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Behörde bestätigt Verursacher für die Toten nach E-Zigarette

In einer Bekanntmachung bestätigt die CDC gestern den Verdacht

  • Fast 40 Tote und über 2000 Geschädigte in den USA nach dem Konsum von E-Zigaretten
  • Seuchenschutzbehörde bestätigt den Verdacht: Ursächlich war Vitamin-E-Öl in gepanschten und illegalen Liquids
  • Verdächtig späte Stellungnahme durch die Behörden

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Inzwischen mussten in den USA über 2.000 Menschen nach dem Konsum von E-Zigaretten behandelt werden, etwa 40 Patienten sind verstorben.
Wie das CDC gestern veröffentlichte, geht es mittlerweile auch offiziell davon aus, dass das „EVALI“ Phänomen von Tocopherylacetat, besser bekannt als Vitamin-E-Öl, verursacht wird.

(EVALI: „E-cigarette or vaping product use-associated lung injury“; mit E-Zigaretten oder Dampf-Produkten zusammenhängende Lungenschädigung)

Viele Wissenschaftler weltweit und einige Medien in den USA hatten schon vor einigen Monaten aus den vorliegenden Daten geschlossen, dass Tocopherylacetat die Verletzungen und Todesfälle verursachte.

Fast 90% der Patienten gaben an, vor der Erkrankung Liquids mit THC (sog. E-Joints) gedampft zu haben. Tetrahydrocannabinol ist der psychoaktive Wirkstoff des Cannabis.
Ein Drittel davon hatte sogar ausschließlich THC-Liquids und niemals handelsübliche Liquids konsumiert.
Lediglich 11% der Befragten verneinten den Konsum THC haltiger Liquids. Es ist ein logischer Schluss, dass diese Patienten schlicht nicht zugeben wollten, illegale Drogen konsumiert zu haben.

Dass Cannabiskonsumenten hingegen die Nutzung legaler nikotinhaltiger Liquids verheimlichen würden, ist wenig wahrscheinlich.
Das CDC hatte – für viele Fachleute unverständlich – keine Empfehlung an die Ärzte herausgegeben, bei den Patienten Tests auf THC durchzuführen.

Nachlässigkeit, Inkompetenz oder Kalkül?

Obwohl viele Medien etwas anderes suggerierten, war der rote Faden also nicht die E-Zigarette. Sondern der Konsum illegaler, auf dem Schwarzmarkt gekaufter Drogen.

Doch das CDC hatte sich lange geweigert, diese offensichtlichen Tatsachen zu bestätigen. Gewarnt wurde viel zu lange nur vor dem Dampfen an sich.
Und selbst nachdem sowohl die FDA als auch das CDC bereits klare Hinweise darauf hatten, dass Vitamin-E-Öl die entscheidende Rolle spielt, wurde von den „Centers for Desease Control and Prevention“ weiterhin vor dem Dampfen handelsüblicher Liquids gewarnt.

Vor illegalen THC-Liquids von der Straße wurde viel zu spät und immer noch nicht deutlich genug gewarnt. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren.
Vielen US-amerikanischen Politikern diente diese Steilvorlage als Grund für das Verbieten aller Aromen – außer Tabakaromen – in Podsystemen und Liquids. In einigen Städten und Bundesstaaten wurde der Handel mit E-Zigaretten ganz verboten.



Geld gegen Fakten

Hier dürfte die Motivation schon eindeutiger sein, denn viele Staaten verdienen am Tabakrauch gut mit.
Dabei geht es nicht nur um Steuereinnahmen, sondern vielmehr um das „Tobacco Master Settlement Agreement“ (TMSA).

Mit dieser Vereinbarung hatten sich die Tabakunternehmen 1998 von zukünftigen Gerichtsverfahren freigekauft.
Die Regelung sah vor, dass für jede verkaufte Zigarette ein bestimmter Betrag an die Staaten geht, zusätzlich zur jeweiligen Steuer. Im Gegenzug verzichteten die Staaten darauf, die Tabakunternehmen vor Gerichte zu zerren.

Im letzten Jahr nahm alleine Kalifornien dadurch 876 Millionen Dollar ein. Zusammen kamen alle Staaten, die sich dem TMSA angeschlossen hatten, auf über acht Milliarden Dollar.

Anne Schuchat, Direktorin der CDC, spricht von einem Durchbruch.

Problematisch ist an dem System, dass viele Bundesstaaten auf die zukünftigen TMSA Einnahmen nicht warten wollten und Anleihen in Höhe der zu erwartenden Zahlungen ausgaben. Sie hatten sich Geld auf den Anlagemärkten geliehen, welches mit den Zahlungen aus dem Agreement beglichen werden sollte.

Und da kommt die E-Zigarette ins Spiel. Viel zu viele Menschen sind durch sie in viel zu kurzer Zeit vom Rauchen aufs Dampfen umgestiegen.
Die Zigarettenverkäufe brachen unerwartet stark ein. Und damit auch die Zahlungen der Tabakfirmen. Viele Staaten müssen die Anleihen also aus dem laufenden Haushalt zurückzahlen. Nicht jeder Bundesstaat kann das so einfach.

Es scheint bei den ganzen Verboten also nicht um die Gesundheit der Menschen zu gehen. Die war nie in Gefahr. Sondern ganz schlicht ums Geld.

Ergebnisse zu eindeutig

Dass das CDC jetzt einräumt, im Grunde einräumen muss, dass Vitamin-E-Öl der Verursacher von EVALI ist, liegt ganz schlicht an der erdrückenden Faktenlage. Vor der selbst das CDC nicht mehr die Augen verschließen kann.

„Es handelt sich um das erste Mal, dass wir eine mögliche besorgniserregende Chemikalie in Proben von Patienten mit diesen Lungenkrankheiten entdeckt haben.“
Anne Schuchat, Direktorin der CDC, 08.11.2019

Bei allen 29 Patienten, deren Lungenflüssigkeit untersucht worden war, wurde Tocopherylacetat festgestellt.
Das sog. Vitamin-E-Öl ist ein nicht wasserlösliches Öl. Ein Lipid, welches in der Lunge zu einer Lipidpneumonie führen kann. Die genannten Symptome der Patienten und durchgeführte Lungenbiopsien untermauerten diesen Verdacht.

Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig:

„Diese Ergebnisse zeigen den direkten Nachweis von Vitamin-E-Acetat im primären Vorkommen der EVALI Patienten und decken sich mit den Produkttests der FDA [Food and Drug Administration, Zulassungsbehörde der USA, Anm. d. Red.] und den Berichten der bundesstaatlichen Labore, von Vitamin-E-Acetat in Produkten, welche von EVALI Patienten genutzt wurden. […]
Andere besorgniserregende Verdünner und Zusätze (Pflanzenöl, MCT Öl, Petroleum Destillate und Terpene) wurden in den Gewebeproben der Patienten nicht nachgewiesen.“
Centers for Disease Control and Prevention, cdc.gov, 08.11.2019

Auch bei drei dieser Patienten, die zuvor angegeben hatten keine THC haltigen Liquids konsumiert zu haben, wurde THC nachgewiesen.
Dies untermauert die These, dass in allen Fällen so genannte E-Joints vom Schwarzmarkt die entscheidende Rolle gespielt haben.

Jetzt ist offiziell, dass es nie ein Problem mit „der E-Zigarette“ gab. Es war von Anfang an ein Problem mit illegalen Drogen.
Auch dürfte jetzt klar sein, dass nicht fehlende Regulierung dieses Problem verursacht hat. Denn der illegale Schwarzmarkt kümmert sich nun mal nicht darum, wie Liquids reguliert werden.


Veröffentlichung der CDC: https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/68/wr/mm6845e2.htm?fbclid=IwAR2LecNJXeTZdWzoyXqITf8UrtIEtJ05lyLvB__ddj4JJkuGDnbFUg1e9PE
Auch in Deutschland gepanschte Liquids: https://www.vapers.guru/2019/10/31/auch-in-deutschland-warnung-vor-gepanschten-liquids/

Tödlicher Dampf: Verhaftungswelle in den USA

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Sebastian Küchemann
Ehemaliger Germanist und Vape Blogger. Interessengebiet: Presse und Medien rund um das Dampfen. Redakteur des täglichen Netz Reviews in der Rubrik "Netzblick" auf vapoon.