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E-Zigaretten verursachen Zungenkrebs

...und Flugzeuge Schädelbruch

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Nach den explodierenden Akkus, süchtig machendem Nikotin und der Popcorn Lunge ist es nun also Krebs. Nicht kleckern sondern klotzen, fahren wir gleich mal die großen Geschütze auf.
Noch dazu auch im Mund. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Im letzten Jahr erschien eine Studie (findet Ihr hier), die im Dezember dann den Weg auch in die deutsche Medienlandschaft fand und nun wieder durch die Foren geistert. (Wir verlinken hier absichtlich nichts mehr, um diesen Schmierfinken nicht noch über Clickbaits Kohle einzubringen. Wer es wissen will muss googeln.) Veröffentlicht wurde die Studie von der Fachzeitschrift „Oral Oncology“, einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift, am 04. November 2015.
In der Studie, die von mehreren Forschern verschiedener Institutionen durchgeführt wurde, wurde die Auswirkung von E-Zigaretten auf Zellkulturen hinsichtlich einer Auslösung von Krebs untersucht. In den Artikeln wird vereinfachend das Veterans Affairs Healthcare Center in San Diego angeführt.
Die Untersuchung habe ergeben, so die Forscher und die berichtenden Medien, dass der Dampf von E-Zigaretten Krebs auslösen würde.

Wie schon mehrfach erwähnt ist es nicht so einfach die Auswirkungen von Dampf auf einen funktionierenden, menschlichen Körper zu untersuchen. Und da schon einige Versuche am Design, also am „Aufbau“ gescheitert sind, hat vapers.guru sich einmal genauer angeschaut was da wie getestet wurde.
Lassen wir mal die Dramaturgie beiseite und beschreiben einfach mal was gemacht wurde. Dann wird die Verlässlichkeit der Ergebnisse jedem selber klar werden.

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Wer kennt sie nicht, die V2?

Zunächst einmal benötigt so ein Forscher ja E-Zigaretten. Es schafft den Eindruck von Gewissenhaftigkeit wenn man zumindest verschiedene Geräte testet. Also wählten die Forscher sage und schreibe zwei verschiedene Geräte. Aus einem Markt von derzeit ca. 7000 Geräten.
Welche Geräte nun ausgewählt wurden ist aber gar nicht angegeben. Angegeben, vielleicht aus Unwissenheit oder schlichter Ignoranz, wurden lediglich die Hersteller. Allerdings hier versehen mit dem Hinweis es handele sich um zwei der beliebtesten E-Zigaretten auf dem Markt. („…two of the most popular e-cigarettes currently on the market…“)
Zunächst muss man die Aussage schon anzweifeln, denn die meisten europäischen Dampfer werden von den Herstellern, V2 und VaporFi, kaum mal etwas gehört haben. Und man muss auch das Fachwissen der Forscher anzweifeln. Denn die Hersteller zu nennen ist, als würde man eine Abgasuntersuchung an Autos durchführen und dabei Automarken angeben. Und wer nur halbwegs Ahnung von Autos hat weiß, dass die Modelle der Hersteller sich grundlegend unterscheiden.

Es ist auch sehr bemerkenswert, dass die Untersuchung in kleinsten Details beschreibt woran und wie getestet wurde. Aber nicht womit.
Man stelle sich vor einem fällt ein Flugzeug auf den Kopf, und die Forscher untersuchen haarklein den Rest des Menschen um eine Ursache zu finden woran er gestorben ist. Lassen aber das Flugzeug außen vor um herauszufinden warum es überhaupt herunter gefallen ist. Und zum Schluss resümieren sie: Flugzeuge machen Schädelbruch. Das erinnert stark an das DKFZ.

Was der Forscher als nächstes benötigt ist Dampf. Hat man die Exaktheit der Quellenangabe schon einfach ignoriert -was wissenschaftlich mindestens fahrlässig ist- gehen die Forscherprobleme jetzt erst richtig los. Wie kommt man an den Dampf? Man kann ja nicht selber dampfen und das dann in eine Petrischale pusten. Also wurde auf Maschinen zurückgegriffen.
Auch hier zeigt sich wieder das gewissenhafte Vorgehen der Forscher. Denn nirgendwo ist erwähnt, wie der Dampf gewonnen wurde. Mindestens kann man das fahrlässig und unkorrekt nennen. Will man Böses kann man auch unterstellen dass die Forscher keinerlei Ahnung vom Dampfen haben.

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Reality bites… Smoking Machines

In der Versuchsbeschreibung findet sich aber ein Hinweis. Nämlich dass das mit „Zigaretten behandelte Medium“ genauso erstellt wurde als ob Marlboro Red Filter verwendet würden. So wie es in einem Bericht der Federal Trade Comission im Jahr 2000 getan wurde. („The cigarette-treated media was made similarly using Marlboro Red filter cigarettes, which were determined by the Federal Trade Commission in a 2000 report…“)
Das würde bedeuten, dass für die Gewinnung des Dampfes so genannte Smoking Mashines verwendet wurden. Und das wiederum würde bedeuten, dass für die Tests so genannte Cig-a-likes verwendet wurden, die auch von beiden genannten Herstellern angeboten werden.

Liebe Wissenschaftler und Forscher, vapers.guru ist ja nicht nur für Einsteiger. Wir erklären auch Euch das gerne. Komm mal bei misch bei, isch erklär Dir dat getz.

+ E-Zigarette ist nicht gleich E-Zigarette. Es gibt prinzipiell drei unterschiedliche Arten von Geräten, die man wiederum unterteilen kann. Hinzu kommen die Hybriden.
Vielleicht ist es für Euch einfacher Cig-a-likes zu testen. Weil man die so schön in die Smoking Mashines einspannen kann. Vielleicht seid Ihr auch einfach nur unwissend. Aber Cig-a-likes sind nicht gleichzusetzen mit E-Zigaretten. Eigentlich machen sie sogar nur einen winzigen Bruchteil der Geräte aus.

+ Spannt man eine Zigarette in eine Smoking Mashine, so ist das ok. Denn ihre Inhaltsstoffe sind gleich. Sie verglimmen mit einer bestimmten Temperatur. Egal wie lange oder oft man daran zieht, es kommt ziemlich das Gleiche raus. Beim Dampfen ist das nicht so.
Wird eine E-Zigarette zu heiß, oder es kommt nicht genug Liquid nach, verkokelt die Watte. Es finden ganz andere physikalische Prozesse statt. Das ist aber relevant für das Ergebnis. Aus einem sehr simplen Grund. So etwas dampft niemand. Man kann es nicht. Niemand bekommt das inhaliert. Dampfer nennen das einen Dry Hit.
Zudem ziehen Maschinen ja in einer Stärke und einer Frequenz, die kein normaler Dampfer erreichen kann. Und das ändert durchaus das was da rauskommen kann. Denn auch dadurch kann es zu einem Abriss des Liquid Nachfluss kommen. Das wäre als würde ein Zigarettenraucher Filter weiter rauchen. Und lasst Ihr bei den Zigaretten Tests die Filter mit verglimmen?

+ Die von Euch getesteten Cig-a-likes entsprechend der Technik von 2006. Was für einen Dampfer so weit weg ist wie für einen Autofahrer der Ford T.
Sie verfügen über keine Schutzabschaltung. Die meisten neueren Geräte sind nämlich damit ausgestattet. Sie stoppen den Stromzufluss, sobald die Watte zu trocken, der Heizwendel zu heiß und das Liquid zu wenig wird. Damit so ein genannter Dry Hit gar nicht erst passieren kann.
Darauf nehmen Eure Versuchsanordnungen und die Smoking Machines aber keine Rücksicht. Und eine Cig-a-like -erst recht jene die sich aktivieren wenn man daran zieht- kann man dampfen bis das Gerät schmilzt.

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Wissenschaflerlogik: Autos können Verbrennungen verursachen

Liebe Forscher, wenn Ihr also testen wollt ob E-Zigaretten irgendetwas auslösen, dann müsst Ihr es auch so testen wie es gebrauchsüblich üblich ist. Ihr zündet auch kein Auto an, filtert die Verbrennungsstoffe und sagt dann alle Autos machen Krebs.
Alle Versuche die Ihr mit Smoking Mashines unternehmt sind daher schon mangelhaft, und eure Ergebnisse kann man in der Tabak Pfeife rauchen.
Korrekt wäre also eine Maschine, die in der gleichen Intensität und Frequenz dampft wie ein Mensch das überhaupt kann. Wollt Ihr etwas über E-Zigaretten generell herausfinden, dann müsst Ihr auch alle E-Zigaretten testen. Dazu gehören dann auch Hybriden, eGos und Akkuträger mit Temperaturmodus und Schutzabschaltungen. Hinzu kommt, dass ihr lediglich das als Referenz und als Medium verwenden könnt was ein Dampfer auch inhaliert. Also nur den Dampf der produziert wird so lange ausreichend Liquid an den Heizwendel gelangt.

Alles in allem solltet Ihr Euch vielleicht mal ein wenig mehr mit der Materie befassen. Und Euch mal damit auseinander setzen. Ansonsten seid Ihr nämlich auch nicht glaubwürdiger als die Zahnarztfrau die in der Werbung Zahnpasta gegen Zahnfleischbuten empfiehlt.
Etwas mehr Sorgfalt bitte. Diesmal ist noch ok. Aber nächste Mal gibt’s Nachsitzen. Und einen Brief an die Eltern.

Und Ihr, liebe Presse: Hört doch endlich auf nur um Werbung vertickern zu können so einen Mist und eine Panikmache ungeprüft herauszuhauen. Es zeigt doch nur wie wenig Ahnung Ihr habt, wenn Ihr den Menschen ständig so einen Scheißdreck verkauft.
Bei den meisten Redakteuren fragt man sich, was die eigentlich Hauptberuflich machen. Und wie sie morgens noch in den Spiegel schauen können.

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.