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Giftige Metalle in E-Zigaretten nachgewiesen

Allein es fehlen die Relationen

Am vergangenen Mittwoch wurde eine Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health veröffentlicht. Die sorgfältige Studie konnte nachweisen, dass sich sowohl in den Tanks als auch im Dampf von E-Zigaretten giftige Metalle finden lassen.
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Die Johns Hopkins University ist vielleicht dem ein oder anderen ein Begriff. Aus dem Thriller Das Schweigen der Lämmer.
Die Privatuniversität in Baltimore, Maryland, kann mit Recht als Elite Uni bezeichnet werden. Sie steht regelmäßig unter den 20 besten Universitäten weltweit. Vor allem im medizinischen Bereich hat sich diese altehrwürdige Einrichtung einen Namen gemacht. Sie wurde bereits 1876 gegründet. Inzwischen hat sie Vertretungen in Washington, Nanjing und Bologna.

Ihr angeschlossen ist die Bloomberg School of Public Healt, das Institut für Öffentliche Gesundheit.
In Ihrem Namen wurde eine Studie durchgeführt, welche die Metallkonzentrationen in E-Zigaretten untersuchen sollte.

Sehr sorgfältige Studie

Die Forscher sind dazu tatsächlich sehr sorgfältig vorgegangen. Um exemplarische Proben zu finden, hatten sie zuvor bei Messen und in Vape Shops Dampfer durch Flyer zur Mithilfe aufgerufen. Die Dampfer sollten sich zur Untersuchung mit ihrer E-Zigarette und dem Liquid melden.
Bei den 56 Teilnehmern wurden dann Proben aus ihrem Liquid, dem Liquid in der E-Zigarette und dem Dampf genommen.
Diese Proben wurden auch an das Chemische Institut der Universität Graz in Österreich geschickt.

E-Zigarette
Die Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland

Die Analysen ergaben, dass alle Proben „signifikante“ Mengen an Metallen enthielten. Unter diesen Chrom, Nickel, Mangan, Blei und andere.
Durch eine vorher durchgeführte Befragung konnten die Forscher sehr interessante Rückschlüsse ziehen.

Zum Beispiel, dass die Konzentrationen der giftigen Metalle umso höher waren, je öfter die Coil in der E-Zigarette getauscht wurde. Die Vermutung liegt also nahe, dass die Coils das Metall abgeben. Und dass neue Coils mehr Metall abgeben als alte.

Die übliche Reaktion der Medien

Die Studie „Metal Concentrations in e-Cigarette Liquid and Aerosol Samples: The Contribution of Metallic Coils“ (Metallkonzentrationen in E-Zigaretten Liquids und Aerosol Proben: Die Einbringung von Metall Coils) wurde am 21.02.2018 im Fachjournal Enviromental Health Perspectives veröffentlicht.
Am gleichen Tag wurde ein Artikel auf EurekAlert! veröffentlicht. Dass ist eine Plattform, auf der angemeldete Forscher und Organisationen neue Erkenntnisse veröffentlichen können. Diese Plattform, über die vapers.guru bereits mehrfach berichtet hat, ist eine Quelle für viele Journalisten.
Allerdings ist es kein Fachjournal, die Artikel werden nicht auf wissenschaftliche Standards oder Relevanz geprüft. Es gibt keine Qualitätskontrolle.




Diese Ergebnisse sind zwar noch nicht in den deutschsprachigen Medien angekommen, werden jedoch in der US amerikanischen Medien bereits weitreichend rezipiert. Unter anderem in US Today, CBS und Yahoo News.
Selbst die beliebte Plattform I Fucking Love Science hat das Thema bereits aufgegriffen. Ihr Artikel schließt allerdings mit der Feststellung

„Es muss noch viel geforscht werden, bis die Risiken kristallklar sind. Der derzeitige Konsens besagt, dass E-Zigaretten wahrscheinlich schlecht für die Gesundheit sind. Doch sie sind weit ungefährlicher für Deine Gesundheit als Tabak zu rauchen.“
I Fucking Love Science, 23.02.2018

Ganz offensichtlich geht die Bewertung dieser doch so eindeutigen Ergebnisse der sorgfältigen Analyse in den Medien weit auseinander.

Was die Forscher in der Studie gemacht haben, war sehr einfach. Sie haben untersucht, wie viele und welche Metalle in welcher Dosierung in den Proben von E-Zigaretten enthalten sind.
Das erlaubt aber noch gar keine Aussage über eine Schädlichkeit.

Proben und Analyse sind nicht alles

Um eine Schädlichkeit oder ein Risiko einschätzen zu können, benötigt man eine Relation. Einen zweiten Wert. Beispielsweise benötigt man eine Grenze, ab welcher Dosierung ein Stoff für den Menschen tatsächlich schädlich wird.
An dieser Stelle ist den so gewissenhaften Forschern der Eliteuni offenbar ihre wissenschaftliche Sorgfalt etwas abhandengekommen. Ob aus Ignoranz, Hilflosigkeit oder um eine gewünschte Überschrift finden zu können.
Denn sie haben die Konzentrationen der Metalle einfach mit Atemluft gleichgesetzt.

„Zum Vergleich mit Aerosol Standards und gesundheitlichen Höchstmengen wurde angenommen, dass das gesammelte Aerosol gleichwertig mit dem Tageskonsum ist, und die Metallkonzentrationen den Tagesgebrauch repräsentieren.“
Metal Concentrations in e-Cigarette Liquid and Aerosol Samples: The Contribution of Metallic Coils; Olmedo et al., 21.02.2018

Vereinfacht gesagt hat man diese Metallkonzentrationen, die man durch einen Zug zu sich nehmen würde, einfach umgelegt. Und vorausgesetzt, dass dies der Atemluft entspricht. Um so ein Risiko bewerten zu können.
Noch einfacher gesagt: Man hat den Dampf der E-Zigarette mit frischer Meeresluft verglichen.

Keine Reaktionen von Dampfbefürwortern

Die Studie war den bekannten Dampfverfechtern offenbar nicht einmal eine Stellungnahme wert.
Lediglich der Kardiologe Dr. Farsalinos veröffentlichte dazu einen kurzen Kommentar auf seinem Facebook Profil:

„Die „signifikante Menge“ von Metallen, welche die Autoren berichten gefunden zu haben, wurden in µg/kg gemessen. Tatsächlich sind sie in einigen Fällen (Chrom und Blei) so gering, dass ich errechnet habe, dass man mehr als 100ml pro Tag dampfen muss, um die tägliche Höchstmenge für inahaltive Medikation der FDA selber zu überschreiten.
Die Autoren haben wieder einmal sich selbst und alle anderen verwirrt, indem sie Höchstmengen für die Umwelt, die für jeden einzelnen Atemzug errechnet sind, auf das Dampfen angewendet haben. Doch Menschen atmen mehr als 17.000 mal am Tag ein, aber ziehen nur 400 – 600 Mal an einer E-Zigarette.“
Dr. Konstaninos Farsalinos, 24.02.2018

Zusammenfassen kann man festhalten, dass die Forscher in Baltimore durchaus gewissenhaft die Samples gezogen und das Design gestaltet haben. Methodisch wie aus dem Lehrbuch.
Dabei haben sie Metalle gefunden. Sogar in Liquids direkt aus den Flaschen. Sie stellen aber kein tatsächliches Risiko für den Menschen in ihrer Arbeit dar.

Alternativlosigkeit oder medienwirksames Ergebnis

Der Kommentar von Dr. Konstantinos Farsalinos auf Facebook, 24.02.2018

Nicht nur, dass diese Konzentrationen bei einigen Metallen unter den Funden in Tabak liegen. Nicht nur, dass durch diese Arbeit nicht gezeigt wird, wie viel dieser Metalle ein Dampfer tatsächlich aufnimmt. Es gibt überhaupt keinen Anhaltspunkt, ob dadurch eine Schädlichkeit durch das Dampfen vorliegt. Oder überhaupt möglich ist. Denn der Mensch nimmt ja ständig Metalle auf, auch giftige.
Die Forscher konnten auch nicht nachweisen, wie die Metalle in das Liquid oder in den Dampf gelangen. Immerhin fanden sich auch Metalle im Liquid aus der Flasche.

Ob aus Alternativlosigkeit oder um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, wurden die gefundenen Ergebnisse dann interpretiert. Was für die Arbeit selber gar nicht nötig gewesen wäre.
Dass sich dort irgendwie Metalle werden finden lassen, war einigermaßen vorhersehbar. Um dem aber nun irgendeine Aussagekraft bezüglich eines eventuellen Risikos zu verleihen, benötigte man einen Maßstab. Also hat man dafür den Maßstab der Höchstmenge der Metalle in der Atemluft genommen. Also den Wert, den ein Mensch nach Möglichkeit nicht dauerhaft einatmen sollte. Und selbst dort ist noch nicht gesagt, dass dies zu einer Erkrankung führt.

Ein sehr einfacher Vergleich

Viele Journalisten und Entscheidungsträger machen sich nicht die Mühe, die Werte zu hinterfragen.
Das sollten sie jedoch lieber tun. Denn die gefundenen Mengen stehen ganz offen in der Studie.

Alle gemessenen Metalle liegen unter der Höchstmengen der deutschen Trinkwasserverordnung.
Im Falle von Blei beispielsweise um das etwa 50 fache.

Viel sauberer dürfte es wohl nicht mehr werden.


Veröffentlichte Studie im Original: https://ehp.niehs.nih.gov/ehp2175/
Veröffentlichung auf EurekAlert!: https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-02/jhub-sla022118.php
Artikel I Fucking Love Science: http://www.iflscience.com/health-and-medicine/toxic-heavy-metals-found-in-e-cigarette-vapor/
Artikel zum Hintergrund FDA und Forschung: https://www.vapers.guru/2018/02/20/moralischer-gegendampf-in-den-usa/

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Vollzeit-Guru, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.
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