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Homestory: Zu Besuch bei GermanFlavours

Eine Sage aus alten Tagen

Schon spannend: Ich war eingeladen zu GermanFlavours. Vor etwa drei Jahren. Das Familienunternehmen wurde brachial vor die Wand gefahren.
Dieses Urgestein war im letzten Jahr übernommen worden. Von jungen, internationalen Machern, die ganz anders gestrickt sind.
Jetzt war ich wieder eingeladen.

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Sprockhövel liegt im südlichen Ruhrgebiet, kurz hinter Wuppertal. Im Outback des Bergischen Landes. Sanfte Hügel, weite Wiesen, halb in die Erde versenkte fränkische Fachwerkhäuser, grasende Pferde und eine bunt bemalte Kuh.

Immerhin 24.000 Einwohner zählt Sprockhövel. Man glaubt es seien weniger.
Auch in dieser für Nordrheinwestfalen eher ländlichen Gegend wurde einmal Kohle abgebaut. Doch es will alles nicht so recht zum Bild des Ruhrgebietes passen.
Hier muss Peter Fox gesessen haben, als er „Das Haus am See“ schrieb.

Ich war eingeladen zu einem Hausbesuch bei GermanFlavours. Wiedermal.

GermanFlavours gehört zu den Urgesteinen des Dampfens in Deutschland. Ich selber bin auch mit GermanFlavours Liquids damals umgestiegen.
Schnell hatte das Unternehmen sich gemausert. Dann wurden Fehler begangen. Es wurde zum Kugelfisch. Zu einer Investmentblase.

Das Familienunternehmen wurde regelrecht vor die Wand gefahren.
Falsche Entscheidungen, Mißmanagement, die hektisch eröffneten Shops wurden nicht mehr mit Waren versorgt und die Gläubiger nicht mehr bedient. Mitarbeiter wurden als austauschbares Humankapital betrachtet und auch so behandelt. Das Geld wurde sehr großzügig in Reiseunternehmen, Motorsport, ein italienisches Weingut und Sponsoring des örtlichen Fußballstadions gesteckt.
Die Kehrseite von Familienunternehmen. Die Sprockhöveler GermanFlavours Travel Arena, wer kennt sie nicht? 1800 Stehplätze und Stadionwurst.

Zum Beginn des vergangenen Jahres begann die Abwicklung von GermanFlavours.
Die über 30 Shops in ganz Deutschland wurden an die Concept M Medizin und Medien GmbH abgegeben, die fortan unter dem damals relativ bekannten Namen Dampffuchs betrieben werden sollten.
Inzwischen sind davon scheinbar nur noch etwa ein Dutzend übrig.
Concept M gehörte zu dem Geflecht dem auch Niko Liquids entstammt.

Das leicht am Abhang mit Blick auf die Weide gelegene Gebäude war das gleiche. Doch bei diesem Besuch war vieles anders.

Neue Besen kehren gut

GermanFlavours wurde im August vergangenen Jahres von Flavourtec übernommen.
Da ich drei der vier Gründer bereits kennenlernen durfte und die Entwicklung des Marktes natürlich recht genau im Blick habe, war ich sehr interessiert zu erfahren, wie es mit GermanFlavours nun weitergeht.

Die Gründer von Flavourtec zu Studienzeiten. Von Links: Michael Hofmann, Tobias Klein, Fabian Klein und Robert Borkowski.

Flavourtec firmiert in Danzig.
Schon im Studium lernten die vier Gründer sich kennen. Drei Rheinländer und ein Pole.
Einer der Gründer, Michael Hofmann, unternahm bereits 2010 erste Schritte am Markt. Als der Wirtschaftsinformatiker und Dampfer quasi nebenbei einen Online Handel startete.

Inzwischen ist Flavourtec einer der größten Liquid Hersteller Europas.
Auf 4500m² finden sich zwei Werksgebäude, die eigens für Flavourtec gebaut wurden. Zwei Abfüllanlagen können stündlich 9000 Liquids abfüllen. Und sie sind ausgelastet, man arbeitet in zwei Schichten.
In den kommenden Wochen werden zwei Maschinen zur vollautomatischen Verpackung für kleinere Chargen hinzukommen.

Dass Flavourtec den meisten Dampfern unbekannt ist liegt an der OEM Produktion. Der Abfüllung für andere Unternehmen, welche die Liquids dann unter ihrem Namen verkaufen. Und die gerne 65% ausmacht.
Bei einem Kaffee sagte Michael Hofmann mir bereits im vergangenen Jahr verschmitzt lächelnd „Fast jeder Dampfer dürfte schon einmal eines unserer Lqiuids im Tank gehabt haben. Ohne es zu wissen.“
Wer das alles ist, ist Betriebsgeheimnis. Ich habe nie gefragt. Kaufmannsehre.

Flavourtec Gebäude in der Nähe von Danzig.

Die Danziger sind in 25 Ländern vertreten, bis in den arabischen Raum. Eine deutsch-polnische Symbiose. „Alle Arbeitsschritte sind ISO zertifiziert, das ist wichtig zu erwähnen. Alle Produktionsschritte unter Reinraumbedingungen.“ so Hofmann. Offenbar schauen viele immer noch skeptisch nach Osteuropa.
Der Jahresumsatz bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich.

„Wir wollten mit GermanFlavours eine bekannte Liquid Marke in unser Portfolio aufnehmen. Wir verzeichnen ein steigendes Interesse an unseren eigenen Marken, wie American Stars oder VAVO. Aber mit GermanFlavours konnten wir als Rheinländer vor unserer Haustür aktiv werden.“ Manchmal hört man den Akzent. Hofmann kommt aus der Nähe von Bonn.

Ein Golfplatz hat überlebt

Wir saßen sympathisch formlos in einer lauschigen Sitzecke im Aufenthaltsraum, der etwas abseits der Produktion gelegen ist. Dahinter versteckt sich nur noch das Labor. An einer kleinen Theke gab es Kaffee, serviert vom Chef.
Bei meinem letzten Besuch waren hier noch großflächige Displays vom Reiseunternehmen und Weingut der ehemaligen Besitzer aufgestellt. Das große Wandbild eines Golfplatzes war offenbar vergessen worden. Es ist ja nicht hässlich.

18.000 Stück pro Tag: Die Abfüllung in Sprockhövel.

Die Runde war überraschend groß. Hatte ich doch nur mit Hofmann, mit dem ich verabredet war, und einem Vertreter von GermanFlavours selber gerechnet.
Zum Händeschütteln angetreten waren auch der Mitbegründer Tobias Klein und der Vertriebsleiter von GermanFlavours David Plotka. Beide kannte ich bereits. Wenig beeindruckend, denn alles war freundschaftlich locker.  Nette Menschen. Man ist per Du.
Hinzu kam der Niederländer Pascal Hein, der gerade in Deutschland war. Er ist der Vertriebsleiter von Flavourtec, war zuvor auch schon in Kanada, der Schweiz und in London tätig und leitet Flavourtec BVBA in Belgien. Der Ableger ist für die Distribution in den Beneluxländern vor nicht allzu langer Zeit gegründet worden.

„Zuerst haben wir jedes Produkt in unserem Sortiment kritisch hinterfragt. Um sicherzugehen, dass es einen tatsächlichen Mehrwert darstellt. Insbesondere für den Kunden, aber auch für uns.“
GermanFlavours hatte unter der alten Leitung zum Schluss deutlich über 300 Geschmacksrichtungen im Angebot. Die meisten davon sowohl als Aromen wie auch als Liquids in verschiedenen Nikotinstärken.

Eine solche Angebotsbreite muss natürlich rentabel sein. Was sie offenbar nicht war. Neben vielen sehr bekannten Aromen, die ich noch aus meinen Anfangszeit als Dampfer kannte, fanden sich wohl auch viele Ladenhüter.
Schon auf der Hinfahrt sagte mir Hofmann typisch rheinisch-lakonisch „Das tut einem dann ja auch immer leid, wenn sich dann mal ein Dampfer meldet und nach seinem Lieblings Aroma fragt. Aber was sollen wir machen?“



Altes Kerngeschäft, neue Ziele

Auch das Design der Produkte wurde überarbeitet.
Im Eingangsbereich des GermanFlavours Gebäudes findet sich ein kleiner, eher repräsentativer Shop. Ein Display. Wo David Plotka mir Druckfahnen zeigte. Weg von Comic Figuren, hin zu seriösem Outfit.
Was sicher Herausforderungen für die Designer darstellt. Denn offenbar gibt es im Ruhrgebiet Differenzen mit den Behörden, ob Früchte auf Liquids abgebildet werden dürfen.

Inzwischen bieten die Sprockhöveler auch Long Fills an. So könne man auch Aromen am Markt testen, bevor man sie vielleicht als nikotinhaltige Liquids anbietet. Die 10ml Liquids sind das Kerngeschäft und sollen es auch bleiben.
Man setzt bewusst nicht auf Influencer Marketing auf YouTube und Instagram. Die Zielgruppe ist eine andere, die Abnehmer sind es eh. Nur ein geringer Teil geht direkt an den Enddampfer.

„Unsere Erfahrung am Markt ist gefragt. Es gibt einige Projekte. Das Potential der E-Zigarette wurde schon vor einiger Zeit von den großen Handelsketten erkannt. Es wird nach kompetenten Partnern gesucht. Die wollen.“
David Plotka, Vertriebsleiter GermanFlavours, 09.09.2019

Im nächsten Jahr ist bereits eine Platzierung in 2800 Filialen einer großen Handelskette vereinbart.
Die E-Zigarette wird Mainstream.
Derzeit gibt es zwar noch zwei Shops als Franchise Nehmer. Doch das soll nicht die Zukunft sein.

„Wir wollen nicht mehr in direktem Wettbewerb mit unseren eigenen Kunden treten.“ bemerkte der Gründer Michael Hofmann. Was nichts anderes bedeutet, als dass man mit eigenen Shops ja denjenigen den Markt nehmen würde, die auch die Produkte kaufen. Nämlich andere Shops.
Vielleicht auch ein Faktor, den die vorherigen Inhaber nicht bedacht hatten.

Eine Ecke des Labors hinter den deutschen Geschmäckern.

Anders als bei meinem letzten Besuch wurde mir bei einer kurzen Begehung alles gezeigt. Wobei wir immer wieder stehen blieben, um uns in Fachsimpelei zu verstricken.

Auch die Handabfüllung, die vor drei Jahren noch tabu war. Auf eine Begehung des eh überschaubaren Raumes mit kleiner Schleuse habe ich verzichtet. Dazu hätte ich mir Schutzkleidung anziehen müssen.

Beeindruckender ist die maschinelle Abfüllung, wo riesige Behälter mit den Grundzutaten stehen. Das Lager ist für die Kapazitäten überraschend klein. Obwohl man inzwischen 18.000 Liquids pro Tag abfüllen kann.
„Innerhalb von 48 Stunden können wir die Shops beliefern.“ versichert Plotka. Auch die Einzelbestellungen über den Online Shop werden hierüber abgefertigt.

Der Horizont wird weit

Nach dem Rundgang kam man noch einmal in der Sitzecke zusammen. Es waren lange und wirklich spannende Gespräche. Über die E-Zigarette, Influencer, den Markt und auch wie dieser von Händlern außerhalb der Dampfer-Blase wahrgenommen wird.
Natürlich habe ich auch etwas über meine Arbeit erzählt.

Immer wieder kamen Mitarbeiter herein und baten um Rücksprache. Das Klima scheint sich seit meinem letzten Besuch deutlich verbessert zu haben. Hofmann räumt ein „dass ein frischer Wind durch die Firma weht. Was wir auch an dem positiven Feedback unserer Mitarbeiter sehen.“
„Es war harte Arbeit, die Marke GermanFlavours wieder als verlässlichen Partner zu positionieren. Und wir arbeiten täglich daran, um dies noch weiter zu verbessern.“

Viele der alten Marken verschwinden. Der Markt verändert sich, das einzig Beständige ist der Wandel. Aber es war ja nicht alles schlecht damals. Damals, vor wenigen Jahren.
Es ist sicher auch romantisch und sentimental. Aber ich freue mich, dass einem Pionier der Branche neues Leben eingehaucht wird.
Von Rheinländern in Polen. Und einem Niederländer als Verkaufsleiter.  In Benelux. Und einem deutschen Verkaufsleiter mit polnischem Namen in Deutschland.

Der Horizont wird weit.
GermanFlavours ist europäisch geworden.


GermanFlavours auf Facebook: https://www.facebook.com/GermanFLAVOURS
GermanFlavours auf Insta: https://www.instagram.com/germanflavours_official/
Eine Review Erklärung: https://www.vapers.guru/2019/03/30/die-beliebigkeit-uebersteuerter-liquids/

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Joey Hoffmann

Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und des Bündnis für Tabakfreien Genuss.