Neue wissenschaftliche Ergebnisse

Mal das Pferd von vorne aufzäumen

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Wissenschaft ist eigentlich sehr leicht. Der Mensch kommt ihr immer in die Quere.
Wissenschaft, so wie wir sie im allgemeinen Sprachgebrauch verstehen, bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass man Erkenntnisse gewinnt. Dass man Wissen schaft. Also etwas Neues herausfindet. Mehr nicht.
Trotzdem schleichen sich immer wieder Irrtümer ein. Weil der Mensch eben kein rein logisches Wesen ist. Auch wenn wir uns das gerne einreden.

Das liegt meist daran, dass Ergebnisse falsch interpretiert werden. Hat man ein Ergebnis, dann kann man kontrollieren, ob man „sauber“ an dieses Ergebnis gekommen ist. Und dafür gibt es Regeln.
Verbrennt man sich die Zunge an einer heißen Kartoffel, dann hat man ja eine Entdeckung gemacht. Trotzdem ist das keine Wissenschaft. Denn man hat das zufällig entdeckt. Das machen Kinder täglich. Ein Ergebnis muss aber reproduzierbar sein, es muss widerlegbar sein, und viele andere Bedingungen erfüllen. Außerdem muss man schauen, ob vielleicht schon jemand vorher die Entdeckung gemacht hat. Und dann muss man das Ergebnis interpretieren.
Eine typische Fehlinterpretation wäre jetzt anzunehmen, Kartoffeln seien schlecht für die Zunge. Also ist man wissenschaftlich eigentlich gar nicht damit fertig, sich die Schnauze verbrannt zu haben. Sondern man muss auch noch schauen, warum das so ist. Man muss den Versuch wiederholen. Mit einer kalten Kartoffel, einer rohen Kartoffel, einer heißen Karotte, usw. Bis man alles andere ausschließen kann, und sagen kann: Es liegt nicht an der Kartoffel, sondern an der Temperatur.

Wahre Geschichte einer Fehlinterpretation

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Kinder betreiben täglich Wissenschaft

Eine wahre Geschichte: Eine Grundschullehrerin in Bayern fragte ihre Schüler, woher der Wind kommt. Ein Mädchen meldete sich euphorisch und erklärte dann weise nickend, der Wind käme von den Bäumen. Auf verdutzter Nachfrage der Lehrerin erklärte sie, immer wenn die Bäume anfangen sich zu bewegen, gäbe es Wind.
Das Mädchen hat also die richtige Beobachtung gemacht. Eine Korelation hergestellt. Sie hat sie aber völlig falsch interpretiert.

Leider sind es solche Fehler, die sich immer wieder in wissenschaftliche Untersuchungen zur E-Zigarette einschleichen. Trotzdem werden diese Untersuchungen von den Medien aufgegriffen und ausgeschlachtet, ohne dass Rücksicht auf die Zuverlässigkeit genommen wird. Und es gibt inzwischen hunderte Untersuchungen weltweit.
Liest man sich einige dieser Untersuchungen durch, gewinnt man tatsächlich den Eindruck, dass wann immer negative Ergebnisse erzielt werden, etwas an der Untersuchung selber zu bemängeln ist.

Unsinnige Messungen

Beispielsweise versuchen ganz viele Wissenschaftler herauszufinden, was an eventuellen Schadstoffen im Dampf einer E-Zigarette enthalten ist. Das ist aber eigentlich schon der falsche Ansatz. Denn es gibt ja tausende von Geräten, Kombinationen von Geräten und tausende Liquids. Man kann also gar nicht zuverlässig herausfinden, was in der E-Zigarette enthalten ist. Sondern höchstens im Akkuträger „xy“ mit dem Verdampfer „abc“ und dem Liquid „123“.
Leider ist das noch nicht alles. Denn es gibt ja verschiedene Betriebsmöglichkeiten. Und wie wir inzwischen wissen, sind im Dampf umso mehr Schadstoffe, umso heißer der Verdampfer betrieben wird.

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Die typischen Smoking Machines, mit denen auch cig-a-likes gemessen werden

Wir haben schon mehrfach bemängelt, dass die Wissenschaftler sich mit diesem Problem offenbar nicht auseinandersetzen. Vielleicht weil sie unkundig sind. Vielleicht aber auch, weil sie von vorn herein ein bestimmtes Ergebnis erwarten und dann nur danach suchen. Die E-Zigarette gibt es auf jeden Fall nicht, und alle Medienmeldungen die von der E-Zigarette sprechen, sind also schon mal sehr skeptisch zu betrachten.

Beispielsweise sind viele Untersuchungen mit den so genannten cig-a-likes durchgeführt worden. Wahrscheinlich, weil die einfacher in die Smoking Machines gespannt werden können, die auch zur Untersuchung von Zigarettenqualm verwendet werden.
Doch wenn eine Maschine in irrer Geschwindigkeit und hohem Zug an einer E-Zigarette zieht, dann kommt es zu einem Dry Hit. Die E-Zigarette überhitzt, es kommt nicht genug Liquid an den Heizwendel, und es kommt zum Kokeln. Etwas, was im üblichen Gebrauch durch einen Menschen nie geschehen würde, weil man das schlicht nicht inhalieren kann und sich die Nieren aushustet. Bei einem schönen Sub Ohm Dry Hit kann man sich auch schon mal gepflegt einstuhlen. Ihr kennt das.
Überflüssig zu erwähnen, dass dabei selbstverständlich mehr Schadstoffe entstehen. (Die im Allgemeinen immer noch weit unter denen einer Zigarette liegen.)
Eigentlich ist eine zuverlässige Messung unter solchen Bedingungen nach wissenschaftlichen Regeln also gar nicht durchzuführen. Geschweige denn, dass man daraus irgendetwas schließen könnte.
Trotzdem werden Meldungen über solche Ergebnisse wieder und wieder in den Medien hochgejubelt.

Beispiel Formaldehyd

Wissenschaftlich nachgewiesen schädlich: Lederaroma

Es geht aber noch einen Schritt weiter.
Wenn nun festgestellt wird, dass ein bestimmter Schadstoff im Dampf enthalten ist, bedeutet das dann nicht zwangsläufig, dass es schädlich für den Menschen ist, der ihn inhaliert.
Beispielsweise ist Formaldehyd im Dampf der E-Zigarette nachgewiesen. Das Zeug ist aber in ganz vielem, von Sperrholzplatten bis zu Autoabgasen.
Der Körper produziert sogar selber Formaldehyd in der normalen Verstoffwechselung. Jeden Tag etwa 50g. Gemäß einer kanadischen Untersuchung von 2008 enthält der Dampf einer E-Zigarette etwa 4,2µg Formaldehyd in zehn Zügen. Das bedeutet, ein Dampfer müsste am Tag etwa 119.048 Mal ziehen, um die gleiche Menge zu inhalieren, die der Körper selber herstellt. Und bei der Inhalation bedeutet das ja noch nicht, dass es wirklich vom Körper aufgenommen wird.
Mal ganz abgesehen davon, dass Zigaretten das 5000 bis 20.000 fache an Formaldehyd enthalten.

Aber ist das dann wirklich noch schädlich? Oder sind diese Mengen vielleicht sogar so gering, dass das Formaldehyd gar keine Auswirkungen hat?
Die Wissenschaft ist klar. Die Interpretation ist schwierig.
Kommt der Wind nun, weil die Bäume sich bewegen, oder bewegen sich die Bäume durch den Wind?

Einfache und doch neue Idee

Das Roswell Park Cancer Institute war wirklich pfiffig und ist nun als erstes einen ganz anderen Weg gegangen.
Das Institut ist ein renommiertes Forschungs- und Behandlungszentrum in Buffalo, New York, das bereit 1898 gegründet wurde. Es erstellt auch ganz viele Statistiken, die vom National Cancer Institute genutzt werden. Es ist also eine wirklich gute und zuverlässige Adresse.

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Dr. Maciej L. Goniewicz, Roswell Park Cancer Institute

Die Forscher um Dr. Maciej L. Goniewicz haben nun eben nicht versucht Schadstoffe im Dampf zu testen. Sie interessierte, was an krebsverursachenden Stoffen tatsächlich beim Menschen ankommt. Dafür haben sie sich den Urin angeguckt. Denn Schadstoffe kann man ja auch im Urin und den Haaren messen. Wie spätestens seit Christoph Daum jeder weiß, der gerne stoned Auto fährt.

Dazu haben sie 20 Raucher gebeten, für den Versuch auf eine E-Zigarette umzusteigen. Hier fällt bereits positiv auf, dass das genaue Modell sogar in der Untersuchung angegeben wurde. Es war eine „pen-style M201“. Dazu muss man anmerken: Es dauert lange, bis eine solche Untersuchung abgeschlossen und veröffentlicht ist. Daher auch das ältere Modell. Die Erhebung fand bereits 2011 statt. Im für die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit wichtigen peer-to-peer Review wurde es erst jetzt veröffentlicht.
Nach zwei Wochen haben die Forscher untersucht, was sich so im Körper tut.
Dazu haben sie mehrere Biomarker gemessen, die für den Rauch von Zigaretten typisch sind. Nikotin Abbauprodukte, aber auch Karzinogene (krebsverursachende Stoffe). Darunter einige vielleicht bekannte Stoffe wie Acrolein und Acrylamid.
Das Ergebnis wurde nun im Fachmagazin Oxford Journals „Nicotine & Tobacco Research“ veröffentlicht.

Insgesamt haben 9 Personen in den zwei Wochen ausschließlich die E-Zigarette genutzt. Der Rest hat zwischendurch geraucht.
Die Marker für die Nikotin Abbaustoffe haben sich bei keiner Person geändert. Alle anderen Marker sind bereits nach einer Woche bemerkenswert („significant“) zurückgegangen.

Nach unserem Wissensstand ist dies die erste Studie die nachweist, dass der Ersatz von Zigaretten durch E-Zigaretten den Kontakt mit vielen Giftstoffen und Karzinogenen, die üblicherweise in Tabak Zigaretten enthalten sind, reduzieren kann. Die Daten über diese Reduzierung der schädlichen Stoffe […] können dabei helfen, die E-Zigarette als potentielles Mittel zur Schädlichkeitsreduzierung zu erkennen.
Dr. Maciej L. Goniewicz

Das würde vereinfacht bedeuten, dass die akute Gefährdung durch krebserregende Stoffe in E-Zigaretten mitnichten mit Zigaretten zu vergleichen ist und bei Umsteigern bereits nach nur einer Woche signifikant zurückgeht.

Diese Erkenntnis schließt sich an eine immer länger werdende Reihe von Untersuchungen an, die die positiven Auswirkungen von E-Zigaretten dokumentieren.
Diesmal jedoch nicht durch eine Untersuchung des Dampfes, sondern dem was tatsächlich beim Dampfer ankommt. Und das ist eine kleine Revolution. Another brick in the wall.

An solchen, sich häufenden, Ergebnissen werden die Dampf-Gegner nicht mehr lange vorbei argumentieren können. Denn dadurch werden auch immer mehr Ärzte und Forscher aufmerksam.

Dr. Goniewicz hat die Erforschung von E-Zigaretten als Zigarettenersatz übrigens inzwischen offiziell zu seinem Forschungsschwerpunkt gemacht.

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.