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Corona? Ach, halt‘s Maul!

Wie Medien Glaubwürdigkeit verzocken und Covidioten unterstützen

Wir messen jeder Information eine Wertigkeit bei, in wie weit wir selber betroffen sind. Und das findet auf unbewusster, emotionaler Ebene statt.

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Wenn eine Autobombe auf einem Markt in Afghanistan 40 Menschen in den Tod reißt, fasst uns das weniger an, als wenn im Görlitzer Park nachts zwei Menschen erstochen werden. Selbst wenn wir nie nach Berlin fahren, nie im Görlitzer Park waren und uns eher selten nach Einbruch der Dunkelheit an Drogenumschlagplätzen herumtreiben.

Diese Bewertung ist also unlogisch, unwissenschaftlich, unempirisch, schwachsinnig… So wie der Mensch nun einmal ist. Er redet sich nur ein, logisch zu sein. Diese Partypappkrone der Schöpfung.

Diese Erkenntnis übertragen wir jetzt bitte einmal auf die Corona Pandemie.
Wir werden den ganzen Tag beballert mit Meldungen zu Corona. Was macht das wohl mit uns?

Es geht um Prophylaxe

Ich mache jetzt etwas bewusst sehr Gefährliches. Ich gucke mir mal die Relationen an.
Gefährlich deshalb, weil es Wasser auf die Mühlen der Covidioten ist. Aber das muss man aushalten können.

Im Jahr 2018 starben in Deutschland 954.874 Menschen. An Corona starben seit Ende Januar, dem ersten Fall von Corona, 9.626 Menschen.
Das bedeutet, in den letzten neun Monaten sind so viele Menschen an Corona gestorben, wie 2018 an nicht einmal vier Tagen.

In der Statistik beschreibt die so genannte Übersterblichkeit (Exess Mortality), ob signifikant mehr Menschen sterben.
Also wenn beispielsweise eine Grippewelle umgeht und in einem Monat plötzlich 20.000 Menschen mehr sterben, geht man davon aus, dass die an der Grippe gestorben sind. Tatsächlich weiß man es aber gar nicht, man schätzt es.

Die Sterberate aufgrund von Corona ist so gering, dass es aber nicht einmal eine messbare Übersterblichkeit gibt.
Es geht also nicht akut um Menschenleben, sondern um Prophylaxe. Doch was die Medien daraus machen, ist ganz etwas anderes.

Skala der medialen Eskalation

Kommen wir noch einmal auf die emotionalen Bemessung von Informationen zurück. Und setzen das einmal in ein Verhältnis zu Medienmeldungen.

Man könnte eine Meldung einfach auf der Homepage veröffentlichen. Das wäre ziemlich unaufgeregt. Größere Meldungen werden auf Social Media geteilt. Das sind schon die Top Schlagzeilen. Denn die Medien wissen natürlich, dass Beiträge deutlich häufiger gelesen werden, wenn sie auf Facebook, Instagram und Twitter geteasert werden. Meldungen auf Social Media werden ja jedem auf sein Handy geliefert. Meldungen im Fernsehen oder auf der Homepage muss man sich aktiv abholen. Und das ist ziemlich 1990er.

Das Ganze kann man aber noch weiter auf die Spitze treiben. Indem man beispielsweise nicht einfach einen Link zum Beitrag auf Facebook einstellt. Sondern ein Teaserbild erstellt und den eigentlichen Beitrag dann im Teasertext oder in den Kommentaren verlinkt. Das ist quasi die Königsdisziplin, mehr Schlagzeile geht nicht.

Ganz ähnlich funktioniert das mit Videos. Man kann sie verlinken, oder gleich auf der Social Media Plattform einstellen. Das führt zu einer deutlich prominenteren Ausspielung, da die Plattformen Video als Medium der Zukunft erkannt haben und bevorzugen.

Es funktioniert genau wie bei Printmedien. Was im Schundblatt auf der Titelseite steht, wird gelesen. Nach dem obligatorischen Tittenbildchen fällt die Aufmerksamkeit bereits deutlich ab. Es ist kein Zufall, dass Sport immer in der Mitte steht, dahinter kommt nur noch journalistischer Schrott. Oder Feuilleton, was die meisten Leser nicht mal aussprechen können.

Ein Social Media Redakteur weiß das. Und er hat verschiedene Möglichkeiten, genau solche Mittel einzusetzen.
Das machen auch die Öffentlich-rechtlichen, die eigentlich nicht von Reichweite finanziell abhängig sind. Zumindest nicht so wie Spiegel Online, Fokus und Bild.

Ein Stakkato der Bedrohung

Ich habe mir einfach mal angeschaut, was gestern von großen Medien auf Facebook zu Corona gepostet wurde. Es war atemberaubend.

Entschluss des Beherbergungsverbotes. Kommentar zum Beherbergungsverbot. Zahlreiche Politiker fordern Rücknahme des Beherbergungsverbotes. Live Übertragung der Pressekonferenz zur Corona-Lage. Pressekonferenz der Expertenkommission zu Ischgl live aus Innsbruck. Die Bundesjugendministerin nimmt die Jugend wegen der ansteigenden Coronazahlen in Schutz. Drängen auf Vereinheitlichung der Corona Maßnahmen in den Bundesländern. Aktuelles Corona Update. Söder äußert sich zu Maskenpflicht. Corona Maßnahmen in England, Kommentar zu Corona, Sicherheitsfirmen überwachen Corona, Corona Ampel in Berlin, Corona Hotspots… Und Regierungssprecher Seibert sieht Deutschland am Beginn der zweiten Welle. Und zwischendurch wurde noch Corona erwähnt.

Alleine auf der Facebook Seite der Tagesschau behandelten 11 von 19 Postings das Thema Corona.
Auf der Homepage sieht das ganz und gar nicht so aus. Und in der Hauptsendung um 20:00 Uhr nahmen lediglich drei von 15 Minuten das Thema Corona ein.



Wichtig!!! Irrelevante Information!

Exemplarisch greife ich ein Posting der Tagesschau, die ich sehr schätze, heraus.

Gestern Abend gegen 19:30 Uhr postet die Tagesschau zur besten Sendezeit das Bild einer Frau mit Maske und Sonnenbrille im Halbdunkel, die ihr Handy in der Hand hält. Beschriftet war das ganze mit „Bis zu 28 Tage können Corona Viren auf Oberflächen überleben“.
Überschrieben war das ganze mit „Das Coronavirus ist einer neuen Studie zufolge bei Raumtemperatur deutlich robuster als bislang angenommen.“

Tagesschau Posting auf Fcaebook

Im Kommentar stand dann zu lesen, dass das Virus auf „Handydisplays, Bankautomaten, Geldscheinen oder Glas länger als Grippeviren“ überleben könne. Aber warum nicht auf Regenrinnen, Rentierschlitten und Kamelsatteln? Warum wurden Beispiele ausgewählt, die jeder von uns täglich antatscht?

Noch kurioser war dann aber der Hinweis, dass der wissenschaftlich durchaus sinnvolle Versuch im Dunkeln durchgeführt wurde. Weil das SARS-CoV-2 Virus extrem lichtempfindlich ist.
Dieses Forschungsergebnis ist also in der Praxis höchstens für Eskimos im Polarwinter relevant.
Mehr noch, im letzten Satz weist die Tagesschau sogar darauf hin, dass laut BfR bisher kein einziger Fall einer Schmierinfektion nachgewiesen ist. Also der Übertragung über Oberflächen.
Prof. Dr. Streeck hatte in seiner medial vermarkteten Cluster-Studie bereits im Mai gezeigt, dass sich in einem ganzen Haushalt voll Infizierter kein einziger Virus auf einer Oberfläche fand.

Man kann darüber diskutieren, ob die Grenze des Seriösen damit nicht überschritten ist. Mehr Clickbait geht kaum.
Wie gesagt, das ist nur ein Beispiel. Es finden sich einige solcher Meldungen, nur am gestrigen Tag.
So auch die Meldung über einen neuen Schnelltest. Der aber nur als vorab Publikation in einem wissenschaftlichen Journal erschienen ist und der bisher lediglich an fünft Personen getestet wurde.

Eigentlich hatte keine, absolut gar keine, der gestrigen Meldungen irgendeine Auswirkung auf die Bedrohung der Menschen.
Am ehesten das Beherbergungsverbot, dass einige Geschäftsreisende ebenso in die Bredouille bringen könnte wie einige Verwirrte, die in nächster Zeit meinen dringend in Deutschland Urlaub machen zu müssen.

Und morgen wird es wieder hunderte Meldungen geben, obwohl sich effektiv absolut nichts geändert hat.

Massenüberforderung

Als ich gestern zu meiner Ärztin musste, standen zwei ältere Herren vor der geschlossenen Praxistür und glotzten durch die Glasscheibe nach innen. Erst als der erste der Herren sehr umständlich mit dem Handknöchel die Türe aufdrückte und eintrat, konnte ich sehen, dass dort gar keine Schlange war. Sondern er vor der Türe darauf gewartet hat, bis die Dame am Empfang ihn hereinwinkte.
Beim Bäcker in einer Mall standen zwei Rentnerinnen an, etwa jeweils fünf Meter zum Vordermann. Sodass ich erstmal fragen musste, ob sie dort anstehen.

Die Menschen sind mit den einfachsten Maßnahmen völlig überfordert. Und zwar in alle Richtungen. Das beginnt bei der Schlange an der Kasse und endet dabei, dass das Schnodderlätzchen gefälligst auch über die Nase gehört.

Gut, 1,5 Meter sollte schon jeder Erwachsene abschätzen können. Zugegeben.
Aber während sich die einen in Desinfektionsmitteln duschen, muss man die Berliner Party People aktiv davon abhalten, sich gegenseitig die Koksreste aus dem Gesicht zu lecken.
Kann man den Menschen verdenken, dass sie so gar keine Relation zur Gefahreneinschätzung haben?

Denn Tatsache ist, dass sie ständig mit widersprüchlichen Informationen gefüttert werden. Und zwar in einer Schlagzahl und Intensität, die dem tatsächlichen Risiko in keinster Weise angemessen ist.
Man kann Menschen nicht dauerhaft in Alarmstimmung halten. Es ist schlicht unmöglich.

Die Verantwortung der Medien

Und deshalb war auch das oben beschriebene Posting für die derzeitige Situation symptomatisch. Denn die Reaktionen sprachen für sich.
Von fast 1300 Kommentaren gab die deutlich überwiegende Mehrheit zu verstehen, dass sie sich schlicht verarscht fühlt.
Wie ich finde zu recht. Nicht durch den Inhalt, sondern die Form.

Doch als nächster Schritt passierte dann das, was die tatsächliche Gefahr ausmacht.
Nicht nur dass Viren, Keime und Bakterien durcheinandergeworfen wurden, der Hinweis in den Kommentaren nicht gelesen wurde und der Sinn der ganzen Studie nicht verstanden wurde… Die Covidioten kaperten die Kommentarspalte.

Die Glaubwürdigkeit der Medien zu hinterfragen war noch das harmloseste. Die schönste Stilblüte war für mich persönlich das Konstrukt des Zusammenhangs zwischen gesteuerter, medialer Panikmache und der Abschaffung des Bargeldes.
Aus Sicht eines Psychologen wunderschön. So wie Orthopäden einen sauberen Bruch wunderschön finden.

Wenn demnächst mal wieder einige zehntausend Verwirrter in Berlin barfuß gegen die Corona-Regulierungen anmeditieren bis die Chakren brummen, während ein paar Rechtsradikale die Reichsflagge schwenken und Rechtspopulisten eine neue Verfassung beschließen wollen, dann sehe ich die Ursachen nach wie vor bei den Menschen selber.
Und Impfgegner haben eh die Kontrolle verloren, die sind nicht mehr abholbar.

Aber die Medien können sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen.
Ihnen wird es zu weiten Teilen zu verdanken sein, wenn die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung mehr und mehr schwindet.

Und das wird passieren. Die Frage wird nur sein, ob die Menschen keinen Bock mehr auf Masken haben werden, „Freiheit“ schreien und dafür ein paar Tote in Kauf nehmen, oder ob Rechtsradikale noch ein paar Politiker umbringen und Bomben zünden.


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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.