Gekaufte Wissenschaft: E-Zigaretten verursachen Herzrhythmusstörungen

Eine Studie für Dummies erklärt

Alkoholaffine Mäuse

Das zweite Problem ist, dass man das Ganze ja jetzt irgendwie messen muss.
Versuche mit Menschen bekommt man inzwischen nur ganz schwer durch die Ethik-Kommission. Vor allem wenn ein Herzinfarkt befürchtet wird, sind die da überraschend pingelig.

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Also nimmt man Mäuse.
Man nimmt aber nicht irgendwelche Mäuse. Denn Wissenschaftler mögen genormte und vergleichbare Sachen. Man nimmt Mäuse die seit 1921 nur für diesen Zweck gezüchtet werden.
Ihr possierlicher Name lautet C57BL/6.

C57BL/6 sind auch deshalb so gerne genommen, weil sie – im Gegensatz zu anderen Mäusen – genetisch bedingt freiwillig Alkohol trinken. Und sie haben eine erhöhte Anfälligkeit für Abhängigkeiten, Schwerhörigkeit im Alter und Atherosklerose. Also eine besondere Empfindlichkeit für Bluthochdruck, Diabetes und – aufgepasst – Tabakrauch.
Das macht in der Grundlagenforschung durchaus Sinn. Denn so kann man noch früher und leichter erkennen, ob etwas grundsätzlich schädlich ist.

Das Dampfbad

Genau wie andere Mäuse neigen C57BL/6 aber selten dazu an Zigaretten oder E-Zigaretten zu ziehen. Obwohl sie einem Bier nicht abgeneigt sind. Man muss sie also irgendwie dazu bringen, den Dampf zu inhalieren.

Deshalb setzt man die Nager mit Hang zum Herzinfarkt und beschissener Work-Life-Balance einfach ein einen kleinen Kasten, in den man den vorher gewonnenen Dampf leitet. Fünf Liter groß, was für einen Menschen weniger als einer Autogarage entsprechen würde.

Was streng genommen das nächste Problem ist. Denn ein Konsument von Tabak- oder E-Zigaretten inhaliert ja nicht dauerhaft Rauch oder Dampf. Er macht Pausen zwischen den Zügen, macht Pausen zwischen dem Konsum und einige schlafen auch mal.
Nur zur Erinnerung: Nach weniger als acht Stunden Schlaf ist das Nikotin im Blut eines Menschen vollkommen abgebaut. Jeder ausgeschlafene Raucher ist nach der Logik der Substanzabhängigkeit also Nichtraucher. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Logik der Wissenschaftler besagt, dass wenn der Dampf oder Rauch vorher so gewonnen wurde, wie ein Raucher oder Dampfer ihn (angeblich) inhaliert, dann ist das ja egal.
Zur Verteidigung der Wissenschaftler muss man sagen, dass denen diese logische Unwucht sicher bewusst ist. Oder zumindest meist. Oder sein sollte.

Also setzt man die Mäuse einfach 90 Minuten lang dem konzentrierten Dampf (oder Rauch) aus. In einem Glaskasten.
Das Verhältnis dürfte ersichtlich werden, wenn wir einen Augenblick darüber nachdenken. Denn das würde bedeuten, um die Schädlichkeit von E-Zigaretten am Menschen zu messen, würde man die Probanden nicht durch lebensrealistischen Konsum dem Dampf aussetzen. Sondern sie in eine Kammer in der Größe einer Heimsauna setzen, wo sie stundenlang ausschließlich nikotinhaltigen Dampf atmen.

Kleine Menschen. Sehr kleine Menschen. Mit einem Hang zu Kreislaufproblemen und Herzinfarkten. Mit viel höherer Herz- und Atemfrequenz.

Die zwei grundsätzlichen Probleme

Ja, genau das haben die Wissenschaftler um Dr. Carll getan. Und es dann 16 Seiten lang dokumentiert. Mit Grafiken und Zusatzmaterial.

Was wirklich ok wäre. Denn es ist nun einmal Grundlagenforschung. Es kann zeigen „Da könnte es ein Problem geben“. Üblicherweise gefolgt von der fast immer verwendeten Formel „Es muss weiter geforscht werden“. Was übersetzt bedeutet „Gebt mir mehr Geld“.
Doch streng wissenschaftlich kommen jetzt überhaupt erst die beiden größten Probleme.

Ein Hinweis für diejenigen, die an dieser Stelle zurecht fragen, wie man es sonst machen sollte:
Es gibt inzwischen Studien, beispielsweise von Prof. Dr. Hajek aus London. Die keine Tiere quälen, sondern die Biomarker im Körper der Konsumenten messen.
Und da sind die Ergebnisse – wenig überraschend – völlig anders.

Zunächst ist die Wirkung von Nikotin kreislaufmäßig lange bekannt. Vereinfacht gesagt versteift Nikotin die Adern und führt dadurch zu einem höheren Blutdruck. Aber auch zu einer besseren Durchblutung. Deshalb funktioniert Nikotin. Es kann den Aufgeregten entspannen und den Müden wach machen. Das gleiche passiert übrigens nach einigen Minuten Jogging.
Diese Effekte klingen aber nach einigen Minuten wieder ab. Weil das Nikotin sehr schnell abgebaut wird. Die psychoreaktive Komponente ist ein anderes Thema.

Deshalb sagen alle Wissenschaftler: Nicht das Nikotin ist das Gefährliche am Rauchen, sondern die Verbrennungsstoffe. Die bei E-Zigaretten, Tabakerhitzern und Snus nicht stattfinden, denn da verbrennt nichts.

Setzt man also einen kleinen Kleinwüchsigen mit Hang zu Kreislaufproblemen Nikotinnebel oder -rauch aus, sind kardiovaskuläre Effekte zu erwarten.
Die Studie hat also sehr aufwändig etwas nachgewiesen, was bekannt ist. Haue ich jemandem einen Gullideckel ins Gesicht, ist statistisch zu erwarten, dass er zu Zahnausfall neigt. Das ist Empirie.

Das zweite Problem ist, wie so häufig bei solchen Studien, die Schlussfolgerung. Und dafür muss man dann die Messungen gar nicht im Detail prüfen. Geschenkt.
Dr. Carll impliziert mit der Studie, dass grundsätzlich alle E-Zigaretten bei allen Menschen und bei normalem Gebrauch Herzrhythmus- und Durchblutungsstörungen verursachen. Und das ist – wissenschaftlich gesprochen –Ziegenpisse.

Es wäre vergleichbar damit, die Abgase eines 1976er Trabbi und eines 1986er Fiat zu messen, Menschen in einer Telefonzelle diesen Abgasen lange auszusetzen und daraus zu Schlussfolgern, dass alle Autoabgase zu Hodenkrebs führen. Auch bei Mädchen.

Das sagen andere Wissenschaftler

Ich bin bekennender Befürworter der Tobacco Harm Reduction, der E-Zigarette und der Tabakerhitzer. Man muss mir nicht glauben. (Abgesehen davon, dass ich die Studie verlinke und jeder es selber prüfen kann.)

„Der Stoffwechsel von Mäusen unterscheidet sich sehr von Menschen und jede Übertragung zur gesamten, langfristigen menschlichen Gesundheit ist, freundlich ausgedrückt, wenn es hoch kommt Mutmaßung. Wenn das tatsächlich wahr wäre, könnten wir bei der hohen Anzahl von Vapern weltweit eine Explosion an Herzrhythmusstörungen sehen. Die wir in der Praxis nicht sehen. Gar nicht.“

Prof. Dr. Jacob George, Vorsitzender der Kardiovaskulären Medizin und Therapie, Universität Dundee

„Es gibt mehrere Probleme mit Verallgemeinerungen der Ergebnisse dieser Studie. Dampfer sind keinen signifikanten Mengen von Acrolein ausgesetzt, da überhitzte Liquids einen unangenehmen Geschmack haben und daher vermieden werden. […] Es wäre skurril, wenn Tiere einem aversiven Reiz ausgesetzt würden und keine kardiovaskulären Reaktionen zeigen würden.“

Prof. Dr. Peter Hajek, Direktor der Tobacco Dependence Research Unit, Queen Mary University of London

„Ich bin ein Statistiker, kein Biologe, also kann ich die physiologischen Details dieser Forschung nicht kommentieren. […] …es gibt wichtige Fragen, die diese Arbeit nicht beantworten kann. […] Ich glaube die wichtige Frage ist, wie groß der Schaden für jemand ist, der E-Zigaretten nutzt. Im Vergleich dazu, wenn er sie nicht nutzt“ […also weiter Tabak raucht; Anm. d. Red.]

Prof. Dr. Kevin McConway, emeritierter Professor, The Open University

„Diese Studie zeigt, dass Mäuse, die dem Dampf von E-Zigaretten für 90 Minuten in kleinen Räumen ausgesetzt sind, eine kurzfristige Veränderung im Herzrhythmus zeigten. Auch wenn die langfristigen Effekte dieser Veränderungen unbekannt sind, erscheint es weise, dass Besitzer von Mäusen ihren Haustieren nicht erlauben sollten E-Zigaretten zu nutzen.“

Dr. Adam Jacobs, Vorsitzender Direktor Biostatics, Premier Research


Was bleibt übrig?

Fassen wir zusammen.
Es wurde Dampf aus überlasteten, unzeitgemäßen und am Markt irrelevanten E-Zigaretten gewonnen. Mittels eines Gerätes, dass keine Rücksicht darauf nimmt, wenn es zu einer Überhitzung kommt. Was kein Konsument konsumieren würde.

Dieser im Grunde unsachgemäß gewonnene Dampf wurde dann in einen Kasten geleitet, wo Mäuse diesem dauerhaft ausgesetzt waren. Mäuse, die dazu gezüchtet sind, früh Reaktionen zu zeigen und die zu Kreislauferkrankungen neigen.
Erwartungsgemäß zeigten diese dann Reaktionen des Kreislaufs. Die allerdings nicht dauerhaft waren. Was also wahrscheinlich bekannte Folgen des Konsums von Nikotin sind.

Das wurde dann in einer Studie aufwändig ausgewertet und in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht. Was andere Wissenschaftler kritisch und zum Teil lakonisch kommentieren.

Ob gekauft oder nicht, ob korrumpiert oder nicht: Jetzt soll mir bitte noch jemand erzählen, das Ziel dieser Studie sei nicht von vorn herein gewesen, mit Gewalt der E-Zigarette eine vermeintliche Schädlichkeit nachzuweisen.

Wozu das Ganze?
Um das Narrativ der schädlichen E-Zigarette zu verfestigen.
Anschließende Berichterstattung mit entsprechenden Überschriften fanden sich u.a. auf Euronews, Science Daily, US News & World Report, Daily Mail und anderen. Und es ist davon auszugehen, dass kein einziges Medium die Studie geprüft hat. Vermutlich ging eine Meldung über eine Agentur an die Medien, oder sogar eine gezielte Pressemitteilung von irgendwem.

Politikern muss man so gar nicht mehr die Studie vorlegen, wenn man etwas gegen E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Tobacco Harm Reduction hat. Beispielsweise die Pharma-Lobby, für deren Therapien diese Alternativen eine echte Konkurrenz darstellen.
Dass diese Mittel mindestens 95 Prozent weniger schädlich sind und 99,5 Prozent weniger Krebsrisiko als Tabakzigaretten haben, interessiert dann niemanden mehr.
Und, hey, ich hab‘ es im Internetz gelesen. Also muss es wahr sein.
Was wurde den E-Zigaretten schon alles nachgesagt: Herzinfarkte, durchlöcherte Nasenscheidewände, Blei im Urin und so weiter. Eine tatsächliche Schädlichkeit ist bis heute am Menschen nicht nachgewiesen.

Es wurde nicht einfach eine Studie gekauft. Es wurde eine Schlagzeile gekauft.
Und so verkauft sich die Wissenschaft seit Jahren an die Gegner der Schadensminimierung.
Es darf sich jeder selber vorstellen, was das für die vermeintlich wissenschaftlichen Ergebnisse gegen den menschgemachten Klimawandel, Migration oder andere Themen bedeutet.

Wer die Kapelle bezahlt, bestimmt was gespielt wird.


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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.