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Corona Studie: Entwarnung oder Verschwörung?

Über die Eigennützigkeit der Medien

Erneut überschlagen die Medien sich.
Gestern wurden Zwischenergebnisse der in Heinsberg durchgeführten Studie durch Prof. Dr. Streeck vorgestellt.

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Die Berichterstattung darüber ist von den üblichen Mechanismen der Medien getragen. Es werden händeringend Schlagzeilen gesucht.
Und wo es keine Schlagzeilen gibt, wird man mindestens ungenau.

Ich möchte einmal erklären, was die Bonner Forscher überhaupt behaupten herausgefunden zu haben, worin sie tatsächlich kritisiert werden und was die Medien daraus machen.

Dazu muss ich auch an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass ich kein Mediziner, geschweige denn Virologe oder Epidemiologe bin.
Ich habe lediglich eine Ausbildung in Grundlagen empirischer Wissenschaften und eines meiner Kernthemen ist die Berichterstattung der Medien.

Es fehlen Daten

Tatsächlich können wir derzeit nichts Endgültiges über die Gefährlichkeit des Corona Virus sagen. Also darüber, was die meisten Menschen eigentlich interessiert.

Dafür fehlen Daten. So wissen wir beispielsweise nicht, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind.
Da derzeit vor allem Menschen getestet werden, die bereits Symptome einer CoVid-19 Erkrankung zeigen.

Das bedeutet, dass es Menschen geben könnte, die ebenfalls infiziert sind, das aber gar nicht merken. Also den Coronavirus SARS-CoV-2 in sich tragen, aber keine oder nur sehr milde Symptome entwickeln.
Alleine diese Unterscheidung zwischen Infizierten und Erkrankten wurde von den Medien häufig nachlässig verwischt.

Um zu wissen, wie gefährlich ein Virus ist, muss man nicht nur wissen, wie viele Menschen erkranken oder gar sterben. Sondern auch wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind.
Nur so kann man eine Relation zur Gesamtbevölkerung und zu den tatsächlich Erkrankten herstellen.

Selbstverständlich können Experten Mutmaßungen dazu abgeben. Die Epidemiologen und Virologen werden dafür über entsprechende Rechenmodelle verfügen.
Trotzdem gibt es keine abschließende Gewissheit, das der SARS-CoV-2 ja mutmaßlich neu ist.

Erste Erhebungen der Infektionen

Die oberste Bundesbehörde, das Robert Koch Institut, wurde von Wissenschaftlern stark kritisiert. Vor allem weil es keine Anstrengungen unternommen hat, diese Zahlen zu erheben.
Diejenigen, die gegen die Regulierungen der Regierungen sind, wittern dahinter mindestens Nachlässigkeit; lieber noch Verschwörungstheorien.

Doch nun gehen unabhängige Wissenschaftler diesen Weg.
In München soll ein eine entsprechende Erhebung mit 3000 Menschen durchgeführt werden.

Zu medialer Aufmerksamkeit kam Prof. Dr. Hendrik Streeck von der Uni Bonn, der mit einem Team solche Erhebungen in Gangelt im Kreis Heinsberg durchführt. Dort war der Virus in Deutschland scheinbar als erstes ausgebrochen und hatte sich verteilen können, da es noch keine Gegenmaßnahmen gab.

Getestet wurden über 1000 Personen in mehr als 400 Haushalten. Jeweils durch eine Rachenabstrich, durch den die Anwesenheit des Virus nachgewiesen werden kann. Als auch durch Bluttests, durch den eventuelle Antikörper nachgewiesen werden können. Woran man ablesen kann, ob derjenige in der Vergangenheit infiziert war bzw. nun immun ist.

Erste Ergebnisse

In der vergangenen Woche führten erste Ergebnisse bereits zu allgemeiner Aufmerksamkeit. Das Team um Streeck konnte keine Viren auf Oberflächen nachweisen. Nicht einmal in einem großen Haushalt einer hochinfektiösen Familie.
Zuvor hatten Wissenschaftler u.a. nachgewiesen, dass das Virus auf Oberflächen bis zu 72 Stunden überleben kann. Aber eben unter Laborbedingungen …ebenfalls ein Punkt, der in den Medien nicht erklärt wurde.

Das könnte darauf hinweisen, dass eine so genannte Schmierinfektion, also die Infektion über Oberflächen, nicht möglich oder nur sehr unwahrscheinlich ist.
Das könnte – und wir befinden uns hier bitte weit im Konjunktiv – darauf hindeuten, dass getragene Einweghandschuhe weitestgehend sinnlos sind. Vom überwiegend falschen Umgang damit abgesehen.

Gestern stellte Streeck weitere Zwischenergebnisse in einer Pressekonferenz vor.
Bei 509 Testpersonen hatten 14 Prozent eine Infektion hinter sich gebracht, einige davon ohne sie zu bemerken. Zwei Prozent waren akut infiziert.
Das entspricht einer gerundeten Infektionsrate von 15 Prozent.

Die Gefährlichkeit

Aus den Ergebnissen kann man Rückschlüsse über die tatsächliche Gefährlichkeit des Virus ziehen.

Beispielsweise spricht man beim Anteil der Infizierten, die am Virus sterben, von der Letalität oder Letalitätsrate.
Die im medizinischen Bereich hoch angesehene Johns Hopkins University in Baltimore sammelt alle weltweit erhobenen Daten. Aus diesen Daten heraus geht sie von einer Letalität von 1,98 Prozent aus. Also knapp zwei Personen von 100 Getesteten versterben. (Getesteten, nicht Infizierten!)
Doch sie hat für diese Schätzung eben fast nur die Zahlen derjenigen, die aufgrund der Symptome eh getestet wurden.

Laut der Zahlen von Streeck ergibt sich jedoch eine Letalität von 0,37 Prozent. Also nur einem Fünftel dessen, wovon Johns Hopkins derzeit ausgeht (und ausgehen muss).

Die Mortalität, also der Teil der Menschen die gemessen an der Gesamtbevölkerung an den Folgen von CoVid-19 sterben, liegt laut dem Bonner Team lediglich bei 0,06 Prozent.

Das Größenverhältnis wurde nicht beachtet. Die Grafik zeigt lediglich die Unterschiede, nicht die Relationen.

Die Wellen der Berichterstattung

Darüber hatten gestern einige Medien sehr nüchtern berichtet.
Was in den Kommentarspalten auf Social Media erwartungsgemäß dazu führte, dass alle diejenigen sofort aufschrien, die Regulierungen durch die Regierung ablehnend gegenüberstehen.

Interessanterweise gibt es bei diesen Menschen offenbar eine hohe Schnittmenge mit Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten.
Das würde mit den Erkenntnissen der Psychologie korrespondieren, die die Ursache für Populismus und Verschwörungstheorien vor allem in einem Mindsetting von der Angst vor Fremdbestimmung und dem Gefühl des Kontrollverlustes sieht.

Heute werden die kritischen Stimmen laut. Es ist sehr schön zu beobachten, dass die Berichterstattung Wellenbewegungen folgt.
Sowohl die Berichterstattung über die Ergebnisse wie auch die Berichterstattung über die Kritik an den Ergebnissen stellt diese in keinen Kontext und gibt keine Erklärungen dazu. Was erneut dazu führt, dass die Menschen im Grunde mit ihrer laienhaften Meinung und ihren Ängsten alleine gelassen werden.

Gegenstimmen

Beispielsweise kritisiert der ebenfalls bekannte Prof. Dr. Drosten aus Berlin, dass die durchgeführten Tests keine Aussage über eine tatsächliche Immunität zuließen.
Die durchgeführten Tests würden auch harmlose Coronaviren nachweisen, die für etwa ein Drittel der Erkältungen verantwortlich ist.

Das würde jedoch bedeuten, dass in Heinsberg sehr viele Menschen gerade von einer durch diese Viren ausgelöste Erkältung genesen sein müssten. Und dass die, selbst wenn es so wäre, die Infektionsrate nur um einen Anteil senken würde.
Wie das im Verhältnis zu der geschätzten Letalität von Johns Hopkins aussieht, steht also in den Sternen.

Mehr noch, er sagte auch, dass es entsprechende und aufwendige Neutralisationstests gebe, mit denen eben dieser SARS-CoV-2 nachgewiesen werden könne. Davon sei aber auf der Pressekonferenz nichts zu hören gewesen, schreibt die Süddeutsche heute.
Man weiß also gar nicht, ob oder ob nicht.

Ebenso wird der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Institut zitiert, dass die Errechnung gemäß Haushalten falsch gewesen sei. Doch woher die Information stammt wie sie überhaupt errechnet wurde wird nicht erklärt. In den offenen Quellen ist dazu nichts zu finden.



Hauptsache auf dicke Hose

So schreibt die Süddeutsche auch, die Studienergebnisse „sind vermutlich durch methodische Fehler verfälscht“. Nicht „seien“, sondern „sind“. Also eine Einschätzung der Redakteurin.
Das ist eine Endgültigkeit, die so gar nicht zulässig ist. Es ist eine Perfidität, mit der hier eine Aussage konstruiert wird, die niemand tatsächlich treffen kann.

Zu erkennen ist das daran, dass in mehreren Medien davon gesprochen wird, ihnen läge ein Dokument zu der Studie vor.

Auch ich habe schon die Formulierung verwendet, dass VAPERS.GURU ein „Dokument vorliegt“. Denn das ist die übliche Umschreibung dafür, dass man nicht preisgeben möchte, woher man das Dokument hat. Beispielsweise geleakte Gesetzesentwürfe oder Gerichtsbeschlüsse, die noch nicht veröffentlicht sind. Quellenschutz nennt man das.

Doch die Medien missbrauchen das, um den Eindruck zu vermitteln, dass ihnen exklusive Informationen vorlägen. Das ist in diesem Fall aber völlig absurd. Nicht zum ersten mal.
Denn die Zusammenfassung der Ergebnisse ist auf dem Server der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen offen einsehbar.

Es wird so getan, als wenn die Medien einen Zugang zu Informationen haben, den der Leser nicht hat und daher die Medien braucht.
Es wird keine Quelle geschützt, sondern die eigene Deutungshoheit.

Da das Papier etwas schwer zu finden ist und vor allem nur auf einen direkten Download verweist, stelle ich das Dokument im Zuge der Transparenz auf dem Guru Server zur Verfügung. (Link unten)

Fachhändler für Kopfbedeckungen aus Leichtmetall

Diese zwei Seiten sind genau das, was angekündigt war: Es ist ein Zwischenergebnis. Eine erste Einschätzung. Ein „Hey, wir sind dran. Da läuft was.“
Mehr nicht.

Diese zwei Seiten sind weit davon entfernt, eine wissenschaftliche Studie zu sein. Was auch schlicht dem Druck und der akuten Lage geschuldet ist.

Es wäre doch überraschend und bemerkenswert, wenn ein Team von mehreren Instituten, Professoren und Forschern in einer so brisanten Lage zu so brisanten Erkenntnissen so grundlegende Fehler einbauen würde.

Grundsätzlich ist es aber schlicht so, dass von den Medien erneut aufgebauscht und auf Klicks gesetzt wird. Mit zum Teil billigen Mitteln.

Denn weder andere Wissenschaftler, geschweige denn die Medien, können anhand dieser zwei Seiten tatsächliche Rückschlüsse über Konsistenz oder Zuverlässigkeit der Daten treffen.
Und am Ende des Tages sind es eben auch nur genau das: Weitere Daten, die mit vielen anderen Daten zu einem komplexen Bild zusammengefügt werden müssen.

Und genau das hat Prof. Streeck in der Pressekonferenz mehrfach gesagt.
Ebenso betonte er, dass er die derzeitigen Regulierungen für absolut richtig und notwendig hält.

Gleichgültig wie hoch der Anteil der tatsächlich Infizierten sein wird:
Es ist davon auszugehen, dass weit mehr Menschen infiziert sind oder waren, als an CoVid-19 (nachgewiesen) erkrankt sind.
Es ist damit zu rechnen, dass die Letalität und Mortalität immer weiter nach unten korrigiert werden wird, umso mehr Daten erhoben werden. Das ist schlicht logisch.
Das bedeutet aber keine Sinnlosigkeit der Regulierungen. Und es ist erst recht kein Nachweis für eine Verschwörung oder absichtliche Panikmache der Medien.

Das einzige, dass Medien tatsächlich tun ist, Klicks zu verkaufen. Das liegt in ihrer Natur. Gleichgültig ob mit voreiligem Jubel oder haltloser Kritik.
Jeder, der derzeit behauptet, er wüsste mehr, der lügt.
Und jeder, der so tut als wüsste er mehr, ist nichts anderes als ein Beutelabschneider. Tagedieb, Fachhändler für Kopfbedeckungen aus Leichtmetall, Großsprech, Hafensänger.
Und zwar vollkommen gleichgültig, ob er für die stringente Beibehaltung der Regulierungen oder die sofortige Beendigung ist.


Zwischenergebnis der Studie: https://www.vapers.guru/wp-content/uploads/2020/04/zwischenergebnis_covid19_case_study_gangelt_0.pdf


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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.