Wegwerf-E-Zigaretten übernehmen den Markt

Umfrage: Bombe in Großbritannien geplatzt

Gefundenes Fressen für die Medien

Wie zu erwarten veröffentlichte der Guardian daraufhin einen langen Artikel zu diesen Ergebnissen. Natürlich stellte er dabei heraus, dass die Zahl der Konsumenten sich seit dem vergangenen Jahr fast verdoppelt hat.

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Zudem wies er darauf hin, dass diese Wegwerfprodukte entgegen des Werbeverboten auf Social Media durch Influencer angepriesen werden. Vor allem auf Tik Tok, das von fast der Hälfte aller Acht- bis Elfjährigen und von Dreiviertel aller 16- bis 17-jährigen genutzt wird.

Dort werden nicht nur solche Produkte angepriesen und in Giveaways verschenkt. (Bild) Offenbar sind viele dieser Videos auch nichts als Werbung gekennzeichnet.
Auf Hinweise des Guardian wurden zwei Kanäle von Tik Tok geschlossen.

Ich selber erhalte wöchentlich Anfragen von chinesischen Konzernen um Werbung zu schalten. Auch mehrfach von den gleichen. Teilweise seriös, teilweise aber auch direkt über Instagram.
Sobald ich erkläre, dass Ich kein Influencer bin und Produktwerbung verboten ist, erlischt das Interesse sofort. An etwas anderem als Product Promotion besteht kein Interesse. Offenbar floriert dieser Markt trotz Verbotes nach wie vor.

Weitverbreitete Illegalität

In der Befragung des ASH gaben 47 Prozent der Minderjährigen an, ihre Wegwerfgeräte ganz normal in Geschäften zu kaufen. Obwohl auch in Großbritannien der Verkauf an unter 18-jährige verboten ist.

Daraufhin führte ASH 442 Testkäufe durch Minderjährige durch. Von denen 145 problemlos über die Bühne gingen. Was einer Rate von über 30 Prozent entspricht.
Bei Online Bestellungen über das Handy und in „Discount Shops“, also außerhalb vom Fachhandel der Vape Shops, waren sogar 50 bzw. 52 Prozent erfolgreich.
Das legt nahe, dass die „traditionellen“ Vape Shops eher darauf achten, wem sie etwas verkaufen. Die nun überschwemmten Tankstellen und Kioske aber eben nicht.

Gleichzeitig hat ASH jedoch auch die Beachtung der anderen Gesetze geprüft. Eine außergewöhnliche Häufung von Gesetzesverstößen wurde im nordwestlichen im Ballungsraum Manchester festgestellt. Doch es war nicht darauf beschränkt.
Ganze 24 Unternehmen wurden identifiziert, die sich scheinbar gar nicht an die Gesetze hielten. 44.000 Produkte wurden erfasst, die den Vorschriften nicht genügen. Also wo Verpackungsbeschriftungen und Warnhinweise fehlten oder ähnliches.

Selbst Befürworter alarmiert

Bei diesen Zahlen ist es kaum verwunderlich, dass auch Befürworter der E-Zigarette strengere Maßnahmen fordern.

Wie das „Kahn Review“ der Regierung empfohlen hat, werden weitere 15 Millionen Pfund gebraucht, um in die Strafverfolgung investiert zu werden. Und das sollte Dampfen ebenso einschließen wie Tabakprodukte. Die Gesetze müssen verschärft werden, um kinderfreundliche Verpackungen zu verbieten und Werbung auf Social Media zu unterbinden.

Deborah Arnott, Chief Executive, ASH

Dafür ist irrelevant, dass das Rauchen unter Minderjährigen immer weiter zurückgeht. Laut Umfrage von 16 Prozent in 2020 auf aktuell 14 Prozent.
Die 92 Prozent aller Minderjährigen, die nie geraucht haben, haben auch nie gedampft. Und nur 2 Prozent dampfen regelmäßig. Was nach wie vor exponentiell weniger sind, als Minderjährige, die rauchen.



Die Diskussionen der vergangenen Jahre sind obsolet

Doch darauf kommt es ja nicht an.
Die wenigsten Politiker dürften sich länger mit den Zahlen befassen. Und den Gegnern der E-Zigarette wird damit ein Argument auf dem Silbertablett serviert. Nur dass sie sich nun auch noch die Umweltschützer ins Boot holen können.

Der Konsum bei Minderjährigen ändert sich nicht merklich. Nur dass sie jetzt eher zu Wegwerf-Produkten greifen. Was offenbar häufig illegal passiert.
Genau das ist der Politik offenbar schwer zu vermitteln. Ein Jugendschutz bei Literflaschen Nikotinbase zum Selbermischen läuft ins Leere. Weil kaum ein Jugendlicher so etwas für den unter Adoleszenten üblichen Probierkonsum kauft. Doch genau das wird von der Politik immer weiter reguliert.

Stattdessen werden Tankstellen und Post-Filialen mit Disposables überschwemmt. Die sich kaum für die Konsequenzen interessieren. Und Großhändler freuen sich auch hierzulande über ein neues Kundensegment und reißende Absätze.

Die Befürworter der weniger schädlichen E-Zigarette im Sinne der Harm Reduction haben nun, was sie wollten. Das beratungsintensive Produkt der Dampfe kommt im Mainstream an. Nur halt eben anders, als man es sich erwünscht hat.

Gefundenes Fressen

Ganz oben auf der Liste der politischen Argumente der Gegner steht natürlich das Argument der Aromen. Denn kaum etwas ist leichter zu verkaufen, als das Bild des Jugendlichen, der durch Fruchtaromen zum angeblich gefährlichen Nikotinkonsum verleitet wird.
Und so wurde ein Verbot von allen Aromen außer Tabak nicht nur in den Niederlanden inzwischen umgesetzt. Es wird auch offen auf EU-Ebene diskutiert. Die in diesem Herbst die Tabakproduktregulierung „TPD2“ überarbeiten will.

In Deutschland kommt die gerade in Kraft getretene Liquidsteuer hinzu. Gegen die der Händlerverband BfTG inzwischen Verfassungsbeschwerde eingelegt hat.
Während ein Liter Glycerin in der Drogerie nebenan weiterhin unter 10,- Euro kosten wird, werden in einem Vape Shop dafür ab 2026 etwa 400,- Euro fällig. Die flexible Technik der E-Zigarette soll der standarisierten Tabakzigarette gleichgemacht werden.
Viele der Vape Shops, die sich bisher mit genau diesen nachhaltigen Möglichkeiten das Rauchen zu ersetzen über Wasser gehalten haben, werden bald schließen müssen.

Der Markt ist keine zielgerichtet operierende Einheit. Zu viele Interessen von zu vielen Protagonisten spielen eine Rolle.
Der Markt ist ein Blob, ein Mehrzeller, der sich andere Organismen einverleibt oder wieder ausscheidet. Und der nicht zielgerichtet handelt. Weil er nicht langfristig denkt.
Wir können dabei zusehen, wie die E-Zigarette sich selber zerstört.


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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.