Anti-Dampf-Kampagne zum Weltnichtrauchertag

Die Täuschung der Öffentlichkeit

Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Und wie in jedem Jahr, so werden auch aktuell Artikel gegen die E-Zigarette verbreitet. Was bei uninformierten Lesern den Eindruck erweckt, es seien durch Forschung neue Ergebnisse nachgewiesen worden. Dahinter steht jedoch etwas ganz anderes.

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Den jährlichen Nichtrauchertag nutzen die Gegner der Tobacco Harm Reduction zuverlässig, um Stimmung gegen die E-Zigarette zu machen. Auffällig ist es in diesem Jahr durch die Breite, in der Beiträge in den Medien dazu zu finden sind.

Einige Veröffentlichungen in österreichischen Medien greifen die Kernaussage auf, die E-Zigarette sei nicht zum Ausstieg aus dem Tabakrauchen geeignet. Obwohl auch jüngste Ergebnisse aus Großbritannien zeigen, dass die E-Zigarette beim Ausstieg doppelt so erfolgreich wie herkömmliche Nikotinersatztherapien (NRT, Sprays, Pflaster, etc.) ist.
Erwähnt wird in dem Zusammenhang auch der österreichischen Verbandes der Pneumologen.

Wie zu erwarten eine Agenturmeldung

Die Veröffentlichungen in Deutschland greifen diese Aussage zwar auf, beziehen sich aber meist auf eine konkrete Warnung. Die Beiträge beginnen fast ausnahmslos mit dem Satz „Forscher der TU Chemnitz haben vor schädlichen Folgen von E-Zigaretten etwa bei Jugendlichen gewarnt.“
Die Beiträge sind offenbar nie mit dem Namen eines Redakteurs versehen. Es ist also davon auszugehen, dass hier eine Agenturmeldung vorliegt.

Auch das Leitmedium Die Zeit hat einen solchen Beitrag veröffentlicht. Und dort findet sich die Quelle. Denn die Zeit veröffentlicht dazu den Satz:

„ZEIT ONLINE hat diese Meldung redaktionell nicht bearbeitet. Sie wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen.“

Fachleute warnen vor negativen Folgen von E-Zigaretten, Zeit Online, 27.05.2022

Darunter steht auch die korrekte Quellenangabe: © dpa-infocom, dpa:220527-99-450375/2

Offenbar noch eine weitere Quelle

Die berichtenden Medien haben also nicht selber recherchiert. Noch haben „die Forscher“ eine neue Entdeckung gemacht. Sondern lediglich eine Agenturmeldung der Deutschen Presseagentur übernommen. (mdr, ntv, Tag24, Krone Zeitung, Südkurier, Main Post, t-online, etc.)

Die Meldung wurde von den jeweiligen Medien gekauft (üblicherweise über ein „Abo“), eventuell redaktionell etwas verändert, umgestellt, mit einer Schlagzeile versehen und veröffentlicht.

So findet sich in einigen, aber nicht allen, Veröffentlichungen die Aussage, der Dampf aus E-Zigaretten enthalte „jedoch ein Aerosol mit entzündungsfördernden, gefäßschädigenden und krebsfördernden Eigenschaften“.

Diese Aussage wird von den Medien weder geprüft, noch in eine Relation zu Tabakrauch gesetzt.
Denn alle ausführlicheren Studien zeigen, dass die E-Zigarette exponentiell weniger Schadstoffe als Tabakzigaretten abgibt.
Die britische Gesundheitsbehörde Public Health England geht von einer mindestens 95 Prozent geringeren Schädlichkeit aus.



Die Pressemitteilung

Forscht man etwas weiter nach, stößt man schnell auf die Quelle der Aussagen.

Die Technische Universität Chemnitz hat am 27.05.2022 eine Pressemitteilung veröffentlicht.
Anlässlich des Weltnichtrauchertages bietet die TU neue Kurse in der Rauchentwöhnung an. Und teilt mit, dass sie Ihr Team um den „Suchtforscher und Psychologen Dr. Sören Kuitunen-Paul“ erweitert wurde.

In zwei von drei großen Absätzen wird über die Rauchentwöhnung und Kursangebote der TU Chemnitz gesprochen. So basieren die Kurse auf den S3 Leitlinien, die von Dr. Stephan Mühlig, einem Professor der Universität, mit erarbeitet wurden. Neben solchen bekannten Dampf-Gegnern wie Anil Batra, Martina Pötschke-Lange und anderen.
Bei deren Aktualisierung soll es laut Gerüchten zu internen Auseinandersetzungen bezüglich der Empfehlungen zur E-Zigarette gekommen sein.

Nur im letzten Absatz der Pressemitteilung geht es um die E-Zigarette. Dort findet sich auch der Satz mit den „entzündungsfördernden, gefäßschädigenden und krebsfördernden Eigenschaften“ wieder. Zugeschrieben wird er Franziska Loth, einer Kursleiterin in der Rauchambulanz.

Erwähnt wird ebenfalls ein aktuelles Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), welcher die finanzielle Nähe zur Pharma-Industrie mehrfach nachgewiesen wurde. Und die inzwischen der wirkmächtigste Gegner der Tobacco Harm Reduction in Deutschland ist.

Wirtschaftliches Interesse

Kurz vor der Bundestagswahl wurde durch die scheidende Regierung noch eilig ein Gesetz durchgedrückt, welches eine Übernahme einer Rauchentwöhnung durch die gesetzlichen Krankenkassen vorsieht.
Die TU Chemnitz sieht hier offensichtlich einen vielversprechenden Markt und vergrößert ihr Team in der Rauchambulanz, in der solche Kurse angeboten werden.

Da in diesem Jahr bereits mehrfach Medienbeiträge veröffentlicht wurden, dass die E-Zigarette nicht zum Ausstieg auch dem Zigarettenrauchen geeignet sei, wird diese These aufgegriffen. Hinter diesen Meldungen stand häufig die Gesellschaft der Pneumologen.

Also verfasst man eine Pressemitteilung, in der diese Rauchentwöhnungskurse erklärt werden. Sie enthält keine Hinweise zu neuen Erkenntnissen, Studien oder weiteren Details. Dafür sind die Kontaktdaten genannt und die S3 Richtlinien sowie das Positionspapier der Pneumologen sind verlinkt.

Diese Meldung findet ihren Weg zur Deutschen Presseagentur. Vielleicht wurde sie durchgestochen, es ist durchaus üblich an der Stelle zum Telefon zu greifen. Die TU Chemnitz unterhält eine „Pressestelle und Crossmedia-Redaktion“.

Die Medien greifen diese Meldung auf und veröffentlichen sie ohne weitere Recherche oder Prüfung.
Einige übernehmen sogar die Kontaktdaten der Rauchambulanz Chemnitz. So wird auch ein eventuelles Werbeverbot für Ärzte umgangen.

Die implizite Täuschung

Die Öffentlichkeit wird gleich in mehrfacher Hinsicht getäuscht. Ob bewusst und beabsichtigt oder nicht. Denn die Täuschung erfolgt nicht durch Falschaussagen. Sondern durch Kommunikationstechniken und die Mechanismen der Medien.

Zum ersten wird so verschleiert, dass eine solche Information als werblich angesehen werden könnte, würde die Pressemitteilung originalgetreu übernommen werden.
Zum zweiten wird verschleiert, dass es einen wirtschaftlichen Eigennutzen darstellt, wenn Raucher die angebotenen Kurse besuchen, anstatt es alleine mit den frei zugänglichen E-Zigaretten versuchen.
Zum dritten wird durch die Form der Berichterstattung an sich verschleiert, dass es keine neuen Erkenntnisse zur E-Zigarette gibt. So wird beispielsweise durch die Bezeichnung der Protagonisten als „Forscher“ impliziert, es sei dazu geforscht worden. Tatsächlich fand dies im Zusammenhang mit der Meldung nicht statt.

Und zu guter Letzt wird die angebliche Gefahr durch die E-Zigarette in keine Relation mit Tabakzigaretten gesetzt. Raucher werden also darüber getäuscht, dass sie durch den Umstieg auf ein rauchfreies Produkt wie E-Zigarette oder Tabakerhitzer bereits sehr viele Risiken des Rauchens selber reduzieren und vermutlich fast vollständig ausschließen können.


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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.