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Dampfer, wir müssen reden

Alle wohlstandsverblödet?

Ich habe mir ein Bier aufgemacht.
Es werden sicher noch mehr. Und ich stehe dazu.

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Ich möchte Euch einmal mitnehmen auf eine kurze, sehr persönliche, deprimierende aber wenigstens beängstigende Reise.
Ihr werdet mich verstehen. Es könnte unangenehm werden.
Absatz.

Als ich eher aus einer Schappsidee heraus mit VAPERS.GURU angefangen habe, drohte die TPD am Horizont. Die Tabakproduktrichtlinie der EU.
Mir fiel auf, dass es kaum verlässliche, geschweige denn professionelle Informationen zur E-Zigarette gab.

Ok, es gab einiges. Von Obi und Phil, vom Dampfmacher und anderen YouTubern. Aber es gab so gut wie nichts zur Politik und Wissenschaft. Und Professionelles gibt es bis heute kaum.

Damals wurde Stimmung gemacht gegen die TPD. Es wurde vom Verbot der E-Zigarette erzählt und von der Käuflichkeit von Politikern, vom Mut zur Wut und von Ende einer Wirtschaft.
Die ersten Entwürfe zur TPD tauchten auf und jeder Hinz und Kunz interpretierte öffentlich irgendetwas hinein. Die Erregungsbereitschaft war mindestens so groß wie die Untergangsszenarien. Uninformierte Meinungen und die Abwesenheit von jeglichem politischem und juristischem Sachverstand wurden wie ein Schild der Auszeichnung vor sich hergetragen.

Mir ging das alles fürchterlich auf den Sack.
Irgendwelche Behauptungen, die im Rausch der Stillen Post immer weiter aufgebauscht wurden.
Tatsächlich wurde ich auch ständig angefeindet. Weil ich nicht bereit war, in eine Stampede miteinzustimmen. Weil ich kritisiert habe, dass einige auf der Suche nach Anerkennung und Klicks die Untergangspropheten einer Wagner Oper gegeben haben. Hofiert von Menschen, die mindestens so uninformiert waren, wie die Protagonisten und Content Creator selber.

War doch alles halb so wild

Frei nach Marius Müller-Westernhagen: Jetzt sitz ich hier, bin etabliert, und schreib auf teurem Papier.
Ich hatte Recht. Und ich sage nicht gerne, dass ich Recht hatte. Weil ich meistens Recht habe. Weil ich bei Zweifel lieber gleich die Fresse halte.
Es kam nicht so schlimm, wie die Propheten damals prophezeit haben.

Ok, ein paar Unannehmlichkeiten. Die Sechs-Monats-Frist ist vom für’n Arsch, da gibt es nix. Und dass es keine Base mit Nikotin mehr gibt. Elendige Müllberge.
Aber sonst?

Mehr als eine Unannehmlichkeit ist sicher das, was der Markt danach ausgespuckt hat. Shake & Vape, jede Woche dutzende neuer Geschmacksrichtungen. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, die Fluktuation dürfte bei einer Hafennutte kaum niedriger sein.
Und alles musste natürlich bunter werden. Denn was schneller wird, muss auch greller werden.
Comic Figuren, trendige Namen, stylische Schriftzüge (Wir hippen und wir hoppen, wir räppen wie die Deppen.)
Ey, Bro, hasse mal E-Shisha?

Und was haben wir heute?
Etwa drei Millionen Nutzer und deutlich weniger reine Dampfer, die sich eingerichtet haben. Und eine Blase, die sich selber einredet eine Community zu sein.
Die oberflächliche Aufregung ist der Lethargie gewichen. Der erste physikalischer Satz der sozialen Bewegungsökonomie lautet: Der ruhende Körper neigt zum Fernsehen.

Ein paar Eiserne, die auf Social Media versuchen Geld zu verdienen oder stoisch seriös Geräte besprechen. Und ganz viele, die es mal versuchen.
Content Creator, die als Berufswunsch Influencer angeben, einen YouTube Kanal unterhalten und über irgendwelche neuen Produkte der unteren Mittelklasse berichten. Barbies, die sich geschenkte Shake & Vape ins Dekolleté setzen und es auf Instagram posten. Und eine Blase, die auf Flaschen schimpft und möglichst niedrigpreisige Aromen bewirbt, als wenn es die kaum noch geben würde. Hartz IV TV für Dampfer.

Öh… Mitbekommen?

Im vergangenen Jahr wurden Dokumente der WHO geleakt, die ein Verbot der E-Zigarette gefordert haben. Oder ersatzweise eine Regulation der E-Zigarette wie der Tabakzigarette.
Ich selber habe darüber berichtet. Und da wurde mir schon klar: Die meisten kapieren nicht, was da gerade abgeht.

Beispielsweise forderte die WHO einen Steueranteil von 75 Prozent des Verkaufspreises. (Link unten) Was einige dann, bildungsfern jeglichen kaufmännischen Rechnens, mal einfach umgedeutet haben. Weil nicht verstanden wurde, dass das locker eine Verdopplung aller Preise bedeuten würde.
Warnhinweise auf Verpackungen, Akkuträger nur bis 25 Watt, Verbot des Online Handels… geschenkt.
Die meisten haben auch noch nie von der Framework Convention der WHO gehört, die nicht nur alle Mitgliedsstaaten der EU, sondern auch die EU selber unterschrieben haben.

Inzwischen wurde auch eine Verschärfung des Werbeverbots in Deutschland beschlossen.
Klar, ist ärgerlich. Aber kann man ja mit leben. Was schert es mich als Dampfer schon, ob die Unternehmen werben dürfen?
Die Auswirkungen dürften den wenigstens bewusst sein. Nicht einmal allen Vape Shop Betreibern. Zumindest bis die Online Blase im Januar platzt und die ersten Abmahnungen flattern.

Viel spannender ist aber, dass die Bundesregierung einfach mal nikotinfreie Liquids den nikotinhaltigen gleichgesetzt hat. In einem Aufwisch, nicht besprochen und kaum beachtet.

Der Bundesrat hat in der vergangenen Woche das Gesetz nicht nur abgesegnet. Er hat noch strengere Regulierungen gefordert. Also nochmal einen drauf gesetzt.
Die Regulierungen zum Werbeverbot sind dabei vergleichsweise unerheblich. Viel spannender ist, dass er wiederum in seiner Begründung behauptet, die Bundesregierung hätte im Gesetzentwurf behauptet, dass E-Zigaretten mindestens genauso schädlich sind wie Tabakzigaretten.
Falls mal jemand fragen sollte, wo sich das Argument eingeschlichen hat: Spätestens da.
Das wird uns wiederbegegnen, so sicher wie Cannabis kein Brokkohli ist.

Ich könnte noch lange so weiter machen.
Äußerungen der Drogenbeauftragten, Initiativen zum Aromenverbot in einigen Mitgliedsstaaten, das Pochen auf Jugendschutz ohne jeglichen wissenschaftlichen Nachweis…
Sollen wir noch über den Finanzausschuss und die Besteuerung sprechen?

Und heute ist nun der SCHEER Report erschienen. (Link untern) Beauftragt von der EU Kommission. Der ohne jeglichen Nachweis in das Horn der WHO stößt.

Was passieren könnte

Ich habe etwas gegen Untergangspropheten und Clickbaits. Massiv und allergisch.
Aber ich mache jetzt das, was ich eigentlich verabscheue. Ermutigt durch (inzwischen) Cuba Libre.

Ich werde jetzt einmal aussprechen, was in nächster Zeit passieren könnte. Unjournalistisch, unpolitisch, unwissenschaftlich und gemutmaßt. Konjunktiv.

Ich hasse das. Aber ich habe das Gefühl, anders erreicht man die meisten nicht. Weil viele nicht verstehen was es heißt, wenn ich schreibe, dass der Bundesrat eine Drucksache mit der Begründung eines Gesetzentwurfes begründet.
Das ist ok und verständlich. Ehrlich. Geht mir ja bei Dieselverbot oder chinesisch-amerikanischen Handelsbeschränkungen nicht anders.
Mir fehlen aber andere Mittel um wachzurütteln.
Es ist schon bedenklich, wenn alle irgendwelche englischen Songs geil finden, und die wenigsten verstehen, was überhaupt gesungen wird. Unter meinem Regenschirm, Ella.

  • In der kommenden TPD könnten Aromen verboten werden.
    Das betrifft mindestens nikotinhaltige Liquids.
  • Durch die Gleichschaltung von nikotinhaltigen und nikotinfreien Aromen könnten jegliche Shake & Vape oder Vape Aromen in Deutschland leicht verboten werden. Dadurch würden locker 90 Prozent der Branche sterben.
  • E-Zigaretten könnten so besteuert werden wie Tabakzigaretten. Ein Verdampfer, der heut 39,- Euro kostet, würde dann etwa 70,- Euro kosten.
  • Die Auswirkungen auf die Social Media Unternehmen kann dazu führen, dass demnächst alles was nach E-Zigarette aussieht, automatisiert gelöscht wird.
  • Das Werbeverbot für nikotinfreie Liquids kann dazu führen, dass kein Shop mehr irgendetwas außerhalb seiner eigenen Homepage anbieten kann. Es bedeutet aber auch, dass Produkthinweise, beispielsweise in Facebook Gruppen, komplett wegfallen. Ob diejenigen dafür Geld bekommen oder nicht.
  • Die Einschränkungen des kommenden Medienstaatsvertrages können dazu führen, dass Dampfer keine E-Zigaretten oder Liquids mehr erklären dürfen, wenn sie das nicht als professionelle Reviewer betreiben.
  • Das Werbeverbot wird dazu führen, dass Vape-Influencer Kanäle auf Instagram keine Produkte mehr posten dürfen.
  • Werbeeinschränkungen gelten für alle Veröffentlichungen, also auch rückwirkend. Vape Shops, Influencer und DampfTuber werden womöglich viel Content ihrer Plattformen löschen müssen. Im Dezember werden sehr viele sehr viel mit Löschen beschäftigt sein.
  • Gemäß Forderung der WHO könnten Akkuträger auf eine höchstzulässige Abgabe gedrosselt werden. Die Forderung liegt bei 25 Watt.
  • Gemäß der Bitte des Bundesrates dürfen Unternehmen nicht mehr öffentlich darauf hinweisen, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind. Selbst wenn die Wissenschaft etwas anderes sagt.


Es geht um mehr als den eigenen Arsch zu covern

Ich bin langjähriger Dampfer. Ich muss mir keine Sorgen machen. Ich werde immer Mittel und Wege finden um irgendetwas zu inhalieren. Ich glaub, ich hab noch Ommas Tauchsieder irgendwo.
Ich bin auch in der luxuriösen Situation teure Geräte zu besitzen, die ich bei Pflege auch in einigen Jahrzehnten noch nutzen kann.

Aber genau darum geht es eben nicht.
Derzeit sterben jedes Jahr 120.000 Menschen alleine in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Und die Märchen des Rückgangs der Raucher sind genau das: Märchen.
„Buhu, unsere geile Präventionsarbeit“… Lasst Euch nix erzählen. (Rückgang seit 2015: 0,1%, weniger als demografische Wandel. Also eigentlich Zuwachs. Danke Boomer, danke Kohl.)
Horrende Zuwächse in Asien, die vermehren sich wie die Karnikel. Tabak ist die Lizenz zum Gelddrucken.

Schlecht informierte Politiker, moralinsaure Sittenwächter und vor allem die gewinnorientierte Gesundheits- und Pharmalobby sind bereit, die Chance auf eine deutlich weniger schädliche Alternative zu verspielen. Verzockt und zerrieben in den Interessen von Menschen, denen der Gewinn und politische Abwägungen wichtiger sind, als die Gesundheit von Millionen Rauchern. Und Politikern und konservativer Apologeten, die bei den Einflüsterungen nicht merken, wer da flüstert.

Wie können wir schlafen, während unsere Betten brennen?

Mal ganz ehrlich, wir sind ja unter uns… Wie kann ich denn immer noch “Influencer” ernst nehmen, die sich für ein Liquid oder einen Verdampfer vor eine Kamera setzen und das ignorieren? Wie kann man das von mir erwarten?
Wie soll ich Menschen einschätzen, die etwas von Vape-Lifestyle faseln um ein paar Klicks zu bekommen. Wie soll ich eine Handvoll Vögel einschätzen, die pubertierend eine Vape Gang gründen und sich Rocker-Kutten machen lassen? Verloren in ihrer kleinen Welt des Imponiergehabes.

Und jede Woche bekomme ich Anfragen von Gewerblichen. Die nicht einmal kapiert haben, was definitiv kommt. Geschweige denn, was kommen könnte.

Wie können wir tanzen, während unsere Welt sich dreht?
Wie können wir schlafen, während unsere Betten brennen?

Mitternachtsöl

Der Slogan war damals „Mut zur Wut“.
Ach, wenn es doch so einfach wäre. Wut kann jeder. Wut ist leicht.
Wie wäre es denn erstmal damit, zur Kenntnis zu nehmen? Zu verstehen? Sich wirklich damit auseinanderzusetzen?

Noch nie war die E-Zigarette einem solchen Angriff ausgesetzt. Noch nie war die Tobacco Harm Reduction so bedroht.
Dagegen war die TPD2 ein Furz im Orkan. Aber kaum jemand scheint es zur Kenntnis zu nehmen.

Jetzt ist die Zeit.

Warschau: Raise, Raise, Aufstehn.

Hallo da draußen?
Hört mich jemand?


beschluss des Bundesrates: https://www.vapers.guru/2020/09/18/bundesrat-will-gleichstellung-von-tabak-und-e-zigaretten/
Geleakte Dokumente der WHO: https://www.vapers.guru/2019/09/26/geleakte-dokumente-angriff-der-who-auf-die-e-zigarette/

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.