aber vielen Dampferinnen und Dampfern erst einmal einfach die Angst nehmen.

Niemand wird gezwungen sein aufzuhören. Und erst recht wird niemand gezwungen sein, wieder zu Rauchen.

Dampfen ist eine Technik. Sie ist in der Welt. Sie wird nicht einfach verschwinden.
Wir sind gekommen um zu bleiben.


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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.