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Dampf-Umfrage in UK: Deutlicher geht kaum

Klare Zahlen aus Großbritannien

Weitgehend unbeachtet blieb in der deutschsprachigen Öffentlichkeit die Veröffentlichung der Umfrageergebnisse von „ash“ in der vergangenen Woche.

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Bereits 1967 wurde eine Vereinigung namens „Action on Smoking and Health“ in den USA gegründet.
Als das weltweit hoch angesehene Royal College of Physicians, eine vor über 500 Jahren gegründete Ärztekammer in London, der britischen Regierung 1971 folgenlos Regulierungen des Tabaks vorschlug, gründete das Kollegium kurzerhand selber eine Organisation namens ash.
Diese britische Version hat die US-amerikanische in Wirkmacht und Renommee inzwischen weit überholt.

Derzeit gehören Vertreter von Cancer Research UK und der British Heart Foundation zum zwölfköpfigen Vorstand, ebenso wie viele hochrangige Wissenschaftler.
Schirmherr ist Prince Richard, Duke of Gloucester, Enkel von König George V – der auch Großvater der heutigen Königin war.

Die gemeinnützige Organisation führt eine jährliche Befragung zum Tabakkonsum in Großbritannien durch.
Bereits seit 2010 wurden Fragen zur E-Zigarette aufgenommen, seit 2012 wurden auch gezielt Dampfer adressiert.

In diesem Jahr haben über 12.800 Konsumenten an der Erhebung teilgenommen.

Nur 0,3% vorher Nichtraucher

Die wichtigste Erkenntnis der aktuellen Zahlen dürfte die Tatsache sein, dass lediglich 0,3 Prozent der Konsumenten von E-Zigaretten vorher Nichtraucher waren.
Damit fiel dieser Anteil zum Vorjahr noch einmal um mehr als die Hälfte von 0,8 Prozent.

Der Anteil unter den ausschließlichen Dampfern beläuft sich zwar auf 2,9 Prozent. Die Differenz erklärt sich jedoch dadurch, dass viele dieser 0,3 Prozent vorherigen Nichtraucher auch mit dem Rauchen konventioneller Tabakzigaretten begonnen haben.

Zwar sind nur knappe 60 Prozent ausschließliche Dampfer. Doch der Anteil der so genannten Dual User, die sowohl E- wie auch konventionelle Tabakzigaretten nutzen, ist weiter auf nun 38,3 Prozent gefallen.

Der Anteil der Raucher, die nie eine E-Zigarette ausprobiert haben, ist ebenfalls weiter gefallen und liegt inzwischen bei nur noch 32 Prozent.

Argumente durch Zahlen widerlegt

Diese Zahlen widerlegen sehr deutlich die so genannte Gateway Hypothese und die Befürchtung der Politik, durch die E-Zigarette könnten Nichtraucher zum Dampfen oder gar Rauchen verleitet werden.

Auch das Strohmann Argument der angeblich propagierten Harmlosigkeit dürfte widerlegt sein: Nur ein Prozent der Konsumenten hielten die E-Zigarette für „harmlos“.

Allerdings zeigte die sensationsheischende Berichterstattung der Medien auch in UK ihre Wirkung.
Über 60 Prozent aller Raucher halten die E-Zigarette für mindestens genauso schädlich wie die Tabakzigarette. Was von den Wissenschaftlern deutlich als falsch bezeichnet wird.

Diese falsche Einschätzung ist zum Vorjahr sogar um fast zehn Prozent gestiegen. Der Grund dafür dürfte in der Berichterstattung zur EVALI „Epidemie“ in den USA liegen:
Dealer hatten illegale Kartuschen mit THC mit Vitamin-E-Acetat gestreckt, was bei Inhalation zu einer Lipidpneumonie führen kann.

An dem Konsum sind 68 Menschen verstorben und 2807 mussten stationär behandelt werden.
Außerhalb der USA wurde lediglich ein Fall in Kanada gemeldet, in Europa kein einziger.
Und nachdem eine Verhaftungswelle durch die betroffenen Bundesstaaten gerollt ist, werden auch in den USA keine neuen Fälle mehr gemeldet.

Obwohl die Ursache von den US-amerikanischen Behörden schnell gefunden war, wurde auch hierzulande weiterhin von „Tote durch E-Zigarette“ getitelt.
Die Erhebung durch ash wurde im Februar und März durchgeführt, kurz nach der EVALI Welle. Man kann also durchaus einen direkten Bezug zwischen Berichterstattung und der Wirkung der Desinformation sehen.



Verzerrende Einschätzungen

Die beliebtesten Produkte sind weiterhin Vype von British American Tobacco (20%) und die My yBlu von Reemtsma bzw. Imperial Brands (17%).

Doch das Ergebnis könnte ebenfalls zu Fehlinterpretationen führen. Da viele Politiker und Wissenschaftler diese Ergebnisse als Nachweis heranziehen, dass die Systeme der Tabakkonzerne einen großen Marktanteil einnehmen.
Doch der Markt ist schlicht so groß, dass die vielen hunderte Produkte von unabhängigen Herstellern nicht auf eine derartige Verbreitung kommen. Der Markt ist zu differenziert.

Tatsächlich gaben aber 77 Prozent der Nutzer an, so genannte Tank Systeme zu bevorzugen. Und diese werden mit einer Ausnahme nicht von Tabakkonzernen auf den Markt gebracht.
Nur 19 Prozent der Konsumenten gaben an, so genannte Pod Systeme zu nutzen. Und selbst diese werden nicht ausschließlich von Tabakkonzernen hergestellt.
Die meisten Dampfer nutzen mehr als ein Gerät.

Nur 24 Prozent der Konsumenten gaben an, zwischen 13 und 20 mg/ml Nikotin zu konsumieren. Also mit der oberen Hälfte der legalen Zulässigkeit. Alle anderen lagen darunter und nutzten damit weit weniger Nikotin, als konventionelle Tabakzigaretten abgeben.
Sieben Prozent gaben an, die Nikotinstärke nicht zu kennen und weiter zwei Prozent mehr als 20 mg/ml zu nutzen. Wobei es sich also um die Nutzer von Pod Systeme und Selbstmischer handeln dürfte.

Ein weiterer Baustein

Diese Zahlen dürften ein weiterer Baustein sein, um der Politik die Auswirkung und den Konsum von E-Zigaretten in der Realität eindrücklich zu vermitteln.

Während in der deutschen Politik und der Europäischen Union weiter über strengere Regulierungen und Jugendschutz diskutiert wird, wird die E-Zigarette in Großbritannien längst als Mittel der Harm Reduction erkannt. Und sogar offiziell von Behörden- und Regierungsseite Rauchern als Ausstieg empfohlen.

Es ist nicht nur nachgewiesen, dass die E-Zigarette zum Ausstieg fast doppelt so erfolgreich ist, wie Nikotinersatztherapien und Psychotherapie.

Großbritannien konnte seinen Anteil an Rauchern in der Bevölkerung inzwischen auf 15 Prozent reduzieren. Im Vergleich dazu liegt Deutschland bei etwa 26 Prozent. Ohne signifikante Veränderungen durch Präventionsmaßnahmen.

Großbritannien hat inzwischen die niedrigste Raucherquote, seit diese Zahlen erhoben werden.


Veröffentlichung im Original (PDF, Guru Server): https://www.vapers.guru/wp-content/uploads/2020/10/ashsurvey2020.pdf

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.