Bekannter Dampfgegner wegen sexueller Belästigung vor Gericht

Die Abgründe eines Moralapostels

Prof. Dr. Stanton Glantz ist einer der bekanntesten Gegner der E-Zigarette im englischsprachigen Raum. Er ist häufig in den Medien vertreten. Nun steht der selbsternannte Gesundheitsaktivist vor Gericht. Wegen sexueller Belästigung.
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Bei seinen häufigen Medienauftritten präsentierte Stanton Glantz sich gerne als integrerer und moralisch erhabener Gesundheitsaktivist, ebenso wie er gerne das Bild eines seriösen Wissenschaftlers repräsentiert. Doch diese beiden Darstellungen scheinen nun endgültig an Fundament einzubüßen.

Nachdem er bereits auf wissenschaftlichem Terrain stark angezweifelt wurde, beginnt auch seine moralische Fassade zu bröckeln. Denn seit Mittwoch muss er sich nun in San Francisco wegen sexueller Belästigung vor Gericht verantworten.

Spannend wird das auch dadurch, dass er sich offenbar auf einem Kreuzzug befindet. Gegen wen alles, scheint auch ihm nicht ganz klar zu sein.
Da die Argumente gegen die E-Ziagrette aber offenbar nicht mehr ausreichend sind, hat er den tugendhaften Pfad der wissenschaftlichen Integrität verlassen.

Er ist Professor für Medizin an der Universität von San Francisco UCSF. Also sollte man meinen, er hätte auch Medizin studiert und verfüge über umfangengreiche Kenntnisse. Das ist jedoch nicht der Fall.

Professor mit Pfadfinderabzeichen

Stanton Glantz wurde 1946 in Ohio geboren. 1960 erhielt er die Auszeichnung eines Eagle Scouts, die höchste Auszeichnung der amerikanischen Pfadfinder. Das ist jedoch nur deshalb erwähnenswert, weil es tatsächlich als Auszeichnung in seiner Vita sogar auf der Homepage der Universität genannt wird. Eine Pfadfinderauszeichnung ist in einer Liste von wissenschaftlichen Ehrungen eher außergewöhnlich.

Die harten Jungs von den Boy Scouts

1969 schloss er sein Studium an der Universität von Cincinatti ab. Aber erstaunlicherweise nicht in einem medizinischen Bereich, sondern in Raumfahrttechnik.
Die theoretische Laufbahn muss im gelegen haben, denn nur ein Jahr später erhielt er seinen Master und nur weitere drei Jahre später die Doktorwürden. Thema seiner Arbeit war die computergestützte Verarbeitung von Daten, welche die Herzfunktion betreffen.

Medizinische Ausbildung Fehlanzeige

Daher wurde sicher auch häufig berichtet, er wäre in der Kardiologie forschend tätig. Also in der Herzmedizin. Das ist falsch.
Er war an der Stanford University im Bereich der angewandten Mechanik tätig. Dort hat er sich offenbar mit Herzfunktionen beschäftigt. Aber nicht als Mediziner, sondern als Ingenieur. Also jemand, der beispielsweise Computersysteme entwickelt, die Kardiologen Werkzeuge bereitstellen.
Weder wird in diesem Bereich in Stanford medizinisch geforscht, noch findet sich irgendein Verweis darauf in seiner offiziellen Vita. Stanton Glantz hat keinerlei Ausbildung in Medizin, Toxikologie, Pharmakologie oder anderen Wissenschaften.

Es gibt Parallelen

Die angebliche Krebsforscherin Pötschke-Langer

Das ist durchaus mit der bei Dampfern recht bekannten Dr. Pötschke-Langer zu vergleichen. Zwar hat diese tatsächlich einen Doktor in Medizin. War in diesem Bereich aber offensichtlich niemals forschend tätig.
Sie ist nach dem Studium recht zielstrebig in administrative Positionen gegangen, übernahm dann beim Deutschen Krebsforschungsinstitut DKFZ die Stabsstelle für Krebsprävention und machte aus dieser die Kollaborationsstelle der WHO.
Auch bei ihr ist dies ausreichend, um sie bei Medienauftritten vollmundig als „Krebsforscherin“ zu etikettieren.
Doch es finden sich noch mehr Parallelen.

Karriere im Tabakkampf

Spätestens ab 1978 begann Glantz Kreuzzug gegen den Tabak. Denn damals versuchte er, bereits für die UCSF tätig, ein weitreichendes Rauchverbot in Kalifornien durchzudrücken. Was damals jedoch abgeschmettert wurde.
In der Folge war er auch in Gerichtssälen zu Gast, so wurde er unter anderem von Philip Morris verklagt. Denn seinen zunehmend fanatischen Kampf gegen den Tabak schienen die Rechte anderer immer weniger aufzuhalten.

Bis 1994 war er nur ein unbedeutender von vielen Forschern in diesem Bereich. Seine Karriere bekam dann Auftrieb, als aus angeblich unbekannter Quelle 4000 gestohlene Dokumente des Tabakherstellers Brown & Williamson in seinem Büro auftauchten.
Diese bildeten die Grundlage für ein „Tabakindustrie Archiv“ der Universität, das heute etwa 10 Millionen solcher Papiere beinhaltet.

Die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit von Glantz bekam einen weiteren Kratzer durch das, was inzwischen als „Helena Miracle“, das Wunder von Helena bekannt geworden ist.

Das Wunder von Helena

Das kleine Nest Helena, wo das Wunder passierte.

Aus irgendeinem Grund hatte Glantz sich für ein lokales Gesetz in der Kleinstadt Helena in Montana stark gemacht. Das sollte ein allgemeines Rauchverbot in dem 28.000 Seelen Nest durchsetzen, wurde jedoch bereits kurz nach seiner Verabschiedung im Jahr 2002 von einem Richter wieder kassiert.
Glantz, vor allem ein Verfechter des Nichtraucherschutzes, präsentierte daraufhin eine wissenschaftliche Analyse, die weltweit Beachtung fand.
In dem kurzen Zeitraum, in dem das Gesetz in Kraft war, waren die Herzanfälle um 60% abgesunken. Diese Zahl wurde kurze Zeit später bereits auf 40% reduziert.

Nun sollte eigentlich jedem klar sein, dass eine Schädigung durch Tabak, noch dazu durch passives Rauchen, eine sehr langsame ist. Deshalb ist es auch laienhaft überhaupt nicht nachvollziehbar, warum in nur wenigen Monaten die Herzanfälle so dramatisch zurückgehen sollten.
So nahmen dann auch andere Wissenschaftler diese Erhebung unter die Lupe.

Wissenschaftliche Taschenspielertricks

Andere Gesundheitsorganisationen bezifferten die Herzanfälle durch Passivrauchen auf höchstens 20% bis hin zu 0%. Das machte dieses Ergebnis noch wundersamer.
Als erstes kam dabei heraus, dass die Zahlen in dem Nest in Montana natürlich winzig waren. In Helena gab es vor und nach dem Gesetz im Durchschnitt sieben Herzanfälle im Monat. In den drei Monaten, in denen das Gesetz überhaupt nur gültig war, waren es vier. Wohlbemerkt im Durchschnitt.




Nicht nur, dass Prozentangaben natürlich wunderbar geeignet sind, solche Umstände zu verstecken. Weiter kam dann heraus, dass 38% der Herzanfälle durch Raucher erlitten wurden. Und weitere 29% durch ehemalige Raucher, die bereits eine Schädigung des Kreislaufsystems aufwiesen.
Eine genauere Analyse zeigte dann auch, dass es bereits 1998 einen solchen Rückgang bei den Herzanfällen gegeben hatte. Nur wurde das natürlich nicht erwähnt, da es vier Jahre zuvor kein solches Gesetz gegeben hatte.

Zum Schluss ist es dann verwunderlich, dass Glantz überhaupt dort derart engagiert war. Denn nicht nur, dass Helena über 1600 Kilometer von seiner Heimatstadt San Francisco entfernt liegt. Noch dazu gab es dort bereits ein solches Rauchverbot. Und die vorliegenden Zahlen dieser dreißigmal so großen Metropole zeigten keinen Rückgang der Herzanfälle.
Spätestens da wurde deutlich, dass Glantz sich auf einem eher moralisch motivierten Kreuzzug befand.

Dampfen und Rauchen ist das Gleiche

Inzwischen hat Glantz auch die E-Zigarette als Feind ausgemacht. Und dort ist er medial noch weit stärker vertreten als nur beim Tabak.
Höhepunkt dieser Eskalation dürfte ein Intermezzo sein, das er sich inzwischen auch dort geleistet hat.

Dr. Konstantinos Farsalinos in einem Interview

Der bekannte Kardiologe und Befürworter der E-Zigarette Konstantinos Farsalinos, seines Zeichens Forscher der Universität Patras, hatte bereits 2015 eine Studie durchgeführt. Die hatte nachgewiesen, dass Formaldehyd in E-Zigaretten nur dann freigesetzt wird, wenn zu wenig Liquid nachfließt. Also bei so genannten Dry Hits oder Dry Puffs. Diese wurde im Fachmagazin Addiction veröffentlicht.
Einige Forscher behaupten nun, der Artikel sei zu früh und ohne Peer-to-Peer Review, also ohne Diskussion und Kontrolle durch andere Wissenschaftler, veröffentlicht worden. Was bereits unrichtig ist.
Glantz griff auch das wieder auf, weil die Arbeit seinen eigenen Arbeiten widersprechen würde. Weshalb er das öffentlich kritisierte und keine Arbeiten mehr bei der Zeitschrift einreicht.

Glanz ist auch einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der Verkauf von Liquids mit Aromen in San Francisco verboten ist. Denn, so seine Logik, wenn es keine Aromen dort gibt, dampften auch weniger Menschen. Also rauchen auch weniger und es werden keine Jugendlichen verführt.

Eine ganze Liste von Fehlverhalten

Seit vergangenen Mittwoch steht Glantz nun also vor Gericht. Er muss sich verantworten, weil er mehrere Frauen sexuell anzüglich und in mindestens einem Fall „im rassistischen Zusammenhang“ unangebracht behandelt haben soll.
Die afroamerikanische Mitarbeiterin und selber Doktorin hat Glantz wegen einer ganzen Liste von dokumentierten Fehlverhalten verklagt.

Unter anderem soll er eine Orgie in einem Film explizit beschrieben und die Mitarbeiterin dabei dazu gebracht haben, ihn zu Demonstrationszwecken zu umarmen. Und neben vielen unnötigen sexuell anzüglichen Vergleichen und Anspielungen soll er sich verschiedentlich abfällig über ihre Hautfarbe geäußert haben. Zudem hatte er eingeräumt, eine Kollegin nur wegen ihrer indianischen Herkunft eingestellt zu haben.

Auf dem Höhepunkt von metoo

Gerade Europäer blicken auf diese Art der Rassismusvorwürfe in den USA skeptisch und mit Befremden. Doch vor allem der Zusammenhang mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigungen macht die Sache pikant. Noch dazu, wo diese Vorwürfe von mehreren Mitarbeiterinnen gestützt werden.

Silence Breakers von metoo: Eine Bewegung ist Person des Jahres

In der gerade laufenden Debatte dürfte das sicher seine Wirkung nicht verfehlen.
Gerade erst hat das Time Magazine die #metoo (= me too = auch ich) Bewegung zur Person des Jahres gekürt. In Ihr werden durch eine Grassroot Bewegung Frauen ermuntert, die Stimme gegen Sexuelle Belästigung zu erheben. Ein kultureller Erdrutsch findet derzeit statt, den wir in Europa nur schwer ermessen können.

Ein weiterer, sehr konkreter Vorwurf wiegt jedoch deutlich schwerer.
Nachdem die klagende Mitarbeiterin sich offiziell bei der Universität über das Verhalten von Glantz beschwert hatte, wurde ihr damit gedroht, ihren Namen als Autorin von einer wichtigen Arbeit zu streichen.
Da sie so gezwungen werden sollte, auch weiterhin mit Glantz zusammen zu arbeiten, soll der Direktor des Büros zur Prävention von Belästigung und Diskriminierung ihr zugesagt haben, man werde Glantz dazu bewegen, mit ihr nur per Email zu korrespondieren. Dann würde er „nicht auf ihre Brüste starren“.

Die merkwürdigen Motivationen von Gesundheitsaktivisten

Die häufigen Auseinandersetzungen zwischen Dampfgegnern und Befürwortern haben bisher gezeigt, dass das Interesse der Gesundheitsvertreter oftmals fragwürdig ist.
Dass wissenschaftliche Zahlen und Ergebnisse verwässert und verdreht werden, ist inzwischen an der Tagesordnung. Es kommt sogar zu klaren Falschaussagen und bewussten Lügen, wie das Beispiel von Pötschke-Langer anlässlich der Nikotin Konferenz gezeigt hat. (Link unten)
Denn diese Menschen haben umso weniger Argumente, umso mehr Forschung im Bereich der E-Zigarette betrieben wird.

So hatte dieses Verhalten bereits häufig auch für Laien einen Beigeschmack. Der Verdacht der Käuflichkeit drängt sich ebenso leicht auf, wie der Eindruck, dass es sich bei dem Engagement gegen die Dampfe eben nicht um Gesundheitsinteressen, sondern um persönliche, wirtschaftliche und häufig moralinsaure Motivationen handelt.

Handys machen unfruchtbar

Der Fall Glantz lässt dies nun aber in einem interessanten Licht erscheinen.
Schon zuvor gingen einige Organisation auf spürbaren Abstand. So hatte The Truth Initiative, die seine Professur an der Universität finanziert, ihm offen widersprochen; E-Zigaretten würden nicht zu mehr Rauchern führen. Und die mächtige American Cancer Society kommentierte eine seiner Arbeiten lapidar. „Die Ergebnisse dieser Studie erlauben nicht die weitreichenden Rückschlüsse, die sie daraus zieht.“

Ob das Glantz Kreuzzug stoppen kann bleibt abzuwarten. Inzwischen engagiert er sich auch gegen Zucker. Und hat bereits erklärt, dass Handy Strahlung Krebs und Unfruchtbarkeit verursacht.
Natürlich stellte er klar, dass sowohl die Zucker wie auch die Handy Industrie die gleichen Strategien verwenden wie die Tabakindustrie.


Pötschke-Langer und die Bezahlkommandos: https://www.vapers.guru/2016/02/14/eiskalt-gelogen/

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.