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Schulterschluss der Gesundheitslobby: „Ausmerzen“ der E-Zigarette

Die europäische Tabakkonferenz in Berlin


  • Tabakkonferenz in Berlin, geleitet durch das Aktionsbündnis Nichtrauchen
  • Medien und Öffentlichkeit unerwünscht
  • Deutliche Kampfansage durch gemeinsame Erklärung und Forderungen

Am vorletzten Wochenende ging in Berlin die europäische Tabakkonferenz zu Ende.
Vom 19. Februar an trafen sich Teilnehmer aus ganz Europa im CityCube Berlin zur achten „European Conference on Tobacco or Health” (ECToH).

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Der Kongress stand unter dem Motto „Tobacco kills in any form – Tobacco free Europe“. (Tabak tötet in jeder Form – Tabakfreies Europa)
Das Motto lässt erahnen, worum es im Kern ging. Es ging zu weiten Teilen um die E-Zigarette.

Nun könnte man erwarten, es handelte sich um einen Austausch von Wissenschaftlern und Fachleuten über neue Erkenntnisse.
Doch was inzwischen bekannt wurde, zeigt etwas gänzlich anderes.

Genauer beurteilen kann das niemand, der nicht auf der Konferenz war. Und dort waren nur diejenigen, die der gemeinsamen Marschrichtung folgen.
Daher wurde sehr wenig darüber in den großen Medien berichtet. Falls überhaupt Medien anwesend waren.

Selbst wenn Medien zugelassen waren, unterlagen sie einer strengen Prüfung. Und einer rigorosen Einschränkung ihrer Arbeit.
Aufnahmen waren lediglich in allgemeinen Bereichen erlaubt, die Vorträge und Diskussionen durften ohne ausdrückliche Zustimmung nicht aufgenommen werden.

Dazu der Hinweis auf der Homepage zur Teilnahme (Übersetzung aus dem Englischen):

Diejenigen, die irgendeine Verbindung zur Tabak oder E-Zigaretten Industrie oder deren Lobbyisten haben, auf professioneller oder persönlicher Ebene, werden NICHT zur ECToH zugelassen.

Das schließt ein, ist aber nicht beschränkt, auf Personen, welche jemals eine Finanzierung, Darlehen oder andere Art der Unterstützung angenommen haben; oder Mitglied irgendeiner Form von Verbänden der Tabak oder E-Zigaretten Industrie sind; einschließlich aber nicht beschränkt auf Tabakunternehmen, E-Zigaretten Unternehmen, Herstellern, Großhändlern, Einzelhändlern und in Verbindung stehender, durch die Tabak oder E-Zigaretten Industrie finanzierter Forschungseinrichtungen, wie die so genannte „Foundation for a Smoke-Free World“.

Homepage Eighth ECToH 2020

Das bedeutet, die Leitung des Kongresses schaute sehr genau, wer ihre heiligen Hallen betreten durfte.
Wissenschaftler wie Prof. Dr. Bernd Mayer, Prof. Dr. Hajek oder andere wären sicher abgewiesen worden.

Transparenz Fehlanzeige

Alleine diese fehlende Transparenz gibt dem Kongress einen entsprechenden Beigeschmack.
Er ist allerdings nicht neu. Die WHO hatte bei ihrem Tabakkongress COP7 in Neu Delhi bereits 2016 aus der ganzen Welt angereisten Journalisten ohne Ankündigung kurzfristig den Zutritt verweigert.
Zu einer Empörung führte das bemerkenswerterweise nicht.

Am letzten Tag der Konferenz wurde den Teilnehmern eine gemeinsame Erklärung präsentiert.
Entgegen des Veröffentlichungsverbotes wurde diese von Wanda de Kanter, einer niederländischen Anti-Tabak-Aktivistin, per Handy Snapshots auf Twitter veröffentlicht.
Inzwischen ist diese Erklärung jedoch auch auf der Homepage des Kongresses abrufbar. (Link unten)

Um das zu dokumentieren, soll diese Erklärung vollständig wiedergegeben werden. (Übersetzung aus dem Englischen)

Die Erklärung der ECToH

Wir, die Teilnehmer,

zusammengekommen hier in Berlin vom 19. Bis 22. Februar 2020;

erkennen, dass die Verbreitung der Tabak Epidemie ein anhaltendes Problem in den europäischen Staaten mit verheerenden Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit ist;

erkennen an, dass die Tabakindustrie weiterhin neue und gesundheitsschädliche Produkte einführt und anpreist, um existierende Nutzer zu behalten und neue Konsumenten anzusprechen;

wissen, dass wissenschaftliche Beweise eindeutig festgestellt haben, dass Tabakkonsum und Tabakrauch ausgesetzt zu sein zu Tod, Krankheit und Behinderung führt;

sind alarmiert durch den steigenden Tabak und Nikotin Konsum durch neue Produkte wie Tabakerhitzer und E-Zigaretten, inklusive Dual- oder Mischkonsum;

sind gewahr, dass die zunehmend aggressiven und kapitalkräftigen Anstrengungen der Tabakindustrie und ihrer Verbündeten die Tabakkontrolle zu unterminieren oder zerrütten und sich selbst zu renormalisieren;

beachten, die juristisch bindende Natur der WHO Framework Convention on Tobacco Control (FCTC) [Rahmenvereinbarung zur Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation, Anm. d. Red.] und die Pflicht aller Unterzeichner der FCTC effektive Tabakkontrollmechanismen umzusetzen;

sind bestrebt, ein gesundes Europa durch das Ausmerzen des Tabakkonsums und Reduzierung des schädigenden Nikotinkonsums zu erreichen, und fördern eine saubere Innenluft.

fordern daher:

Ein flächendeckendes Vorgehen zur Tabakkontrolle, inklusive Beurteilung, Planung, Intervention und Nachhaltigkeit, basierend auf der WHO Framework Convention on Tobacco Control (FCTC), sollte durch alle Staaten übernommen werden;

Regierungen und private Organisationen sollten zusammenarbeiten, um ein umfassendes Vorgehen der Regierungen sicher zu stellen, um die rechtlichen Verpflichtungen der WHO FCTC umzusetzen;

Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die Verschiedenheiten und als Teil der Bemühungen auf die Teilhabe von Bürgern gelegt werden;

Die Staaten sollten die Kooperation, gute Methoden und wissenschaftlichem Wissen zu teilen, stärken und die Wichtigkeit unabhängige Forschung zu finanzieren zur Kenntnis nehmen und anerkennen;

Die Staaten sollten die Umsetzung des WHO FCTC Artikel 5.3 bekräftigen, um die Politik vor der Einmischung der Tabakindustrie zu schützen;

Kampagnen zur öffentlichen Aufmerksamkeit und Social Media können ein Schlüsselmoment für ein gesundes Europa sein;

Die Staaten haben die Verantwortung, gesellschaftliche Bedingungen und Lebensumfeld so zu gestalten, dass gesundes Leben geschützt wird;

Die Staaten müssen die Bezahlbarkeit beseitigen und den Preisabstand zwischen allen Tabakprodukten schließen.

Die Staaten sollten ein Minimum an Besteuerung auf elektronische Zigaretten und ähnliche Produkte erheben um Jugendliche vom Gebrauch abzuschrecken.

Die Staaten sollten Ausnahmeregelungen für elektronische Zigaretten, nicht-Zigaretten Tabak Produkte und Ersatzstoffe hinsichtlich Geschmacks, Verpackung, Werbung auf allen Plattformen, Absatz, Promotion und Sponsoring ausmerzen.

BERLIN DECLARATION, Eighth ECToH, Berlin, 22nd February 2020


Alte Bekannte

Gastgeber der Konferenz waren die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Krebshilfe und das Aktionsbündnis Nichtrauchen. In Zusammenarbeit mit der Association of European Cancer Leagues.
Kongress Präsidentin war Dr. Martina Pötschke-Langer.

Tickets kosteten 550 und 599 Euro. Tagestickets zwischen 275 und 330 Euro.
Mehrere Vereinigungen haben eine Finanzierung für die Anreise zur Konferenz angeboten. Eine von dreien war die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin DGP.

Sowohl die Deutsche Krebsgesellschaft, also auch die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie sind Mitglied im von Pötschke-Langer geleiteten Aktionsbündnis Nichtrauchen.
Sowohl die Erklärung als auch die organisatorischen Umstände lassen tief blicken.

In einem zweiten Teil möchte ich die Aussagen und die Hintergründe erläutern. (Link unten)


Die Erklärung im Original (Guru Server): https://www.vapers.guru/wp-content/uploads/2020/03/DeclarationBerlin-2020.pdf

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.