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Abmahnungen: Eine Blase platzt

Zusammenhänge eines gemachten Skandals

Ferhat „Dampfdidas“ San hat eine Abmahnung erhalten. Nun glaubt er einen Skandal aufgedeckt zu haben und veröffentlicht ein YouTube Video dazu. Der übliche Sturm im Wasserglas.
Daraufhin veröffentliche ich einen sehr freundlichen, offenen Brief an ihn. Und schon geht das gehate auch in meine Richtung.

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Es ist langweilig. Weshalb ich mich dazu eigentlich gar nicht mehr äußern wollte.
Und ich habe wirklich darüber nachgedacht, wie man mal einen Faktencheck machen könnte. Vor allem zu den Behauptungen, die nun wiederum über mich öffentlich geäußert wurden.
Aber es bringt ja eh nichts. Vor allem deshalb, weil die Rezipienten von diesem Unfug sicher keine seitenlangen Artikel lesen.

Andererseits fühle ich mich aber verpflichtet, die wenigen interessierten Leser darüber zu informieren, was da gerade wieder für eine Erregungshysterie losgetreten wird. Weil ich gemerkt habe, dass Viele Verschwörungstheorien kolportieren, die andere wiederum aufgreifen.

Ich würde gerne zur Versachlichung beitragen.
Deshalb erkläre ich mal, was abläuft. Vielleicht kann ich den wenigen ruhigen und erwachsenen Lesern, die lange Artikel bevorzugen, eine Perspektive jenseits der verschwörungsphilosophischen Social-Media-Welt anbieten.

Die gehypte Blase

Spätestens mit der Einführung des Tabakerzeugnisgesetzes und der Beschränkung nikotinhaltiger Flüssigkeiten auf 10 Milliliter hat in Deutschland eine Marktentwicklung eingesetzt. Die es so in anderen Ländern in dieser Ausprägung nicht gegeben hat. Und auch hierzulande nur in einer Blase.

Bestimmte Produkte wurden in Deutschland gepusht und gehyped. Jede Woche kamen neue Aromen auf den Markt, die möglichst hip und trendy beworben wurden. Ebenso neue E-Zigaretten.
Dabei hat sich bei den Produkten selber gar nichts getan. Es hat eigentlich keine großen Neuentwicklungen gegeben.
Das ist der Grund, warum viele Dampfer nach ihrem Umstieg irgendwann das Interesse an diesen immer neuen Produkten verloren haben. Sie haben was sie brauchen, und fertig.

Ein Marketing-Grundsatz ist: Gibt es für irgendwas keinen Bedarf, muss ein Bedarf geweckt werden. Das ist die hohe Kunst der Werbung, PR und Absatzwirtschaft.

Kein Mensch braucht das zwanzigste Waschmittel, das angeblich noch sauberer wäscht. Also erfindet man Megaperls und weißer als Weiß. Aus irgendeinem Grund gibt es abgepackte Bananen und geschälte Kartoffeln in Dosen.

Niemand braucht das nächste Erdbeer-Aroma. Irgendwann kann es nicht mehr noch erdbeeriger schmecken. Also macht man seine Marke bekannt, gibt sich ein Image, sucht andere Verkaufsargumente. Größer, satter, lecker, süßer. Jetzt mit einer Spielfigur in jeder Packung.

Schneller, schneller und noch schneller

Das Problem daran ist kleinteiliger. Denn wenn ein kurzlebiges Produkt gehypt wird, was mache ich als kleiner Einzelhändler?
Ich muss mir immer den neusten, heißen Scheiß ins Regal stellen. Weil sonst die konsumgeilen Dampfer in meinen Laden kommen, ich es nicht anbieten kann, und sie woanders hingehen.
Das bedeutet, dass ich als Besitzer eines Vape Shops meinen Kunden gar nicht mehr anbieten kann, was ich wirklich gut finde. Sondern ich laufe nur noch Trends hinterher. Und wenn der Hype nach kurzer Zeit abgeebbt ist, habe ich den Mist noch im Regal stehen. Während schon der nächste Hype gemacht wird.

Das bedeutet wiederum, dass vor allem zwei Arten von Unternehmen Interesse an solchen gehypten Modeerscheinungen haben.

Das sind einmal die chinesischen Hersteller, die bei den Großhändlern gelistet werden wollen. Um einen Mode künstlich zu generieren, während sie schon am nächsten Produkt arbeiten.
So extrem, dass sie bereits Produkte bewerben, die wegen der Meldefrist von sechs Monaten noch gar nicht verkauft werden dürften. Was Einzelhändler wiederum zusätzlich unter Druck setzt, weil es genug Händler gibt, die sich nicht daran halten.

Und das sind die meist inländischen Hersteller von Aromen und Liquids, in Form der so genannten Short- und Long-Fills. Die vermeintlich neue Geschmacksrichtungen kredenzen und sich möglichst an bekannte Namen hängen. So wie das in anderen Branchen auch üblich ist. Liquids von Bushido sind die Air Jordans für Randexistenzen.

Man spricht auch von einer hohen Fluktuation.

Die kalkulierte Beeinflussbarkeit des Dampfers

Dampf-YouTuber sind aus Sicht der Hersteller genau dafür da.
Sie vermitteln über Social Media und durch Interaktion den Konsumenten, zu einer Community zu gehören. Nichts, wirklich nichts, ist im Marketing besser als das. Es ist die professionalisierte Form der Mund-zu-Mund-Werbung, die beste Werbung überhaupt.
Es sind Influencer, die vergleichsweise wenig Geld dafür bekommen, einen Bedarf zu wecken, wo eigentlich kein Bedarf ist. Den Leuten etwas schmackhaft zu machen, was sie eigentlich gar nicht brauchen.

Und im Zuge der Marktentwicklung haben einige YouTuber das als Geschäftsmodell erkannt.
Menschen wie Thomas „Steamshots“ Frohnert, Angelo „Tony Vapes“ Natter oder Ferhat „Dampfdidas“ San haben mindestens weite Teile ihres Lebensunterhaltes damit verdient, Produkte vorzustellen. Und sie haben damit ausreichend Geld verdient, gut zu leben. Oder sich ein Haus zu kaufen und es auf Instagram zu posten.

Aber aus der Geldmaschine ist noch mehr herauszuholen. Indem man Geld dadurch macht, dass man diesen Influencern eine eigene Produktlinie anbietet. Wovon die Influencer selber aber wenig zu sehen bekommen.
Branchenüblich ist es entweder, dass sie selber als Hersteller auftreten und es dem eigentlichen Abfüller abkaufen. Oder dass sie einen geringen Anteil erhalten, nach meinen Informationen irgendwas im unteren zweistelligen Prozentbereich.
Es ist nicht viel, aber für den Einzelnen reicht es dann doch noch für ein neues Auto oder ein Haus. Das meiste Geld landet woanders.



Das sind die nüchternen Fakten, wie ein Teil dieser Branche funktioniert. Und jeder innerhalb der Branche weiß das.
Und wenn wir uns jetzt einmal anschauen, von wem diese Influencer vor allem Geld bekommen, sind das genau die Unternehmen, die von dieser oben genannten Marktentwicklung profitieren. Hersteller aus China, die gezielt einen Hype schaffen wollen, und die Hersteller dieser mit Lifestyle vermarkteten Liquids.

Diese Unternehmen, die Großen der Branche, versuchen sehr eindeutig, diesen von Influencern getriebenen Markt noch besser auszuschöpfen. Indem sie versuchen, sich neue Produkte von den Herstellern exklusiv zu sichern.
Diese werden dann durch die Influencer angepriesen, ein Hype wird erschaffen, und sie haben sich dann schon einen exklusiven Markt gesichert, weit bevor irgendein Dampfer etwas davon mitbekommt.

Und da sollten einige Konsumenten wirklich erst einmal in Ruhe drüber nachdenken:
Es wird nicht ein Produkt auf den Markt gebracht, und wenn es durch Qualität überzeugt, versucht man es an den Mann oder die Frau zu bringen. Sondern es werden Produkte gesichert, ein Bedarf wird künstlich erzeugt, um dann ein Monopol auf dieses Produkt zu haben, was sonst vielleicht niemanden interessiert hätte. Es wird auf die Beeinflussbarkeit des Konsumenten spekuliert.

Zwei Lager

Der eigentliche Markt wird in Deutschland von sehr wenigen Unternehmen bestimmt. Und die befinden sich im Wirtschaftskrieg.
Das funktioniert nicht mit einer Prügelei hinter der Turnhalle nach der letzten Stunde. Die sprechen miteinander, sind in den gleichen Verbänden, schütteln sich die Hände und lächeln dabei. Und ich spreche übrigens mit allen, nicht nur mit einer Seite.
Wirtschaft ist Krieg mit anderen Mitteln.

Dabei kann man, sehr vereinfacht, zwei Lager unterscheiden.
Das eine Lager sind die kleinen Einzelhändler und großen Firmen wie InnoCigs. Dazu zählen aber auch Liquid Hersteller, die seit Jahr und Tag die gleichen Produkte herausbringen. Das andere Lager sind Unternehmen wie Intrade, Ex-Trade oder auch Culami. Und die Unternehmen, die sich in der Illusion hingeben, viel Geld bedeute auch viel Einfluss. Und deshalb auch vor Kooperationen mit British American Tobacco nicht zurückschrecken.

Der Frontverlauf ist schwammig. Auch wenn er sich immer weiter verhärtet. Viele sind Mitglied in mehreren Verbänden.
Wichtig zu verstehen ist, dass Händler und Hersteller nicht eine uniforme Masse sind, die alle die gleichen Interessen verfolgen. Ebenso wie ihre Interessen sich von denen der Konsumenten unterscheiden.
Ganz grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Händler, die an dieser geschilderten Blase partizipieren, eher zum Lager derer gehören, die auch Influencer benutzen, um künstliche Hypes zu erzeugen.

In seinem „Reaction Video“ auf Instagram sagte Goran Krstic, Chef von Kapka’s Flava, gestern lakonisch in einem Nebensatz „mit InnoCigs arbeitet ja keiner zusammen“.
InnoCigs beliefert alleine in Deutschland über 3000 Unternehmen und arbeitet direkt mit Joyetech und anderen Herstellern zusammen. Man wird kaum einen Vape Shop finden, in dem nicht eine der typischen blauen Schachteln liegt oder der von InnoCigs beliefert wird.

Die Sache mit der Objektivität

Wenn Goran Krstics Wahrnehmung also wirklich so sein sollte, dass „niemand“ mit InnoCigs zusammenarbeitet, dann vielleicht deshalb, weil sie eben nicht zu dem Lager gehören, dass stark auf Hypes und Influencer setzt. Wie beispielsweise Kapka’s Flava selber.

Beispielhaft dafür ist auch ein anderes offenes Geheimnis der Branche. Das mir von mehreren Leuten unabhängig voneinander bestätigt wurde.
Viele dieser Influencer und kleinen Namensgeber für Brandings bekommen die Pistole auf die Brust gesetzt, wenn sie ihre Produkte auch bei anderen Großhändlern anbieten möchten. „Verkaufst Du bei denen, fliegst Du bei uns raus.“

Unter anderem – und ich werde ganz sicher nicht durchgehen was der Chef von Kapka’s Flava noch von sich gegeben hat – waren das auch die Unternehmer, die nach meiner Veröffentlichung zur Sucralose spät abends auf Social Media protestierten, man solle mich aus dem Händlerverband BfTG ausschließen. Ein sehr professionelles Auftreten übrigens.
Da mir meine Integrität aber wichtig ist, ich mir nicht dem Mund verbieten lasse und eh in der Gründung des Konsumentenverbandes BVRA steckte, bin ich ausgetreten. Und ja, ich wollte den Vorstand auch nicht schädigen. Der, wie ich finde, eine sehr gute Arbeit macht und der einzige Händlerverband ohne Tabakkonzerne ist.

Der Chef von Kapka’s Flava hält übrigens erst nicht viel von mir, seitdem ich ihm als Werbepartner gekündigt habe. Vorher fand er mich klasse. Erst seidem regt er sich künstlich darüber auf, weil ich ihn in einem für ihn unliebsamen Facebook Posting mal „Chef von Kapka’s Flava“ genannt habe.
Sowas ist ähnlich ungeschickt wie Dampfdidas’ Video, aber sei’s drum.

Der Motor wird abgewürgt

Dieses Lager der Unternehmen ist es, das nun starke Umsatzeinbußen befürchten muss.

Denn das Tabakerzeugnisgesetz wurde auf Aromen ohne Nikotin ausgeweitet. Und jetzt sind auch noch einige Abmahnungen an Youtuber rausgegangen. Die Kanäle wurden reihenweise dicht gemacht.
Diesem Markt der immer neuen, gehypten Produkte wird der Motor entzogen.
Wenn es keine Influencer mehr gibt, die immer den neusten, heißen Scheiß in die Kamera halten, müssen die Konsumenten tatsächlich wieder in Vape Shops gehen und sich beraten lassen. Und die werden sich nicht mehr jeden neusten, heißen Scheiß ins Regal stellen.

Das wird sicher nicht zur Pleite der Großhändler führen. Aber es bedroht einen Markt, in dem sich viele so wunderbar eingerichtet haben.

Es tut mir leid, viel Text um alleine mal die Ausgangslage zu schildern. Und jetzt kommen wir überhaupt erstmal zu den Abmahnungen und dem angeblichen Skandal.

„Einfach mal selber nachdenken“

Dampfdidas und Tony Vapes wurden also abgemahnt. Vom Verband Sozialer Wettbewerb, einem Interessenverband zur Marktüberwachung in Berlin. Er hat unterstellt, dass die beiden Produkte beworben haben.

Offenbar hat Ferhat „Dampfdidas“ San nun durch den Schriftverkehr des Anwalts erfahren, dass der Händlerverband BfTG Mitglied dieses Verbandes ist. In seinem besagten Video (Link unten) stellt er nun eine Verbindung her und impliziert, das BfTG hätte ihn abgemahnt. Er geht noch einen Schritt weiter: Da der Vorsitzende des BfTG auch einer der Geschäftsführer von InnoCigs ist, könnten die ja dahinterstecken.
Natürlich sagt er das nicht so deutlich, denn dann müsste er womöglich mit der nächsten Klage rechnen. Aber man kann ja mal unverbindlich eine Anfrage von dem Unternehmen zeigen, selbst wenn die Verbindung nicht bewiesen und über zwei Ecken ist.

Einen Schritt weiter geht dann erwähnter Chef von Kapka’s Flava, der in seinem Instagram Filmchen mehrfach dazu auffordert, die Leute sollten die Zusammenhänge sehen und mal anfangen selber nachzudenken.

Bei der Aufforderung selber nachzudenken werde ich immer skeptisch. Denn das ist das Argument, mit dem Verschwörungstheoretiker argumentieren. Sie zeigen vermeintliche Zusammenhänge auf und fordern dann auf, einfach mal selber nachzudenken. Tatsächlich bedeutet das aber nichts anderes, als dass sie es selber nicht belegen können. Denn selber denken macht schon jeder ohne Aufforderung, das ist in der Software so eingerichtet.
Die meisten können durch selber denken gar keine sachlichen Schlüsse ziehen, weil ihnen Informationen fehlen. Das gilt auch für Flüchtlinge, Corona, 9/11 und Kunstrasen. Und Verschwörungsmythen funktionieren dadurch, dass fehlende Fakten durch Glauben und Meinung ersetzt werden.

Der Verband Sozialer Wettbewerb

Aber es zündet ja. Viele der erregungsbereiten Rezipienten von YouTubern fragen, wieso das BfTG überhaupt in einem solchen Verein Mitglied ist. Es riecht nach Skandal.

Der Verband Sozialer Wettbewerb hat 18 andere Verbände als Mitglieder, und zusätzlich 350 Einzelunternehmen. Es gibt also sicher auch Unternehmen, die über ein oder zwei Ecken dort drin sind, und gar nichts davon wissen.
2017 hat der Verband beim Landgericht Berlin 142 Verfahren angestrengt. Nur beim Landgericht, nur in Berlin. Und das sind nur die Verfahren, bei denen es vorher zu keiner Einigung gekommen ist. Sie dürften also tausende Abmahnungen verschickt haben, mehrere täglich.
Und im Jahr danach ging es überhaupt erst richtig los. Mit einer Abmahnwelle gegen Influencer, unter anderem auch semi-prominente Beispiele wie Cathy Hummels.

„Es geht dem Verband darum, auszuloten und zu klären, wann und wie Werbung im Internet zu kennzeichnen ist.“

Ferdinand Selonke, Geschäftsführer Verband Sozialer Wettbewerb, Horizont, 22.07.2018

Es liegt nahe, danach zu fragen, warum das BfTG überhaupt in einem solchen Verein Mitglied ist. Wenn auch noch die Mitglieder beschlossen haben, nicht abzumahnen. Aber es ist sehr einfach.
Wenn ein Politiker das BfTG fragt, was sie gegen jugendaffine Werbung oder Schmuggel und Steuerhinterziehung tun, können die zumindest sagen: „Wir sind Mitglied im VSW“.

Und sie könnten vielleicht, aber nur ganz vielleicht, intervenieren, wenn ein eigenes Mitglied abgemahnt wird. Aber Dampfdidas und Tony Vapes sind nun einmal keine Mitglieder.
Vermutlich interessiert es das politisch orientierte BfTG mit vielen Einzelunternehmern als Mitglieder herzlich wenig, wenn da ein paar YouTuber abgeschossen werden.

Was war jetzt mit Objektivität?

Inzwischen wird das nächste Narrativ etabliert. Abgemahnt wurden zwei Videos, in denen ausgerechnet exklusive Produkte der „Konkurrenz“ abgemahnt wurden.
Das würde aber bedeuten, dass irgendwer tatsächlich so naiv ist zu glauben, dann würden nur diese Videos verschwinden. Es ist völlig egal, welche Videos abgemahnt werden: Geht die Nummer durch, ist der ganze Kanal platt.


EDIT 10.03.2021: Durch einen Social Media Kommentar wurde ich gerade erst darauf aufmerksam, was ich nachlässigerweise nicht geprüft habe. Weil ich es überhaupt nicht für möglich gehalten habe:
Der implizit beschuldigte Großhändler InnoCigs hat selber Dampfdidas Aromen gelistet.
Was nichts anderes bedeutet, als dass unterstellt wird, das Unternehmen habe einen YouTuber über zwei Ecken abmahnen lassen, mit dessen Produkten es selber Geld verdient.


Und natürlich wird wieder gegen meine Person Stimmung gemacht. Teilweise werden klare Aussagen von mir verdreht. Thomas „Steamshots“ Frohnert behauptet öffentlich, die offenen Briefe (wie ich einen an Dampfdidas geschrieben habe) würden irgendwie Einzug bei mir halten. Obwohl der letzte offene Brief fünf Monate her ist und ich seitdem 65 andere Beiträge veröffentlicht habe. Außerdem könne ich ja nicht „objektiv“ sein.
Was bei mir die Frage aufwirft, warum ich nicht objektiv sein kann, bezahlte Influencer und Hersteller aber schon. Und wo ich nicht objektiv bin.

Das spielt der Erschaffung eines Verschwörungsmythos gut in die Karten.
Dass ich immer dafür plädiert habe, dass jeder Reviewer reviewen können soll, ist dafür ebenso wenig hinderlich, wie die Tatsache, dass nicht nur jeder sachliche Nachweis, sondern auch jedes logische Motiv fehlt.

Spannenderweise wurde mir genau diese Argumentation schon vor Wochen mehrfach vorgetragen. Genau von den Leuten, die an Tony Vapes und Dampfdidas Geld verdienen, ihnen jetzt mit einem Anwalt helfen und zu der Fraktion gehören, die durch den Zusammenbruch des Marktes jetzt Nachteile befürchten müssen.
Ich bin nur nicht drauf eingestiegen.

Es wird nicht mehr inhaltlich argumentiert, sondern es wird gegen Personen argumentiert und versucht, einen Narrativ zu erschaffen. Und viele Leute steigen darauf ein.
Genau so funktionieren Verschwörungsmythen. Argumentum ad hominem.
Es wird seit Jahren versucht, das BfTG als InnoCigs- oder Dahlmann-Verein zu diskreditieren und VAPERS.GURU als sein angebliches Sprachrohr gleich mit. Vielleicht haben diese Unternehmen deshalb nie bei mir wegen Werbung angefragt. Aber die halten sich eh lieber bedeckt, kaum ein Konsument kennt sie.

Werbung ist, wenn der Richter es sagt

Ich habe auch keine Lust mehr zu erklären, was nun Werbung ist und was nicht. Ich habe es oft genug versucht. Aber die Leute, die ihren Frust in Kommentarspalten auf YouTube und Instagram hauen, wollen es nicht verstehen oder sind schlicht zu doof.

Wenn aber einer der bekanntesten YouTuber öffentlich erzählt, er bekäme kein Geld für seine Videos, weil sie nicht monetarisiert sind, ist das ein ganz ungeschickter Move. Denn Viele aus der Branche haben Mails von diesen Influencern, wie viel sie für ein Video verlangen.

Werbung ist laut Tabakerzeugnisgesetz kommerzielle Kommunikation, mit dem Ziel oder mit der direkten oder indirekten Wirkung, den Verkauf eines Erzeugnisses zu fördern. (§ 2, 5)
Jetzt kann sich ja auch mal jeder selber überlegen (*zwinka), wie ein Richter das wohl beurteilt, wenn jemand Reviews veröffentlicht und dafür Geld von den Herstellern und Händlern nimmt.

Natürlich ist redaktionelle Arbeit erlaubt. Aber ob ein Richter das als redaktionell sehen würde, wenn jemand ausschließlich Reviews macht und dafür Geld nimmt, ist fraglich.

Dieses Geschäftsmodell ist spätestens seit 2015 mindestens ein juristischer Wackelkandidat. Es hat nur nie jemanden interessiert.
Jetzt ist jemand darauf gekommen, und die Nummer wird jetzt plattgemacht. Und es ist bemitleidenswert naiv, wenn da Leute etwas vom Menschlichen erzählen. Klar, interessiert den Verband Sozialer Wettbewerb bestimmt brennend, wenn ein Influenzer die Raten für sein Auto nicht mehr zahlen kann.

Ich rege mich nicht einmal mehr darüber auf, wenn jetzt Betroffene versuchen um sich zu schlagen. Was mich daran stört ist die Naivität der Dampfer, die genau darauf einsteigen. Die diese Narrative aufgreifen und einen Skandal wittern, wo gar keiner ist. Die gar nicht merken, dass genau sie es wahren, denen von dieser Blase das Geld aus der Tasche gezogen wurde.

Denn das sind die gleichen Dampfer, die durch diesen Markt der durch Influencer gehypten Produkte gezielt getriggert wurden. Und dann Reviewer auf Messen nach Autogrammen fragen und sich emotional persönlich angegriffen fühlen, wenn man ausspricht, dass sie einer Community-Luftblase nachlaufen.

Schicht im Schacht

Ich wünsche jedem, dass er Reviews machen kann, wie er will. Und wenn er dafür Kohle bekommt, ist das für mich völlig in Ordnung.
Man sollte nur ehrlich sein. Und das schließt für mich auch ein, auf Verschwörungsmythen zu verzichten.

Und man sollte doch aufhören so zu tun, als sei diese Dampferblase und dieser Markt „die E-Zigarette“.
Wenn es doch nur darum geht, Raucher vom Rauchen wegzubringen, werden diese Leute auch andere Wege finden, Raucher zu informieren. Und Raucher andere Wege sich zu informieren.

Vielleicht führt das ja sogar wieder zu Videos, die wirklich erklären und Umsteiger anleiten. So, wie es in der guten, alten Zeit war. Aber wie sagte der Chef von Kapka’s Flava? „Da durchmessen und so… wen interessiert denn der Scheiß?“
Und vielleicht führt das ja sogar dazu, dass die Einzelhändler weniger Druck haben, auf jeden Hype aufspringen zu müssen.

Ich bin sehr sicher, diese Woche werden einige Einzelhändler vor ihren Regalen stehen, in die Bücher schauen und sich fragen, ob es sich noch lohnt, Produkte von Dampfdidas anzubieten.

Wenn ich in meine Glaskugel schaue, dann sehe ich ziemlich deutlich. Es wird jetzt sehr schnell gehen, dass dieser Markt nicht mehr funktioniert.
Dafür braucht es aber weder ein BfTG, noch ein InnoCigs, noch ein VAPERS.GURU.

Da platzt eine Blase. Schaden wird das nur denen, die in ihr waren.


Video von Dampfdidas: https://youtu.be/UDxgnP2YvhY

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.