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Oralsex erhöht das Krebsrisiko beim Mann

Übertragene Viren können Kehlkopfkrebs verursachen

Eine Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health bestätigt, dass nicht nur das Rauchen die Gefahr von Krebs erhöht. Sondern auch Oralsex. Vor allem bei wechselnden Geschlechtspartnern.
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Häufiger Oralsex kann bei Männern die Gefahr einer Krebserkrankung im Hals- und Rachenraum erhöhen.
Zu dem Ergebnis kam die Studie des Forschungsteams um Dr. Amber D’Souza von der Elite Universität Johns Hopkins in Baltimore.

An der angeschlossenen Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health wurden Proben von 13.089 Menschen im Alter von 20 bis 69 untersucht. Das Ergebnis war eindeutig.
Männer, die in ihrem Leben Oralsex mit fünf oder mehr Partnerinnen praktiziert haben, hatten ein Risiko von 7,4%, mit krebserregenden Humanen Pappilomviren (HPV) infiziert zu sein.

Das durchschnittliche Risiko lag bei Männern, die zuvor mit keiner oder nur mit einer Partnerin Cunnilingus praktiziert hatten, lediglich bei 1,5%. Das Risiko einer Infektion hat sich durch sexuelle Aktivitäten also fast verfünffacht.
Bei denen, die mit zwei bis vier Partnerinnen Oralsex hatten, stieg das Risiko bereits auf 4%.
Am gefährdetsten waren Raucher mit mehr als fünf Gespielinnen. Bei Ihnen lag das Risiko einer Infektion bei satten 15%.

HPV erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs.
Es sind Krankheitserreger, die Hautveränderungen und Entzündungen hervorrufen können. Sie dringen durch die Haut oder Schleimhaut ein und vermehren sich dann innerhalb der Zellen.
Offenbar können sie durch Oralsex übertragen werden und zu einer Infektion führen.

„Derzeit gibt es keinen Test, mit dem Menschen auf oropharyngealen Krebs getestet werden könnten“ sagte Dr. Carole Fakhry, beteiligte Professorin der Studie. „Es ist eine seltene Krebsart und für die meisten gesunden Menschen würden die Risiken ein solchen Tests die Vorteile überwiegen; durch falsche positive Ergebnisse und daraus entstehende Sorgen.

„Unsere Forschung zeigt, dass die Identifizierung derjenigen, die eine HPV Infektion haben, keine gute Prognose über ihr zukünftiges Krebsrisiko erlaubt. Und so ist die Herausforderung, eine Einschätzung aufgrund der krebserregenden oralen HPV Infektionen zu ermöglichen. Wir planen daher weitere Forschung zu oralen HPV Infektionen bei jungen, gesunden Männern, um das in Zukunft besser zu erkunden.“
Dr. Carole Fakhry, Johns Hopkins Department of Otolaryngology



Völlig korrekte Studie

Ja, dies ist noch eine Seite, auf der es um Harm Reduction geht. Hauptsächlich um die E-Zigarette.
Aber ist jemandem aufgefallen, dass dieser Artikel in der Kategorie Blog erschienen ist?

Zunächst möchte ich versichern, dass dieser Bericht wahr ist. Nichts ist erdacht, es sind keine Fake-News.
Es gibt die Universität, es gibt diese Studie, die Ergebnisse sind korrekt wiedergegeben und die Zitate sind inhaltlich völlig in Ordnung.
Und es gibt sogar das Wort „oropharyngeal“.

Der Bericht zu dieser Studie ist mir zufällig über den Weg gelaufen. Und da dachte ich mir, das wäre doch ein lustiger Aufhänger, um einmal sehr praktisch zu zeigen, wie es zu Sensationsmeldungen über die E-Zigarette in den Medien kommt.
Den Untenrum-Themen gehen immer wie geschnitten Brot. Und wenn ihr dies hier lest, seid ihr selber bereits darauf eingestiegen.

Aber das Clickbaiting habe ich mir nicht ausgedacht. Ich habe lediglich Pressemeldungen zu der Studie gelesen und dann wiedergegeben. Nicht kopiert, nur die gleichen rhetorischen Techniken verwendet.
Diese Meldung wurde so ähnlich veröffentlicht.

Doch um den Unfug zu verstehen, muss man erst einmal kurz erklären, worum es überhaupt geht.
Denn um eine Gefahr einschätzen zu können, braucht man immer Relationen. Die kann der durchschnittliche Mensch in diesem Fall aber nicht haben. Solange er sich nicht gerade beruflich mit HPV auseinandersetzt.
Oder mit Cunnilingus. Soll es ja auch geben.

Und ich muss mich beeilen, bevor der Reiz der zotigen Witze mich völlig übermannt. (Ed von Schleck, Hunde und Erdnussbutter, Witze mit alkoholfreiem Bier, das übliche halt.)

Das Risiko an Krebs zu erkranken

Humane Papilloviren erhöhen das Risiko für Krebs. Vor allem Gebärmutterhalskrebs. Soweit stimmt die Aussage wohl.

Aber bisher sind etwa 200 verschiedene dieser Viren bekannt. Und die meisten Männer und Frauen fangen sich im Laufe des Lebens welche ein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr bereits eine HPV Infektion hattet. Und gar nichts davon mitbekommen habt.
Nur etwa 40 der 200 Arten finden sich überhaupt im Genitalbereich. Die meisten führen nur zu Hautreizungen, Entzündungen oder maximal Warzen.

E-Zigaretten
Musik erhöht das Risiko auf Kopfschmerzen!

Hier geht es aber um die krebserregenden. Und da sind die Berichte, auch meiner, einigermaßen geschickt. Beziehungsweise ungenau, was aber wohl Absicht sein dürfte. Um mehr Dramaturgie in die Sache zu bringen.
Es wird überhaupt kein Verhältnis genannt zwischen dem Krebs und der HPV Infektion. Selbst die Zitate der Forscherin benutzen das einfach ohne klare Abgrenzung.
Eigentlich sagt die Co-Autorin sogar selber, dass das Risiko an Krebs zu erkranken nicht wirklich abschätzbar ist. Auch nicht, wenn eine Infektion festgestellt wurde.
Das wird aber so wissenschaftlich verkompliziert gesagt, dass es den Leser gar nicht erreicht.

Es wird also beabsichtigt oder unbeabsichtigt so getan, als wenn eine Infektion gleichbedeutend mit einer Krebserkrankung ist. Aber das ist eben falsch. Dieser Eindruck entsteht zwischen den Ohren des Lesers. Weder ich, noch die Forscher, noch die anderen Medienberichte haben das behauptet.

Wäre das der Fall, müssten ja sehr viele Männer daran erkranken. Elektrische Sprechhilfen müssten der Renner bei Amazon sein. Aber an Kehlkopfkrebs erkranken in Deutschland beispielsweise nur 2800 Männer pro Jahr.
Also so egoistisch sind wir Männer doch nun wirklich nicht. Hoffe ich.

Tatsächlich steht in der Studie und im Artikel überhaupt nichts über das Risiko an Krebs zu erkranken, wenn man mit HPV infiziert wurde.
Dort steht lediglich, dass eine HPV Infektion das Risiko erhöht. In welchem Ausmaß, darüber wird nichts gesagt.
Die Zahlen, die man wahrnimmt und die sich im Kopf des Leser zu einem Krebsrisiko verdichten, sind nur die Zahlen zur Infektion. Nicht zum Krebsrisiko.

Die Medien

Die Medien verstärken nun diesen falschen Eindruck.
Denn sie sind natürlich darauf bedacht, dass möglichst viele Menschen ihren Artikel lesen. Sie haben aber überhaupt kein Interesse daran, die Gefahr oder deren Relation so darzustellen, dass der Leser sie einschätzen kann. Sie müssen lediglich darauf achten, dass sie die Fakten korrekt wiedergeben.

E-Zigarette
„Die Nikotinsucht ist die größte Gefahr der E-Zigarette!“ …kann man unterschiedlich beurteilen.

Das ist ein Missverständnis vieler Menschen. Sie haben die Erwartungshaltung, die Medien geben „die Wahrheit“ wieder. Aber das tun sie nicht. Ganz einfach, weil es „die Wahrheit“ nicht gibt.
Selbst wenn man eine Wahrheit voraussetzt, zeigt das Beispiel, dass man ganz ohne Framing oder Fake-News die Tatsachen immer so darstellen kann, wie es einem gerade passt.

Aber diese Faktoren sind nur jeweils ein Glied in der Kette. Denn ich könnte auch darauf wetten, dass niemand darauf geachtet hat, dass ich keine Quellen angegeben habe. (Link unten)
Jemand der keinen Zugang zu wissenschaftlichen Quellen hat – die meisten Arbeiten sind hinter Paywalls der Journale verborgen – kann das also gar nicht überprüfen.
Alles was er tun könnte wäre Google zu bemühen. Dort findet er höchstens die Artikel anderer Medien, die er dann vergleichen könnte.

Und da greift dann eine weitere Besonderheit der Presse. Und ein weiteres Missverständnis.
Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Medien selber recherchieren, etwas herausfinden und dann veröffentlichen. Auch das ist falsch.
Politik, Wissenschaft, Unternehmen, alle die den Medien etwas mitzuteilen haben, geben Pressemitteilungen heraus. Und das wird dann umgeschrieben und veröffentlicht. Hinzu kommen die Meldungen der Presseagenturen.
Natürlich ist dafür auch ein wenig Recherche nötig. Aber das hat nichts mit dem zu tun, was man sich unter investigativem Journalismus vorstellt. Den findet man nur bei wenigen Leitmedien, die sich das leisten können.
Die übliche Recherche findet am PC statt, an dem der pickelige Praktikant bei einem Schoko-Mandel-Latte ein paar Infos aus Google zusammenkratzt.
Ich persönlich schätze, dass ganz locker 90% dessen, was wir als Nachrichten konsumieren, auf einfachster Abschreiberei von offenen Quellen basiert.
Und genau deshalb lesen und hören sich viele Meldungen so gleich an.

Ich bin sicher, das war auch bei dieser Studie der Fall. Denn das Zitat findet sich fast – aber eben nicht ganz – wortgleich in der Zusammenfassung in der Studie selber. Das deutet darauf hin, dass es eine entsprechende Pressemitteilung gegeben hat.

200% mehr Dramatik

Damit sind wir aber noch nicht mit den Faktoren am Ende.
Ein Mittel Verwirrung zu stiften ist immer, Verhältnisse so anzugeben, dass man damit gar nichts anfangen kann.

E-Zigarette
Dieses Bild benötigt keine Bildunterschrift.

Als einfaches Beispiel nehmen wir eine rhetorische Figur aus dem Dampferbreich, das mir schon häufig begegnet ist.
Angenommen in einem Jahr dampfen 0,5% aller Schüler regelmäßig. Drei Jahre später dampfen 3% aller Schüler. Es ist unspektakulär das so zu schreiben. Also formuliert man es anders.
„Die Zahl der dampfenden Schüler ist in den letzten drei Jahren um 600% gestiegen.“ Und schon hat man es. Jeder wird zugeben, das hört sich alarmierend an. Obwohl es genau das Gleiche sagt. Das macht etwas in unserem Hirn, ob wir wollen oder nicht.
Ganz ähnlich habe ich es im Beispiel oben gemacht. „Das Risiko einer Infektion hat sich durch sexuelle Aktivitäten also fast verfünffacht.“ …ach du Scheiße, na dann lassen wir das mal lieber. Geh ruhig schon ins Bett, Hildegard, ich guck noch was fern.

Und ein letzter Punkt sollte noch ins Auge fallen. Ich habe in der Meldung kein Datum genannt.
Die bloße Veröffentlichung und der Aufmacher reichen aus, um beim Leser den Eindruck zu erwecken, diese Meldung sei neu. Und weil sie aus der Wissenschaft kommt, sei damit etwas Neues und Entscheidendes verbunden.
Tatsächlich wurde die Arbeit im Oktober 2017 veröffentlicht, also vor über eineinhalb Jahren.

Kann ein Redakteur auf der Suche nach Content sein Medium nicht füllen, kann er einfach eine alte Grundlagenstudie suchen, sie etwas umschreiben und rausbringen.
Die Themen, die gut gehen, sind dabei klar. Friede, Freude, Eierkuchen bringt keine Klicks.

Studie der Johns Hopkins zur E-Zigarette

Warum ich diese Studie so passend fand, hat einen weiteren Grund. Nicht nur das Untenrum-Thema.
(Auch wenn es mir eine diebische Freude bereiten wird zu schauen, wer in der Dampferblase einen Artikel mit einer solchen Überschrift auf Facebook teilt. Ein Vape Shop mit einem Artikel zu Schweinkram in der Timeline, herrlich.)
Die Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hatte im Februar des vergangenen Jahres eine Studie veröffentlicht, in der sie Samples von E-Zigaretten auf Metalle untersucht hatte. (Link unten)

Das griffen die Medien entsprechend auf und berichteten, dass E-Zigaretten giftige Schwermetalle enthalten. Also alle E-Zigaretten. Grundsätzlich. Immer.
Das wurde inzwischen sogar von einigen Politikern wiedergegeben, unter anderem von der Drogenpolitischen Sprecherin der Grünen und ehemalige Suchtmedizinerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther.
Dabei war die Studie nicht nur ungenau. Die Samples wurden auch mit den empfohlenen Höchstmengen von frischer Atemluft verglichen, nicht mit Zigaretten.

Dabei wurde dann schlicht ignoriert, dass die gefundenen Mengen weit unter den empfohlenen Höchstmengen lagen. Beispielsweise lagen die Mengen unter denen von Trinkwasser, im Falle von Blei um das Fünfzigfache.
Dr. Farsalinos kommentierte die Studie in seinem Facebook Profil und wies darauf hin, dass man im Falle von Blei und Chromium einhundert Milliliter am Tag dampfen müsste, um die empfohlenen Höchstmengen der FDA für Atemluft zu erreichen. Also bis man eine Dosierung erreicht, die als nicht unbedenklich eingestuft werden könnte.

Sorry, keine Ausreden

An alle Männer da draußen: So leid es mir tut, ihr habt keine Ausrede. Auch wenn ihr auf Brazzers an der Stelle immer vorspult, Job ist Job.
An alle Frauen da draußen: Gebt eurem Schatz diesen Artikel zu lesen. Wenn seine Augen beim ersten Abschnitt für einige Sekunden an die Decke wandern und er angestrengt aussieht, zählt er. Wenn er länger an die Decke guckt, zählt er lange.

Ich bin jetzt erstmal stolz, dass ich den Artikel ganz ohne Schmuddelwitze durchgehalten habe.
Ihr glaubt nicht, was mich das gekostet hat.
Und dann muss ich was zu essen machen. Irgendwie hab ich heute Lust auf Fisch.


Die Studie im Original: https://academic.oup.com/annonc/article/28/12/3065/4554825
Das Blei in E-Zigaretten: https://www.vapers.guru/2018/02/25/giftige-metalle-in-e-zigaretten-nachgewiesen/
Medcienkampagne Blei im Urin: https://www.vapers.guru/2017/09/25/kampagne-desinfomation-blei-im-urin/

E-Zigaretten verursachen Anfälle

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Joey Hoffmann

Begründer und inhaltlich Verantwortlicher bei vapers.guru
Freier Redakteur, zuvor angestellter und selbstständiger Marketingberater und Mediengestalter, Fachbereich Facebook und Wordpress. Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.

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