Chirurgen-Kongress: „90-95 % weniger Schadstoffe“

Führender Gefäßmediziner plädiert für wissenschaftlichen Umgang

Von üblichen Fürsprechern der Tobacco Harm Reduction unbeachtet hat sich eine starke Stimme für E-Zigarette und Tabakerhitzer entwickelt. Und die kommt überraschenderweise aus der Medizin.

Während der Bundesverband der Lungenärzte viele Möglichkeiten nutzt, um möglichst negativ über E-Zigaretten und Co. zu urteilen, gibt es inzwischen einflussreiche Fürsprecher in der Gefäßmedizin.

Allen voran der angesehene Prof. Dr. Martin Storck, Direktor am Städtische Klinikum Karlsruhe, Professor an der Universität Freiburg und Mitglied in zahlreichen Verbänden. Er hatte sich bereits mehrfach positiv zur Tobacco Harm Reduction geäußert. Und die Harm Reduction auch bei der Anhörung des Finanzausschusses des Bundestages vertreten.
In dieser Funktion sprach er in der vergangenen Woche auf dem mehrtägigen Deutschen Chirurgen Kongress im CC Leipzig, der mit der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin zusammengelegt wurde.

Storck stellte die Ergebnisse bisheriger Forschung zu dem Thema vor und plädierte für einen sachlich-wissenschaftlichen Umgang mit dem Thema. Unter anderem erläuterte er auch den Cochrane Report und verwies dabei auf den Einfluss der Schadstoffreduktion auf das Krebsrisiko.
So befriedigen E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel („Pouches“) die Nikotinsucht, setzen aber 90-95 Prozent weniger Schadstoffe frei als klassische Verbrennungszigaretten, heißt es dazu in der Pressemitteilung der Thrombose-Initiative.

„Ein Argument gegen die schadstoffärmeren Produkte ist die sogenannte Gateway-Hypothese, also die Annahme, dass diese Produkte verführende »Einstiegsdrogen in das Zigarettenrauchen« für Kinder und Jugendliche sind. Storck wies darauf hin, dass es keine validen Daten gibt, die diese Gateway-Hypothese stützen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) befand sich die Raucherquote der 12- bis 17-jährigen im Jahr 2019 mit 6-8% auf einem historischen Tiefstand. Die Anzahl der jugendlichen Nutzer von E-Zigaretten oder Tabakerhitzern blieb dabei konstant niedrig.“

Laut DEBRA Studie der Universität Düsseldorf liegt die Zahl der Jugendlichen, die E-Zigaretten konsumieren, bei etwa 0,5 Prozent. Wobei diese dann fast immer auch rauchen.

Auch für die Vorbeugung der „Arterienverkalkung“, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursacht, ist vor allem das Vermeiden der Verbrennungsprodukte entscheidend. Und nicht der Verzicht auf Nikotin, wie betont wurde. Aktuelle Umfragen aus den USA, aber auch aus Deutschland, zeigen, dass den meisten Ärzten dies nicht bewusst ist.

Damit zeichnet sich sehr deutlich eine völlig entgegengesetzte Herangehensweise ab. Die Lungenärzte verweisen immer wieder darauf, dass die E-Zigarette nicht für den Rauchstopp geeignet sei. Und auf den Gateway Effekt. Obwohl die vorliegenden Daten das Gegenteil zeigen.
Die Chirurgen aber, also die, die nachher die Patienten „auf dem Tisch haben“, die Schadensminimierung begrüßen und Ärzte informieren wollen.


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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.

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