Der Vaper-Verband, der eine Big Tobacco Kampagne ist

Das „am schlechtesten gehütete Geheimnis“ des Dampfens

Le Monde, die Nachrichten-Seite The Daily Beast und Vaping 360 bestätigen, was eigene Recherchen bereits vor einem Jahr nahegelegt haben: Die World Vapers‘ Alliance ist eine durch den Tabakriesen British American Tobacco geführte Kampagne.

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Am 11. Februar 2021 habe ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich dargelegt habe, dass der angebliche Konsumentenverband World Vapers‘ Alliance eine durch British American Tobacco initiierte Kampagne zu sein scheint.

Daraufhin wurde ich auf Social Media angegriffen, beschimpft und mir wurde unterstellt, ich würde „Proponenten“ der E-Zigarette „unter der Gürtellinie“ angreifen, um Klicks zu generieren.
Lustigerweise habe ich in einem folgenden Kommentar am 12. Februar geschrieben, wir wollen einmal sehen, wie einige Antagonisten in etwa einem Jahr argumentieren werden.
Das Jahr ist noch nicht ganz rum.

Am vergangenen Sonntag veröffentlichte die Nachrichten-Seite The Daily Beast einen langen Recherche-Artikel, in dem sie die Verbindung der World Vapers‘ Alliance zu British American Tobacco beleuchtet. Und zu den gleichen Ergebnissen kommt wie ich.
The Daily Beast wurde mehrfach als beste Nachrichten-Website ausgezeichnet. Sie bildete bis 2013 drei Jahre lang ein Unternehmen mit Newsweek.

Da der Artikel hinter einer Paywall steht, wurde er am Dienstag den 11. Januar von der wohl größten Vaping Seite Vaping360 aufgegriffen. Die in Deutschland firmierende englischsprachige Seite gibt 1,5 Millionen Besucher monatlich an.

Im vergangenen November hatte bereits Le Monde, eine der wichtigsten und meinungsstärksten Zeitungen Frankreichs, über die World Vapers‘ Alliance und die Verstrickungen berichtet.

Die World Vapers‘ Alliance

Die World Vapers‘ Alliance ist laut Selbstbezeichnung ein Konsumentenverband. Der gegründet wurde, um „die Stimme engagierter Vaper zu verstärken“.
Darüber hinaus sind die Informationen über die Organisation, ihre Struktur und konkrete Ziele höchstens spärlich.

Als Chef wird der recht junge Michael Landl angegeben. Mit dem Titel „Director“. Was merkwürdig ist, denn in einem Verein würde man eher die Bezeichnung „Chair“, „Chairman“ oder „President“ erwarten. Der Director entspricht eher dem deutschen „Geschäftsführer“ eines Unternehmens. Sei’s drum.
Einen Vereinsvorstand scheint es ebenfalls nicht zu geben. Sondern ein Gremium (Advisory Board).
Der interessierte Dampfer kann zwar „teilnehmen“ („join“), aber offenbar kein Mitglied werden.

Darüber hinaus gibt die World Vapers‘ Alliance 26 „Partner“ an. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um scheinbare Konsumentenverbände, vor allem aus Südamerika und Afrika.
Fünf der südamerikanischen Landesverbände weisen das gleiche Logo aus. Aus Afrika sind Verbände u.a. aus dem Kongo und Malawi dabei, die zu den ärmsten Ländern der Welt gehören.

Näheres dazu im Artikel vom 11. Februar 2021.

Studenten für Freiheit

In den USA wurde 2007 die Organisation namens „Students for Liberty“ gegründet. Sie sollte quasi ein Lobby-Verband für „Libertarians“ sein, die man nicht mit Liberalen verwechseln sollte. Leo übersetzt es mit „Befürworter der individuellen Handlungs- und Gedankenfreiheit“. Was im Grunde nur ein Euphemismus für rechte und ungezügelte Wirtschaftsfreiheit ist.

Diese „Studenten für Freiheit“ wurden jährlich mit mindestens 3,5 Millionen über ein Institut durch Koch Industries gesponsert. Dem größten Konzern der USA im alleinigen Besitz der als ultra-konservativ bekannten Koch Brüder. Von denen inzwischen einer verstorben ist, seine Witwe Julia Koch wird von Forbes seitdem auf Platz 27 der reichsten Menschen geführt.
Greenpeace schätzt, dass die Stiftungen der Koch Familie zwischen 1997 und 2018 etwa 127 Millionen Euro investiert haben, um die Klima-Forschung zu attackieren. Das Hauptvermögen der Kochs stammt aus fossilen Brennstoffen.

Aus diesen „Students for Liberty“ ging 2017 das Consumer Choice Center hervor. Das „Zentrum für Konsumentenentscheidung“. Was ebenfalls ein Euphemismus für Wirtschaftsliberalität und ungehemmten Kapitalismus ist.
Der Hauptsitz ist in Virginia, USA. Doch es hat auch eine Abteilung in Brüssel gegründet. Wobei es nach eigenen Angaben durch den Tabakkonzern Japan Tobacco International unterstützt wurde.



Das Consumer Choice Center

Und eben dieses Consumer Choice Center hat die World Vapers‘ Alliance gegründet.
Mir selber liegen Mails des „Direktors“ Michael Landl vor, unter denen der Footer des CCC prangt.

Die Verbindung kann jeder sehr leicht prüfen. Klickt man auf der Homepage der World Vapers‘ Alliance auf „Spenden“ („Donate“), landet man auf der Seite des CCC. Mit dem Hinweis, dass das CCC eine „501(c)(4)“ Organisation ist. Eine nach US-Recht gemeinnützige Einrichtung, die ihre Spenden nicht offenlegen muss.
Bei genauerer Betrachtung kommt man dann auch schnell darauf, dass diese Klassifizierung auch eine Steuerbefreiung bedeutet.

Laut Daily Beast beweisen interne Dokumente nun, dass der Tabakkonzern British American Tobacco für die Führung, Orchestrierung und Finanzierung der World Vapers‘ Alliance verantwortlich ist. Um weltweit Vertreter der Tobacco Harm Reduction rekrutieren zu können.

Nun könnte man Fragen, welche Verbindung zwischen dem CCC und dem Tabakriesen besteht.
Dabei mag ins Auge springen, dass Koch Industries der alleinige Besitzer von Phillips-Medisize in Wisconsin sind. Die wiederum die Produzenten der E-Zigarette Juul sind. Im Auftrag von Juul Labs in San Francisco.

Aber das ist ja noch kein Beweis.

Die PR-Agentur

Auffällig ist, dass die Homepage der World Vapers‘ Alliance von der PR-Agentur Red Flag unterhalten wird. Das ist die „Stamm-Agentur“ von British American Tobacco.
The Daily Beast liegen nun nach eigener Aussage interne Mails vor, in denen das CCC und die Agentur Red Flag sich absprachen. Und in denen nicht nur die bestimmende Rolle von British American Tobacco deutlich wird. Sondern auch die Bemühung, diese Verbindung geheim zu halten.

In einer Mail erwähnt ein Mitarbeiter von Red Flag die Beteiligung des Tabakkonzerns an der Social Media Strategie der World Vapers‘ Alliance:

„Wir haben die Ideen umrissen, von denen wir glauben, dass sie notwendig sind, die angesprochenen Probleme zu lösen und die Ziele, die der British American Tobacco Company vorgestellt wurden, zu erreichen.“

Mail eines Mitarbeiters der PR-Agentur Red Flag an das CCC; The Daily Beast, 09.01.2022

In einer anderen Mail weist ein anderer Mitarbeiter von Red Flag den eigenen Kollegen darauf hin, dass der Tabakkonzern nicht genannt werden darf. Was zeigt, dass selbst in der internen Kommunikation ein Stillschweigen beachtet werden sollte.

Auf der nächsten Seite geht es weiter.

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.

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