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100 Experten pro E-Zigarette: Offener Brief an die WHO

Scharfe Kritik aus berufenem Munde

Gestern wurde ein offener Brief an die WHO veröffentlicht. Darin wird die Weltgesundheitsorganisation zum Teil hart für ihren Umgang mit E-Zigarette, Tabakerhitzern und anderen Alternativen kritisiert.

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Im Mai 2003 verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation das „Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs“. Der offizielle Name ist „WHO Framework Convention on Tobacco Control“, kurz FCTC.
Damals gab es noch keine E-Zigaretten oder Tabakerhitzer.

Die FCTC schrieb sich die Tobacco Harm Reduction, also die Schadensminimierung, auf die Fahnen. Doch seitdem hat der Wind sich gedreht. Nun, da es überhaupt erst Alternativen zum Rauchen gibt.
Man fordert inzwischen gar ein Verbot der weniger gesundheitsschädlichen Produkte.

Die WHO ist immer abhängiger geworden von privaten Spenden. Diese kommen direkt oder indirekt vor allem aus der Pharmaindustrie. Also der direkten Konkurrenz zu den neuen Alternativen. Höchstens ein Viertel ihres stetig wachsenden Budgets von über vier Milliarden kommt von den Mitgliedsstaaten selber.

Gegenargumente unterdrückt

Vertreter der 168 unterzeichnenden Staaten der FCTC treffen sich regelmäßig zu den so genannten COP (Conference of the Parties), den Mitgliedskonferenzen. Jeweils zu verschiedenen Themen.

Im November soll die COP9 zur FCTC aufgrund von Corona online stattfinden. Also unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Diese Entwicklung hat bereits 2016 begonnen, als zuvor eingeladene und zur COP7 nach Delhi angereiste Journalistinnen und Journalisten kurzerhand ausgesperrt wurden.
Inzwischen bleibt man ganz offiziell lieber unter sich, es herrscht strenges Kamera-Verbot.

Nun ist die WHO noch einen Schritt weiter gegangen. Das Thema alternative Produkte wurde kurzfristig abgesagt und auf das nächste Jahr verschoben.
Das Entscheidende dabei: Dadurch können Außenstehende keine Beiträge als Konsultation mehr einbringen. Die WHO selber stellt den Mitgliedsstaaten aber weiterhin negative Informationen zur Verfügung, die ihre Position stützen.

Nancy Loucas, Executive Coordinator der Asia Pacific Tobacco Harm Reduction Advocates (CAPHRA, etwa: „Befürworter der Schadensminimierung Asien/Pazifik“), kommentierte das Vorgehen „Nun ist deutlich, das war ein komplett vorgeschobener Grund. Um den wachsenden Widerstand gegen die Anti-Dampf-Agenda der WHO klein zu halten.“



100 Experten, 7 Argumente

Gestern haben sich genau 100 Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Praxis zusammengefunden und einen offenen Brief an die Tabakkontrolleure der WHO veröffentlicht. (Link unten)
Zu den Unterzeichnern aus vielen Ländern gehört unter anderem auch Prof. Dr. David Nutt, einer der weltweit am höchsten angesehenen Suchtexperten der Welt und mehrfacher Berater der britischen Regierung.
Auch ehemalige Direktoren der WHO gehören zu den Unterzeichnern.

Aufgeteilt in sieben Abschnitte, wird die WHO teilweise heftig kritisiert.

  1. „Die Tabak-Schadensminimierung bietet erhebliche Möglichkeiten für die öffentliche Gesundheit“
  2. „E-Zigaretten sind Triebkraft für den Rauchstopp“
  3. „Die Tabak-Schadensminimierung kann zu den Nachhaltigen Zielen beitragen“
  4. „Beurteilungen und Erfahrungen großer Behörden unterstützen Tabakerhitzer“
  5. „Entscheidungsträger müssen unbeabsichtigte Konsequenzen politischer Entscheidungen verstehen“
  6. „Setzen sie den Gebrauch von E-Zigaretten bei Jugendlichen in den richtigen Kontext“
  7. „Tabakkontrolle beinhaltet Hilfe für öffentliche Gesundheit durch Schadensminimierung“

Über 40 Quellen

In den genannten Punkten sprechen die Wissenschaftler viele Dinge an, die unter Befürwortern der E-Zigarette und anderer Alternativen lange klar sind.

Beispielsweise weisen die Autoren darauf hin, dass die Nutzung der E-Zigarette in den USA zwar rapide gestiegen sei, die so genannte Nikotinabhängigkeit jedoch nicht. Und es habe einen „außergewöhnlich rapiden“ Rückgang des Rauchens bei Teenagern gegeben. E-Zigaretten würden also höchstens die Tabakzigarette ersetzen.

In einem anderen Beispiel gingen die Expertinnen und Experten auf die US-amerikanische FDA ein. Die habe über zwei Millionen Seiten Daten zu einem Tabakerhitzer eines großen Tabakkonzerns geprüft. [Dabei kann es sich nur um die IQOS von Philip Morris International handeln. Anm. d. Red.] Die Behörde kam zu dem Schluss, die „signifikant niedrigere Menge an Schadstoffen“ sei „geeignet zum Schutz der öffentlichen Gesundheit“.
Der dramatische Rückgang von verkauften Zigaretten in Japan – seit der Einführung 2015 um 40 Prozent – sei „völlig offensichtlich“.

„Die Mitgliedsstaaten sollten nicht dadurch von einem signifikanten Potential für die öffentliche Gesundheit von weniger schädlichen Produkten abgelenkt werden, nur weil Tabakunternehmen sie herstellen.“

Öffentlicher Brief an die WHO FCTC, 18.10.2021

Sie griffen die WHO auch sehr deutlich dafür an, dass sie Verbote von E-Zigaretten unterstützt. Als Beispiel wurde der indische Gesundheitsminister Dr. Harsh Vardhan genannt, der für sein Verbot der E-Zigarette von der WHO ausgezeichnet wurde. Dadurch würden nun 100 Millionen Raucher in Indien weiter rauchen.
Politiker müssten sich wahrscheinliche oder einleuchtende Folgen solcher Verbote in der „realen Welt“ durch den Kopf gehen lassen.

Die „Empfehlungen“

Die Expertinnen und Experten gaben einige Empfehlungen, die aber eher an Aufforderungen erinnern.

  • Machen sie die Tabak-Schadensminimierung zu einem Bestandteil der globalen Strategie.
  • Bestehen sie darauf, dass jede Analyse der WHO auch den Nutzen für Raucher, mögliche Raucher und Jugendliche exakt bewertet.
  • Verlangen sie von politischen Plänen, vor allem Verbote, dass sie das Risiko unbeabsichtigter Folgen berücksichtigen, einschließlich des möglichen Anstiegs des Rauchens.
  • Wenden sie Artikel 5.3 der FCTC ordnungsgemäß an, um das echte Fehlverhalten der Tabakindustrie zu bekämpfen. Aber nicht um eine kontraproduktive Hürde für risikoärmere Produkte zu schaffen oder um eine Prüfung von Daten der Industrie ausschließlich nach den wissenschaftlichen Werten zu verhindern.
  • Öffnen sie die Verhandlungen der FCTC für Interessensvertreter der Schadensminimierung, eingeschlossen Konsumenten, Experten für öffentliche Gesundheit und unternehmen mit entscheidendem Fachwissen.
  • Bringen sie eine unabhängige Prüfung des Ansatzes der WHO und des FCTC in Gang. Solche Prüfungen könnten die Interpretation und Nutzung von Wissenschaft beinhalten, den Wert von politischen Beratungen, den Dialog mit Interessensvertretern und Haftung und Kontrolle bedeuten.

„Vieles der Rhetorik der WHO framed Tabak-Schadensminimierung als eine Strategie der Industrie um die Tabakkontrolle zu unterwandern. Doch das ignoriert die weite Befürwortung der Experten der Tabak-Schadensminimierung als Teil der öffentlichen Gesundheit und Tabakkontrolle; und die Erfahrung von Millionen Rauchern, die erfolgreich umgestiegen sind. Und damit besser fahren: körperlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich.“

Öffentlicher Brief an die WHO FCTC, 18.10.2021

Brief mit Quellen und Unterzeichnern (Guru server, PDF): https://www.vapers.guru/wp-content/uploads/2021/10/OpenLetter.pdf

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.