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Rauchfreie Generation mit E-Zigarette

Große Pläne in England

Das britische Gesundheitsministerium hat einen „Tabak Lenkungsplan“ herausgegeben. Das Ziel des Plans ist eine rauchfreie Generation. Auch mit Hilfe der E-Zigarette.
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Das Gesundheitssystem in Großbritannien funktioniert etwas anders als in Deutschland. Es ist staatlich, der National Health Service (Nationale Gesundheitsdienst) übernimmt die Rolle der Krankenkassen.

Dieser wurde durch ein 2012 beschlossenes Gesetz weitreichend umstrukturiert. Dabei ist unter anderem das unter Dampfern bekannte Public Healt England herausgekommen. Diese Agentur ist zwar aus diesem Gesundheitssystem ein Stück weit ausgegliedert, denn es untersteht dem Gesundheitsministerium direkt. Aber es hat sehr viele Aufgaben übernommen, die in Deutschland durch viele verschiedene Behörden und auch private Unternehmen übernommen werden.

Zu den Aufgaben von Public Health England zählen unter anderem die Seuchenkontrolle, die Beratung der Regierung aber auch Forschung.
Durch diese Kombination, aus einem sehr unmittelbarem staatlichen Interesse an der Gesundheit seiner Bevölkerung und einer sehr jungen Behörde die auch selber forscht, ist wohl zu verstehen, warum Public Health der E-Zigarette gegenüber sehr aufgeschlossen ist.

Die 95% Studie

Unter Vapern ist PHE vor allem durch seine Studie bekannt geworden, die Mitte 2015 veröffentlicht wurde. Für sie wurden mehrere hundert andere Studien über E-Zigaretten aus der ganzen Welt untersucht. PHE kam zu dem Schluss, dass die E-Zigarette deutlich weniger Risiko beinhaltet als die Tabak Zigarette.
Da in die Abwägung auch das Suchtpotential einfloss, welches nie ganz sicher beziffert werden kann, legte Public Health England sich auf ein 95% geringeres Risiko fest.
Diese Erkenntnis sorgte in weiten Teilen der Medien für Aufmerksamkeit, wird aber seit dem beharrlich von verschiedenen Interessenvertretern und Politikern ignoriert.

Das Royal College of Physicians

Im Mai 2016 schloss sich auch das international hoch renommierte Royal College of Physicians dieser Einschätzung an. Das ist eine Ärztevereinigung mit Sitz in London, die bereits von Heinrich VIII. gegründet wurde.
Das Kollegium empfahl der britischen Regierung in sehr deutlichen Worten, die E-Zigarette nachhaltig zu fördern und von kontraproduktiven Regulierungen Abstand zu nehmen.
In den englischsprachigen Medien wurde ihre Studie „Nicotin without smoke“ als „gamechanger“ bezeichnet. Also als etwas, was die Regeln des ganzen Spiels ändert.

Der Plan für eine rauchfreie Generation

In diesem Monat hat Public Health England nun einen Plan veröffentlich. Das ist eine Art Arbeitspapier. Dieser Plan sieht nichts geringeres vor, als in Großbritannien eine rauchfreie Generation zu ermöglichen.
Das konkrete Ziel ist dabei, den Anteil an Tabakkonsumenten in der Bevölkerung auf unter 5% zu bekommen.

Eine andere Perspektive

Der Unterschied zu anderen Ländern liegt hier in der Herangehensweise und der Sicht der Dinge.
Die meisten Regierungen sprechen zwar von „rauchfrei“, meinen aber tatsächlich „inhalationsfrei“. Sie versuchen den Nicotin Konsum grundsätzlich zu bekämpfen. Und ignorieren dabei vollkommen, dass Nicotin alleine in der entsprechenden Dosierung völlig unbedenklich ist. Ganz zu schweigen davon, dass jeder Kampf gegen Drogen und Genussmittel bisher gescheitert ist. Was auch die Zahlen der WHO und andere Erhebungen widerspiegeln, in denen bereits ein Rückgang der Raucher um 2% als Erfolg gefeiert wird.

Public Health England hingegen verfolgt die Politik der so genannten „Harm Reduction“, der Schadensminimierung. Wenn ein Produkt wie die E-Zigarette weit weniger Gefahren birgt, dann muss man es fördern anstatt es zu regulieren. Denn das Ziel ist die Gesundheit der Bevölkerung und nicht die Unterdrückung jeglichen Genusses.

Geistige Flexibilität erforderlich

Genau die gleiche Diskussion ist zur Einführung der Methadon Projekte abgelaufen. Konservative und Interessenvertreter aus dem Bereich der öffentlichen Gesundheit kämpften mit fadenscheinigsten Argumenten dagegen, Heroin Süchtigen durch die kostenfreie Abgabe eines Ersatzstoffes ein gesundes und normales Leben zu ermöglichen. Inzwischen würde kaum ein Politiker es überhaupt noch wagen, den Sinn dieses Vorgehens anzuzweifeln.
Oder wie Prof. Dr. Bernd Mayer es im Interview mit vapers.guru sagte:

„Die Gleichsetzung von Nikotin und Tabakrauchen ist in unseren Gehirnen seit Jahrhunderten tief verwurzelt. Wenn man jahrzehntelang gegen „Nikotin“ (im Tabak) gekämpft hat, bedarf es halt geistiger Flexibilität, um mit der nunmehr veränderten Situation zurecht zu kommen. Diese Flexibilität fehlt vielen der derzeit weltweit aktiven „Tabakkontroll-Organe“, von denen die meisten offenbar dem ideologischen „Anti-Wolken-Korsett“ nicht entkommen. Häufig ist dieses Korsett mit grundsätzlicher Genussfeindlichkeit und ähnlichen Ideologien gekoppelt.“
Prof. Dr. Bernd Mayer, Leiter der Pharmakologie der Uni Graz, März 2016

E-Zigarette signifikant weniger schädlich

„Das Beste, das ein Raucher für seine Gesundheit tun kann, ist aufzuhören zu rauchen. Dennoch ist die Beweislage zunehmend klar, dass E-Zigaretten signifikant weniger schädlich sind als Tabak zu rauchen.
Die Regierung bemüht sich Konsumenten dabei zu unterstützen, das Rauchen aufzuhören und die Benutzung von weniger gefährlichen Nicotin Produkten anzunehmen.“
Public Health England, „Towards A Smokefree Generation“, Juli 2017

„Dieses Krankenhaus gestattet nur das elektronische Dampfen durch Patienten und Besucher auf dem Gelände.“

Und das zeigt den größten Unterschied zur Argumentation aller anderen Regierungen. Dampfen wird nicht einfach dem Rauchen gleich gestellt.

Man sollte nicht ignorieren, dass PHE in dem Plan die Regulierung der EU, die so genannte TPD2, begrüßt. Zusätzlich sind sogar darüber hinaus gehende Regulierungen in Großbritannien erlassen worden, wie die Beschränkung von Verdampfern auf ein Füllvolumen von 2ml.
Dennoch zeigt sich an diesem kleinen Unterschied der Sichtweise, wie unterschiedlich Politik und Auswirkungen dann doch in der Umsetzung sein können.

„Public Health England hat Anleitungen für Arbeitgeber und Organisationen herausgegeben, welche Regulierungen für die Nutzung von E-Zigaretten und Dampfen in der Öffentlichkeit erlassen wollen und ermahnt, dass diese Regulierungen beweisbasiert sein sollten. PHE empfiehlt daher, dass die Nutzung von E-Zigaretten nicht durch „Rauchfrei Regulierungen“ abgedeckt wird und nicht routinemäßig in die „Rauchfrei Politik“ einer Organisation eingeschlossen werden sollte.“
Public Health England, „Towards A Smokefree Generation“, Juli 2017

Denn abschließend geht es nur um eines:

„Wir begrüßen Innovationen, welche die Schäden durch Rauchen reduzieren. Und wir untersuchen ob Produkte, wie neue Nikotin Produkte, eine Rolle in der Reduzierung des Risikos der Schäden für Raucher spielen.“
Public Health England, „Towards A Smokefree Generation“, Juli 2017

Man wird vor allem nach der Umsetzung des Brexit sehen, wie sich das Szenario in Großbritannien weiter entwickelt.

„Die Herausforderung bleibt eine Umgebung zu entwickeln, welche die Reduzierung der Verbreitung des Rauchens maximiert und die öffentliche Gesundheit verbessert, während der Öffentlichkeit akkurate Information gegeben wird.“
Public Health England, „Towards A Smokefree Generation“, Juli 2017

Durch diesen Ansatz hat Großbritannien den geringsten Anteil an Rauchern in der Bevölkerung erreicht, welcher jemals gemessen wurde. Nach Schätzungen von PHE haben in Großbritannien bis 2016 zwei Millionen Menschen durch die E-Zigarette komplett aufgehört zu Rauchen. Und weitere 475.000 Menschen versuchten es noch.

Dieser Ansatz und die strikte Differenzierung zwischen Rauchen und Dampfen sind es aber, die sicher den Kurs der Regierung und von Public Health weiter bestimmen werden. Es ist sicher eher zu erwarten, dass nach dem Brexit die europäischen Regulierungen erneut auf den Prüfstand kommen.
Denn dieses Denken kann man noch weniger aus den Köpfen bekommen, als die Innovation der E-Zigarette wieder aus der Welt zu schaffen.


Public Health England, „Towards A Smokefree Generation“: http://www.vapers.guru/wp-content/uploads/2017/07/Towards_a_Smoke_free_Generation_-_A_Tobacco_Control_Plan_for_England_2017-2022.pdf
Zur Untersuchung von Public Health England: http://www.vapers.guru/die-studie/
Zur Untersuchung des Royal College of Physicians: http://www.vapers.guru/2016/05/01/sensationeller-report-aus-london/
Interview mit Prof. Dr. Bernd Mayer: http://www.vapers.guru/2016/03/03/interview-mayer/

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Marketingberater und Mediengestalter bei einem gemeinnützigen Verein (angestellt). Selbstständiger Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.
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