Und wieder eine Studie zurückgezogen

Altes Muster, immer wieder neu


Die Studie vom vergangenen Jahr wollte nachgewiesen haben, dass E-Zigaretten Krebs verursachen oder begünstigen. Die wurde nun vom veröffentlichenden Magazin World Journal of Oncology zurückgezogen.

Ein Team von Forschern von mehreren US-amerikanischen Einrichtungen und einer nepalesischen sowie einer indischen Universität kamen nach der Auswertung von Erhebungen zu dem Ergebnis.
Spannend auch, dass alle Unterzeichnende indische Namen tragen. In Indien ist die E-Zigarette inzwischen verboten.

Das Muster ist bekannt.
Die Forscher haben die Daten nicht selber erhoben. Sondern die Daten einer anderen Umfrage verwendet. In diesem Fall die Daten der regelmäßigen NHANES-Erhebung. Die offen auf der Seite der CDC zu finden sind. (Studie hier…; PDF, Guru Server)

Darin wurde u.a. gefragt, wer E-Zigaretten nutzt. Und wer an Krebs erkrankt sei.
Das beruht natürlich auf Selbstauskunft. Was für eine solche Studie die denkbar „schwächste“ Form von Daten ist.
Und so kam die Studie zu zwei Ergebnissen, die bei genauerer Betrachtung schlicht Unfug sind.

Zum ersten behaupten die Wissenschaftler, die Nutzer von E-Zigaretten würden zwar seltener als Raucher an Krebs erkranken. Dafür aber jünger.
Tatsächlich haben sie aber selber geschrieben, dass vor allem jüngere Menschen dampfen und ältere häufiger rauchen. Und das haben sie in der Rechnung nicht „bereinigt“, also nicht das Verhältnis gegenübergestellt. Also geguckt, wie viele Raucher in dem Alter im Gegensatz zu den Dampfern in der Altersgruppe an Krebs erkranken.

Und zum zweiten behaupten sie, dass Menschen, die eine E-Zigarette nutzen, eine viel höhere Wahrscheinlichkeit haben an Krebs zu erkranken, als Nichtraucher. Und teilweise sogar als Raucher.

Dabei haben sie aber gar nicht unterschieden, was überhaupt typische Krebserkrankungen wären. So wurde das beispielsweise auch für Hautkrebs festgestellt, der nicht mit Rauchen assoziiert wird.
Vor allem aber hat die Umfrage, die ja gar nicht dafür gemacht war, gar nicht danach gefragt, wann jemand geraucht oder gedampft hat und wann der Krebs diagnostiziert wurde.

Es könnte also beispielsweise sein, dass jemand jahrzehntelang geraucht hat, und dann auf die E-Zigarette umgestiegen ist. Dann ist es viel wahrscheinlicher, dass er durch das vorherige Rauchen Krebs bekommen hat.
Es könnte sogar sein, dass jemand geraucht hat, die Diagnose Krebs bekam und deshalb auf die E-Zigarette umgestiegen ist. Und sogar, dass er erst einen Tag vor der Umfrage auf das Dampfen umgestiegen ist.

Da greift der absolute Grundsatz, den jeder Student im ersten Semester um die Ohren gehauen bekommt: Correlation is not causation oder Korrelation ist keine Ursache.
Nur weil die Bäume sich bei Wind bewegen, machen die Bäume noch lange nicht den Wind.

Das Muster ist bereits von Dr. Stanton Glantz bekannt. Der in einer Studie genau das Gleiche gemacht hat.
Er hat Zahlen aus einer allgemeinen Befragung genommen, und hat mit denen angeblich nachgewiesen, dass E-Zigaretten Herzinfarkte auslösen. Auch die Studie wurde vom Journal zurückgezogen. Was eigentlich eine schallende Ohrfeige für einen Wissenschaftler ist.
Denn andere Wissenschaftler hatten nachgewiesen, dass die abgefragten Herzinfarkte teilweise passiert sind, bevor die E-Zigarette überhaupt auf dem Markt war.


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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.