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E-Zigaretten Hersteller lenken ein

FDA setzt die Pistole auf die Brust

Die amerikanische Regulierungsbehörde FDA hat die fünf größten Hersteller von Pod basierten E-Zigaretten aufgefordert einen Maßnahmenplan vorzulegen, wie sie den Konsum durch Jugendliche unterbinden wollen.
Diese haben nun reagiert. Und lenken ein.
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Bereits Mitte September verschärfte sich die Auseinandersetzung um die E-Zigarette auf dem weltweit größten Markt dramatisch.
Der Chef der amerikanischen Food and Drug Administration Scott Gottlieb gab in einem Interview mit dem öffentlichen Nachrichtensender PBS bekannt die Behörde prüfe ein Verbot von Aromen.

Für weites Aufsehen in den Medien sorgte seine Aussage, es gebe inzwischen eine Epidemie unter Jugendlichen. Dies würden aktuelle Zahlen zeigen, die der FDA nun vorliegen.
Die Nutzung von E-Zigaretten habe im Vergangenen Jahr unter Jugendlichen um 75% zugenommen ist die aktuellste Begründung.
Vorgelegt wurden diese Zahlen indes bis heute nicht.

So spielte die große Behörde dann auch ihre Macht gänzlich aus.
Sie forderte die fünf größten Hersteller von Pod Systemen am amerikanischen Markt auf darzulegen, wie sie demnächst den Verkauf an Jugendliche zu unterbinden gedenke.

Auch in den USA ist die Abgabe von E-Zigaretten an Jugendliche verboten.
Das mag daher eine politisch gemeinte Forderung sein Verantwortung zu übernehmen. Doch sie stellt de facto eine Umkehr der Verantwortung dar.
Man stelle sich einmal vor, die FDA würde Budweiser auffordern einen Plan vorzulegen, wie die Brauerei verhindern will, dass Jugendliche ihr Bier trinken. Oder den Backpulver Hersteller Arm & Hammer, wie er gedenkt zu verhindern, dass mit seinem Natron Crack gekocht wird.

„Was wir nun haben ist Zugang zu Daten die uns zeigen, dass es nichts weniger als eine Epidemie der Nutzung unter Teenagern gibt.“
Dr. Scott Gottlieb, PBS Newshour, 12.09.2018

Die Big Five

Juul
Scott Gottlieb im Interview mit PBS Mitte September.

Aufgefordert wurde allen voran Juul Labs, die Hersteller der Juul aus San Francisco. Darüber hinaus wurde auch die in Deutschland bekannte blu adressiert. Hergestellt von Fontem Ventures, das wiederum zum Tabak Konzern Imperial Brands gehört.

Ebenfalls in Deutschland bekannt ist das in UK erfolgreichere Branding Vuse von R.J. Reynolds Vapor Company, die wiederum British American Tobacco gehört.
Und zu der Liste gehören Logic von Japan Tobacco und Mark Ten von Altria, dem Mutterkonzern von Philip Morris.

Neben tausenden Nachrichten, die an Einzelhändler gegangen sind, wurde den Herstellern dieser Produkte drei Monate Zeit gegeben sich zu positionieren.

Altria reagiert am Schnellsten

Am 25. Oktober gab Altria bekannt, dass es seine Pod Systeme der Marke MarkTen vom Markt nehmen würde und bestimmte Aromen nicht mehr verkaufen würde.
Doch in einer Stellungnahme auf der Seite von Altria steht das Unternehmen weiterhin zu Aromen und will auch wieder welche verkaufen, dann mit Genehmigung der FDA.

In einem Brief an die FDA signalisierte Altria den Willen zur Zusammenarbeit.

„Auch wenn wir nicht glauben, dass wir ein akutes Problem mit der Verfügbarkeit oder Nutzung unserer Pod basierten Produkte durch Jugendliche haben, möchten wir sicherstellen nicht zu diesem Problem beizutragen.“
Howard A. Willard, CEO Altria, Brief an die FDA, 25.10.2018

Allerding halte er die E-Zigarette weiterhin für eine wichtige Alternative für Erwachsene, die mit dem Rauchen aufhören wollen. „Die aktuelle Situation des Konsums von Vape Produkten durch Jugendliche hat das Potential diese Möglichkeit zu unterminieren“, sagte Willard weiter.

Dieser Schritt ist als ein klares strategisches Vorgehen zu bewerten.
Altria hält nur wenige Prozent des Marktes und die E-Zigarette dürfte nur wenige Prozente des Umsatzes ausmachen.
Zu Altria gehört auch Philip Morris USA, die Distributor u.a. für Marlboro in den Staaten sind.

Fontem zieht nach

Als nächstes reagierte Fontem Ventures, Hersteller der blu.

In einem gestern veröffentlichten telefonischen Gespräch mit dem Sender CNBC sagte der CEO Richard Hill, es werde auch weiterhin alle Geschmacksrichtungen für die blu geben.
Doch man werde für die Online Wiederverkäufer eine Altersüberprüfung zur Bedingung machen.

Imperial Brands, Mutterkonzern von Fontem Ventures, hält nach den Zahlen von 2017 nur 4% des Marktes für E-Zigaretten.
Da die Absatzwege offenbar eh schon eingeschränkt sind, hat man wohl auch wenig Handhabe der FDA weiter entgegen zu kommen.

„Wir glauben nicht, dass unsere Produkte für Kinder attraktiv sind, aber für Erwachsene. Gerade jetzt sitze ich hier und während wir sprechen dampfe ich Blaubeere.“
Richard Hill, CEO Fontem Ventures, Interview mit CNBC, 13.11.2018

Der Marktführer überrascht

Mit Spannung wurde die Reaktion von Juul Labs erwartet.
Auch sie kam heute Nacht europäischer Zeit.

Da die Juul das einzige Produkt der Juul Labs ist, sind diese auch anfälliger für den Druck, den Altria mit seiner Reaktion aufgebaut hatte.
Juul kann noch schlechter als Fontem Ventures ein ganzes Produkt vom Markt nehmen. Denn das wäre das Ende des Unternehmens, dass nach nur drei Jahren inzwischen geschätzte 16 Milliarden Dollar wert ist.




Juul soll es weiterhin an den üblichen Verkaufsstellen geben. Dazu gehören 90.000 bundesweite „convenience stores“, unter anderem Exxon Tankstellen, 7-Eleven und Walmart.
Doch dort wird es nur noch die zwei Tabak Aromen sowie Minze und Menthol offen zum Verkauf geben.

Die Aromen Mango, Creme, Cucumber und Fruit werden nur noch über die Internetseite des Unternehmens erhältlich sein.
Da wird es eine aufwändige Altersüberprüfung geben, ähnlich wie in Deutschland bereits üblich.

Die Empörung ist groß

Sehr schnell machte sich allgemeine Empörung unter den Dampfern auf den Social Media Kanälen breit. Denn die Service verwöhnten Amerikaner sind es nicht gewöhnt ihre Pods online bestellen zu müssen.

Hinzu kommt, dass Juul das Mindestalter freiwillig auf 21 setzt. Was deshalb problematisch ist, weil rauchen in vielen Bundesstaaten ab 18 legal ist.

Bemerkenswert ist auch eine Aussage, die in der Bekanntgabe auf der Homepage von Juul veröffentlicht wurde. Dort heißt es, man vertreibe Geschmäcker wie Mango, Cucumber und andere „als effektive Mittel um erwachsene Raucher beim Umstieg von verbrennbaren Zigaretten zu helfen.“ Doch man verkaufe keine Geschmäcker wie Gummibärchen oder Zuckerwatte, da diese ganz klar auf Kinder abzielen würden.

Juul bedankt sich bei Gottlieb

Die größte Empörung rief jedoch die 52 Sekunden lange Nachricht des CEO Kevin Burns hervor, die Juul auf ihrer Seite und auf YouTube veröffentlichte.
Die Kommentare sind dort vorsorglich deaktiviert.

Juul Labs
Kevin Burns, CEO von Juul Labs, in seiner kurzen Stellungnahme per Video.

„Unsere Mission bei Juul Labs ist das Leben von einer Milliarde Rauchern weltweit zu verbessern und Zigaretten zu eliminieren.
Während der Arbeit an dieser Mission hat sich ein unbeabsichtigtes, ernsthaftes Problem ergeben: Der Konsum unserer Produkte durch Minderjährige.
Unsere Absicht war nie dass Jugendliche die Juul nutzen, doch sie tun es.
Als Marktführer müssen wir die Sparte in der Verminderung des Konsums durch Minderjährige anführen. Heute verkünden wir einen Maßnahmenkatalog genau das zu tun.
Um unsere Mission erwachsenen Rauchern zu helfen erfolgreich zu erfüllen, benötigen wir Vertrauen. Und wir müssen Vertrauen verdienen. Das beginnt mit Handeln, nicht mit Worten.
Wir danken Comissioner Gottlieb für seine Führung in diesem Bereich und wir freuen uns mit der FDA zusammenzuarbeiten, um dieses Problem auf einer industrieweiten Basis zu lösen.
Der Konsum durch Minderjährige ist ein ernsthaftes Problem und wir sind verpflichtet es zu lösen.“
Kevin Burns, CEO Juul Labs, 13.11.2018

„Eine Generation von Nikotin Abhängigen“

In einem Interview mit der Washington Post sagte Gottlieb erneut, es gäbe eine Epidemie unter Jugendlichen. Sogar eine ganze Generation von Nikotin Abhängigen.

Doch er unterstrich deutlich, dass so genannte offene Systeme (wie sie vor allem in Europa einen großen Teil des Marktes ausmachen) kein Problem darstellen würden.

Nach der Veröffentlichung durch Juul Labs setzte er einen Tweet ab.

„Wir sind tief besorgt über die Epidemie des Konsums von E-Zigaretten durch Jugendliche. Freiwillige Aktionen sind kein Ersatz für regulatorische Schritte, welche die FDA bald einleiten wird. Aber wir möchten auf die Maßnahmen von Juul aufmerksam machen und drängen alle Hersteller Schritte umzusetzen um diesen Trend umzukehren.
Dr. Scott Gottlieb, Commissioner FDA, Twitter, 13.11.2018

Juul
FDA Commissioner Gottlieb kurz nach der Veröffentlichung durch Juul auf Twitter

Natürlich wurden sofort Mutmaßungen laut, es habe Absprachen zwischen Gottlieb und den Herstellern gegeben.
Zwar kann die FDA den Verkauf solcher Produkte unterbinden. Doch es wäre sehr schwierig zu definieren, welche Produkte das genau sein sollen.
Ebenso wäre es für die FDA unmöglich zu bestimmen, an welchen Verkaufsstellen ein zugelassenes Produkt vertrieben werden darf. Und so wurden schon Stimmen der Wiederverkäufer laut. Auch Supermarktketten wie Walmart sind Milliardenkonzerne.

Eine Sorge bleibt trotz der Beteuerungen Gottliebs bei vielen Vape Aktivisten in den USA.
Die Zulassungsverfahren für E-Zigaretten sind bisher lediglich bis zum Jahr 2020 bzw. 2022 aufgeschoben. Nach derzeitigem Stand würde keine E-Zigarette am Markt diese Zulassung erhalten.
Werden die geschlossenen Systeme nun durch eine Regulierung gestärkt und fallen so weite Teile des Marktes an die großen Konzerne, könnten die Zulassungsverfahren gleichsam durch die Hintertür das Ende für die offenen Systeme bedeuten.

Auch diese Überlegung könnte die Unternehmen zu einem solchen Einlenken gebracht haben.
Bisher hat kein Unternehmen die angeblichen und bisher nicht veröffentlichten Zahlen der FDA hinterfragt.

Die Zahlen des Center for Desease Control, die durch die FDA selber veröffentlicht werden, zeigen sehr deutlich:
In dem Maße wie Jugendliche seit sieben Jahren zur E-Zigarette greifen, sind die Zahlen des Tabak Konsums zurückgegangen.


Veröffentlichung von Juul: https://newsroom.juul.com/juul-labs-action-plan/
Bericht der New York Times: https://www.nytimes.com/2018/11/13/health/juul-ecigarettes-vaping-teenagers.html
Erster umfassender Bericht zum Markt: https://www.vapers.guru/2018/10/18/umfassender-wirtschaftsbericht-zur-e-zigarette/
Dampfer Lobby trifft sich in Berlin: https://www.vapers.guru/2018/11/09/die-deutsche-dampfer-lobby-trifft-sich/

Epidemie unter Jugendlichen: USA prüft Verbot von Aromen

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Vollzeit-Guru, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.
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